Schönebeck l Das Bild der strahlenden Aluminiumwände könnte einem Science-Fiction- oder Fantasyroman entspringen. Doch diese mobilen Hochwasserschutzwände, die am Donnerstag durch die Schönebecker Wasserwehr aufgebaut wurden, haben einen ganz nüchternen und wichtigen Zweck: die Stadt vor einem eventuellen Hochwasser zu schützen. Der Aufbau ist gewissermaßen eine Generalprobe gewesen.

Schon um 7 Uhr haben 18 Mitglieder der Schönebecker Wasserwehr mit dem Aufbau begonnen, informiert Wehrleiter Dirk Lindner. Und gegen Mittag war der Bereich von der Salzblume über das Elbtor bis hin zur Thälmannbrücke quasi sicher vor den Fluten.

Drei Tage im Ernstfall

„Im Ernstfall hat man rund drei Tage Vorlaufzeit für den Aufbau, da wir die Informationen über eventuelle Hochwasser aus Dresden erhalten“, sagt Ulf Reimherr, Projektverantwortlicher beim Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW).

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Ulf Reimherr hat ein prüfendes Auge auf das Schaffen an der Elbe. Wie die Stadt Schönebeck vor Wassermassen geschützt ist, weiß er ganz genau. „Wir haben hier auf einer Länge von 235 Metern die Hochwasserschutzanlagen. Die fest verbauten Stahlbetonwände können einem statistisch errechneten ‚Bemessungshochwasser‘ standhalten“, so Reimherr. Sollte der Pegel noch höher steigen, würden die fest verbauten Hochwasserschutzwände nicht ausreichen. In einem solchen Fall würden die mobilen Aluminiumelemente ins Spiel kommen – der Fachmann nennt diese Freibord. „Die sorgen für eine zusätzliche Sicherheit und würden beispielsweise Wellen oder Treibgut abhalten. Durchschnittlich kommt durch die Aluminium-Wände nochmal rund einen Meter auf die bestehenden Anlagen drauf“, erklärt Reimherr. Insgesamt wird dadurch eine Höhe erreicht, mit der ein Hochwasser wie 2013 – als der Pegel bei etwa 7,52 Metern lag – aufgehalten werden würde.

Land und Bund zahlen

Die Baukosten für die Hochwasserschutzanlage belaufen sich auf rund 3,8 Millionen Euro. Rechnet man Planungskosten und vorbereitende Arbeiten hinzu, liegen die Kosten für das Projekt sogar bei etwa fünf Millionen Euro, sagt Ulf Reimherr. Finanziert wird die Maßnahme zu 100 Prozent durch Land und Bund, die Stadt muss keine Kosten tragen.

Noch am Donnerstag wurden die mobilen Schutzwände wieder abgebaut. Sie werden vorerst in einem Materiallager des LHW in Gommern gelagert. Einige Elemente sind auch in Containern verstaut. Perspektivisch sollen sie aber vor Ort aufbewahrt werden. Dafür soll im Jahr 2021 eine Lagerhalle in Schönebeck errichtet werden.