Pflegekräfte

Impfbereitschaft im Salzland durchwachsen

Die Impfbereitschaft von Pflegepersonal im Salzlandkreis scheint durchwachsen. Doch es gibt Ideen, diese zu fördern.

Schönebeck/Staßfurt l Seit einigen Tagen wird sie in allen gesellschaftlichen Bereichen heiß diskutiert: Eine mögliche Impfpflicht gegen das Coronavirus für Pflegepersonal. Die Stimmung ist aufgeheizt. Befürworter und Gegner einer solchen Verpflichtung bestimmte Berufsgruppen geraten aneinander. Doch wie steht es eigentlich um die Mitarbeiter von Pflegediensten und Seniorenheimen im Salzlandkreis? Haben die Impfungen hier bereits begonnen? Wollen sich die Mitarbeiter überhaupt impfen lassen?

„Unsere Pflegekräfte wären schon geimpft, wenn wir denn einen Termin für die Impfung bekommen würden“, erklärt Daniela Hanisch, Prokuristin beim Schönebecker Pflegedienst 4-Jahreszeiten. Bereits Anfang des Jahres habe der Pflegedienst beim Staßfurter Impfzentrum des Salzlandkreises angefragt, wann die Impfungen der Mitarbeiter starten können. Jetzt kam die Antwort: Der Pflegedienst werde Bescheid bekommen, sobald genügend Impfstoff vorhanden sei. Von den rund 20 Pflegekräften wolle sich laut Hanisch der Großteil impfen lassen. Starten können die Impfungen des Personals aus Sicht des Pflegedienstes sofort – die dafür notwendige Einverständniserklärung aller impfbereiten Mitarbeiter liege bereits vor. Jetzt fehlt zumindest für diesen Pflegedienst nur noch der Impfstoff.

Und genau den haben fast die Hälfte der Mitarbeiter der vier Altenpflegeheime des Schönebecker Diakonievereins Burghof jeweils vor Ort bereits bekommen – zumindest die erste Impfdosis. „Von unseren 132 Pflegekräften sind 44,7 Prozent geimpft“, berichtet Burghof Vorsteherin Annett Lazay. Doch die Impfquote zwischen den Häusern unterscheide sich sehr. Während im Haus Katharina (Wahlitz, Jerichower Land) bereits 60 Prozent der Pflegekräfte geimpft seien, sind es im Schönebecker Haus Dorothea nur 23,3 Prozent. „Das ist mir insgesamt zu wenig. Ziel sollte es sein, dass mindestens 60 bis 70 Prozent der Pflegekräfte geimpft sind“, findet Annett Lazay und hofft auf mehr öffentliche Aufklärung und plant, eine interne Kampagne für die Impfung zu starten.

Sie – und damit ist sie nicht die einzige – berichtet, dass sich mehr ältere als jüngere Pflegekräfte impfbereit zeigen würden. Einen Termin für die zweite Impfung der Schönebecker Kollegen gebe es im Gegensatz für die Haus-Katharina-Pflegekräfte im Jerichower Land aber noch nicht. „Wir sollen vom Impfzentrum des Salzlandkreises kurzfristig Bescheid bekommen“, sagt Annett Lazay.

Im Caritas-Altenpflegezentrum St. Johannes in Staßfurt ist die Impfbereitschaft bei den 65 Mitarbeitern durchwachsen. „50/50“, würde der Leiter Dominik Scholz sagen. Die Caritas verpflichtet ihre Angestellten nicht dazu. „Wir sind beim Gesundheitsamt zur Impfung angemeldet und bereiten uns intern darauf vor. Kurz bevor es soweit ist, machen wir nochmal eine Abfrage unter den Mitarbeitern.“

Die Meinung des Leiters: „Jeder kann selbst entscheiden, ob er sich impfen lässt.“ Die verhaltene Impfbereitschaft unter den Pflegekräften kann er sich schlecht erklären: „Ich meine, dass die Medien und die allgemeine Kommunikation Ursache sind.“

50/50 stehe es auch um die Impfbereitschaft ihrer Pflegekräfte, berichtet Annett Koschmieder, Inhaberin des Calbenser Pflegedienstes Koschmieder. Am 8. Januar 2021 sei ein mobiles Impfteam in der stationären Tagespflege und im betreuten Wohnen unterwegs gewesen und habe sowohl Bewohner (rund 90 Prozent) als auch Personal geimpft – auf freiwilliger Basis natürlich.

