Schönebeck l Wie mühselig mitunter Integration sein kann, wurde am Sonnabend deutlich. Als die Initiatoren des „Festes der Begegnung“ einluden und ein Programm aufstellten, war auch der Jugendclub „Young Generation“ mit von der Partie. Doch einige Auftritte fielen ins Wasser: Kinder und Jugendliche aus Albanien, die für den Auftritt lange geprobt hatten, wurden gemeinsam mit ihren Familien abgeschoben. Von heute auf morgen. „Sie waren bei uns integriert. Solche Dinge machen die Arbeit insgesamt nicht leichter“, berichtet Andrea Sommer vom Jugendclub.

Der lebt seit Jahren das Motto des Festes vom Sonnabend vor: Toleranz im täglichen Miteinander. Rund 60 bis 80 Kinder und Jugendliche sind täglich im „Young Generation“, rund die Hälfte der Besucher haben Migrationshintergrund. „Es läuft super. Es ist alles sehr unkompliziert“, so Andrea Sommer. Vor allem lobt sie die gute Unterstützung, die der Jugendclub von allen Seiten immer wieder erfährt.

Problem, alles zu erklären

Bis eben zu jenen Momenten, wenn Kinder aus Familien, die in Deutschland nicht erwünscht sind, abgeschoben werden. „Dann reißen Freundschaften auseinander, und wir haben Probleme, den Kindern diesen Umstand zu erklären“, so die Mitarbeiterin des Jugendclubs. Dass am vergangenen Sonnabend fast das ganze Fest mit dem Bühnenprogramm damit in Mitleidenschaft gezogen wurde, war so eben nicht planbar.

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So versuchten die Initiatoren zu improvisieren. Die Bürgerstiftung Salzland, das Netzwerk Asyl und das Bündnis für Familien mit der Förderung des Bundesprogrammes „Demokratie leben!“ versuchten aus der Situation des beste zu machen. „Wir sind trotzdem sehr zufrieden“, resümiert Ines Grimm-Hübner, die für die Pressearbeit des Begegnungsfestes zuständig war.

Sind eigentlich solche Feste zur Begegnung der Kulturen und der Toleranz noch erforderlich? „Ja selbstverständlich. Jetzt viel mehr als früher“, so Ines Grimm-Hübner. Nach wie vor gibt es auf Grund der Herkunft unterschiedliche Betrachtungsweisen zum Leben. Diese Hürde zu überwinden oder gar abzubauen, passiert nur durch ein gemeinsames Miteinander.

Gruppen mischen sich

Und so dauerte es am Sonnabend auch nicht lange. In die Sitzgruppen mischte sich das Publikum. Oftmals waren die Kinder der Schlüssel, die den Kontakt zwischen ausländischen und deutschen Besuchern herstellten. Dies hob Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU), der die Schirmherrschaft des Festes übernommen hatte, in seiner kurzen Eröffnungsrede hervor. „Dieses Fest ist ein wunderbares Programm über Sprache und Grenzen hinweg“, sagte er.

Auch Britta Duschek, Vorsitzende der Bürgerstiftung Salzland, freute sich, dass die Anwohner der Straße der Jugend, selbst aus verschiedene Kulturkreise kommend, gemeinsam mit den deutschen Gastgebern feierten und sich vor allen näher kommen können.

Partner waren mit dabei

Dafür hatten die Initiatoren ein buntes Programm auf die Beine gestellt. Neben DRK, Feuerwehr und Polizei kamen auch Wasserwacht, SWB, Kaleb, Kirchenkreis und andere. Sie alle zeigten am Sonnabend deutlich, was das „Netzwerk Asyl“ bewirken kann, wenn Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung in die Mitte der Gesellschaft rücken. Aber eben nur dann, wenn sie nicht vorher abgeschoben werden.