Der Hirschkäfer

Hirschkäfer sind bis zu neun Zentimeter groß und damit die größten Käfer in Mitteleuropa überhaupt. Nur die Männchen haben die gewaltigen, großen Mundwerkzeuge des Oberkiefers, umgangssprachlich „Geweihe“ genannt, mit denen sie miteinander kämpfen. Die etwas kleineren Weibchen kann man aufgrund ihrer Größe von sechs Zentimetern trotzdem sofort als Hirschkäfer (Lucanus cervus) erkennen.

Die Hirschkäfer schwärmen von Mitte Juni bis Ende Juli an lauen Abenden mit lautem Brummen in Laubwäldern herum. Sie lieben besonders alte Eichen. Männchen und Weibchen brauchen für die Reifung ihrer Keimzellen Baumsaft von Leckstellen, der bestimmte Pilze enthält.

Zur Paarungszeit kommt es häufig zu Kämpfen zwischen zwei Männchen, die sehr imposant sind. Einer der Käfer wird vom Ast gestoßen. Der Sieger sucht danach das Weibchen an der Leckstelle auf. Er stellt sich über das Weibchen, wobei die Köpfe in die gleiche Richtung zeigen, und verhindert mit seinem Oberkiefer, dass das Weibchen wegläuft. Männchen und Weibchen bleiben in dieser Stellung unter Umständen mehrere Tage über der Leckstelle stehen und nehmen immer wieder Nahrung auf, bis es zur Paarung kommt.

Auf der bundesweiten Roten Liste wird der Hirschkäfer in der Kategorie 2 „stark gefährdet“ geführt. Als Gründe nennt das Bundesamt für Naturschutz vor allem „die Entnahme von Alt- und Totholz, den Einschlag von Altbäumen, die Anpflanzung standortfremder Arten, den ersatzlosen Verlust von Altbäumen zum Beispiel in Alleen und die Nutzungsaufgabe von Streuobstwiesen“. Um dem Hirschkäfer zu helfen, bedarf es dem „Schutz der Altholzbestände, speziell der Alteichen, innerhalb und im Umkreis der bekannten Vorkommensgebiete“ und der Erhöhung des Laubwald-anteils.

Quelle: Nabu

Schönebeck l Regelmäßig arbeitet der Schönebecker Leonhard Frommann in seinem großzügigen Kleingarten in der Sparte „Abendfrieden“ in Frohse. Doch so einen Fund habe er in all den mehr als 45 Jahren, die er den Garten nun schon bestellt, noch nicht gemacht, berichtet der 84-Jährige. Zwei große Hirschkäfer hat der Schönebecker Ene Mai 2020 in seinem Garten entdeckt und die Volksstimme umgehend über den Fund informiert.

Zwei männliche Hirschkäfer und keineswegs ein Pärchen, wie an den Geweihen zu erkennen ist. Denn so ein Geweih, das rund drei Zentimeter lang ist, tragen nur männliche Hirschkäfer. Das weiß auch Michael Wunschik. Er ist der Vorsitzende der Ortsgruppe Schönebeck des Naturschutzbundes (Nabu) und ist ganz begeistert, als er die Bilder von den beiden Hirschkäfern sieht. „Was für ein toller Fund“, findet der Ortsgruppenvorsitzende des Nabu in Schönebeck.

Kämpfe mit Geweih

Er erklärt: „Der Hirschkäfer ist der größte heimische Käfer und kann bis zu neun Zentimeter – Männchen, einschließlich geweihartig verlängerter Mandibeln – groß werden, es gibt aber kleinere Tiere. Das hängt davon ab, wie sich die Larven in den fünf bis acht Jahren ernährt haben.“

Bilder

Zu spüren bekommen hat Leonhard Frommann diese Mandibeln, also die beim männlichen Hirschkäfer sehr ausgeprägten Mundwerkzeuge des Oberkiefers, auch. Und das, obwohl der 84-Jährige extra Handschuhe angezogen hat, als er die Tiere vom Fundort weggetragen hat. Zum Einsatz kommen die Mundwerkzeuge des Hirschkäfers, auch als „Geweih“ bekannt, nicht bei der Nahrungsaufnahme, sondern nur bei Rivalenkämpfen und zum Festhalten der Weibchen während der Paarung.

Doch nicht nur in Frohse wurden kürzlich die laut bundesweiter Roter Liste, Kategorie 2, als „stark gefährdet“ eingestuften Tiere gefunden, sondern auch in Pretzien von Anna-Maria Meussling. „Eben hatte ich in unserem Garten an unserem uralten Grafen-steiner-Apfelbaum, der dick mit Efeu bewachsen ist, eine spektakuläre Begegnung mit dem Hirschkäfer. Erst musste ich ihn retten, weil unsere Katze ihn auch köstlich fand und herumrollte. Aber eben kam ein weiterer dazu. Das ist selten so schön zu sehen. Beide haben sich rasch wieder versteckt. Die Hirschkäfer leben schon viele Jahre in dem Baum“, berichtet Anna-Maria Meussling per Mail und hat es sich nicht nehmen lassen, die beiden Käfer – ebenfalls zwei Männchen – abzulichten und der Volksstimme zu schicken.

In Deutschland war der Hirschkäfer früher weit verbreitet und überall im Flach- und Bergland, wo Eichen stehen, nicht selten. „Heute kommen Hirschkäfer auch noch mehr oder weniger flächendeckend vor, sind aber fast überall selten“, erklärt Michael Wunschik.

Geischerter Bestand in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt konzentriere sich das Vorkommen vor allem auf das auenwaldreiche Mittelelbegebiet. „Aber auch im Fläming, im Harz und in der Dübener Heide werden alljährlich Tiere beobachtet“, berichtet der Nabu-Ortsvorsitzende. Es werde davon ausgegangen, dass aufgrund der Vielzahl der in den letzten Jahren gemeldeten Funde gesicherte Bestände des Hirschkäfers in Sachsen-Anhalt vorkommen. Dennoch gilt er in Sachsen-Anhalt laut Roter Liste, Kategorie 3, als „gefährdet“.

Innerhalb der Nabu-Ortsgruppe Schönebeck gibt es mit Marcel Majchrzak einen beim Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt eingetragenen Kartierer für Rote-Liste-Arten wie dem Hirschkäfer. Funde des Hirschkäfers mit Angaben des Fundortes, wenn möglich sogar Koordinaten, Funddatum, Name des Finders und falls möglich Foto können Leute, die Hirschkäfer finden, per Mail an m.majchrzak@freenet.de schicken. „Auch tote Tiere oder Überreste nimmt er gern entgegen“, sagt Michael Wunschik.

Tierfunde melden

Und noch ein Schönebecker sammelt seit Jahren Informationen zum Vorkommen der Art, wie Michael Wunschik berichtet. Dr. Werner Melchau ist Vorsitzender der Entomologen-Vereinigung Sachsen-Anhalt und freue sich ebenfalls über Meldungen an wernermalchau@aol.com. Aus diesen werde die landesweite Bestandsentwicklung in der Roten Liste für die Familie der Schröter, zu denen der Hirschkäfer gehört, erfasst.

Weitere Funde des Hirschkäfers seien Michael Wunschik in der Region aus Schönebeck bekannt. Nämlich solche in den Ortsteilen Grünewalde, Elbenau, Ranies, Plötzky und an der Elbe beim Bootshaus „Delphin“.