Um die Impfbereitschaft ihres Personals zu stärken, habe sie für die kommende Woche eine Ärztin gewinnen können, die sich den Fragen der Angestellten widmet. Gerade ihr junges Pflegepersonal sorge sich nämlich um mögliche Impf-Langzeitfolgen beispielsweise in Form von Unfruchtbarkeit. Am 29. Januar 2021 erwartet Annett Koschmieder dann erneut ein Impfteam – für den zweiten Piks. „Ich hoffe, dass sich an diesem Termin dann weitere Pflegekräfte impfen lassen“, sagt sie.

„Es geht im Hintergrund um die Haftung bei Folgeschäden der Impfung“, meint Diana Kuntze. Die Leiterin des Sozialtherapeutischen Zentrums Egeln hört das immer wieder aus Gesprächen unter Mitarbeitern heraus. Sprich: Wenn eine Pflegekraft aus dem Berufsleben wegen Folgeschäden der Impfung ausscheiden muss – wer zahlt? Springt die Versicherung ein? „Das konnte uns bisher noch niemand sagen.“

Auch in Egeln haben die 35 Pflegekräfte, noch keinen Impftermin. Nach einer internen Abfrage im Dezember ist auch die Belegschaft in Egeln bei der Impfbereitschaft zweigeteilt. „Wir sollten natürlich Vorbild sein, was das Impfen betrifft“, meint Diana Kuntze.

„Eine Verpflichtung zur Impfung besteht für unsere Mitarbeiter nicht“, erklärt Kuntzes Vorgesetzte bei den Paritätischen Sozialwerken, Anja Linz-Sonntag. Man kläre auf, weise darauf hin, wie wichtig es sei, sich selbst und die Kunden zu schützen und verweise auf das offizielle Informationsmaterial des Robert-Koch-Instituts.

Aufklärung über den Impfstoff ist für Heimleiter Erik Ohme Dreh- und Angelpunkt der ganzen Diskussion. Im Pflegezentrum des Paritätischen in Löbnitz bei Staßfurt sind durch unglückliche Terminvorschläge noch nicht einmal die Bewohner geimpft. Und Ohme berichtet: „Von unserer Belegschaft will sich bisher nur ein Viertel impfen lassen. Viele Unentschlossene bestehen auf das Aufklärungsgespräch vor der Impfung. Aus Erfahrungen anderer Pflegeheime in Sachsen-Anhalt findet so etwas aber nicht wirklich statt. Es wird nur geschaut, ob alle Unterlagen da sind und dann ‚durchmarschiert‘.“ Mögliche Nebenwirkungen, Arbeitsunfähigkeit, fehlende Langzeitstudien und eventuelle Folgeschäden führten zu Skepsis unter dem Personal.

Rätselraten herrscht derweil beim DRK-Kreisverband Staßfurt-Aschersleben mit dem Hecklinger Pflegeheim. „Nach heutigem Stand wissen wir noch nicht, wann in unserem Pflegeheim geimpft wird. Wir haben dazu noch keine Mitteilung des Landkreises erhalten. Dementsprechend können wir leider auch noch keine Aussage über die finale Impfbereitschaft unseres Personals treffen“, teilt Kreisgeschäftsführerin Elke Bartholomes. Daher gilt die bundesweite Handhabung des DRK: Freiwilligkeit, aber Empfehlung zur Impfung. Bereitschaft durch Aufklärung erhöhen.