Schönebeck l In den vergangenen Monaten wurde immer wieder vor einer Krankheit gewarnt, die aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie jedoch vollkommen in den Hintergrund getreten ist. Die Rede ist von der afrikanischen Schweinepest. Bisher befällt die Krankheit vor allem Wildschweine und grassiert derzeit in Osteuropa. Doch sobald sie in einem Schweinestall festgestellt wird, muss vorsorglich der gesamte Bestand getötet und entsorgt werden.

„Die Frage ist nicht, ob die afrikanische Schweinepest Deutschland erreicht. Sondern nur noch, wann“, sagte Jens Hennicke, Kreisjägermeister im Salzlandkreis, auf Nachfrage der Volksstimme. Die Virusinfektion sollte eigentlich das große Thema der Jahreshauptversammlung der Jägerschaft im Salzlandkreis am vergangenen Wochenende werden. Doch die Veranstaltung musste natürlich – mitsamt dem Jägerball – wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden.

Trotzdem bleibt die afrikanische Schweinepest brandaktuell für die Jäger auch im Salzlandkreis. „Die Schweinepest wurde zuletzt in Polen zehn Kilometer vor der Deutschen Grenzen festgestellt“, sagte der Kreisjägermeister. Und sie verbreitet sich an der offenen Grenze nicht nur durch Wildschweine, sondern auch über Speisereste, die von Reisenden weggeworfen werden. Wobei die Reisefreiheit aufgrund der Corona-Pandemie gerade einschränkt ist.

Problemgebiet

Die Jäger können nun zweierlei tun: „Die Jäger sind aufgerufen, jetzt schon vorsorglich Proben von verendeten Wildschweinen zu nehmen und zur Untersuchung einzuschicken“, sagte Kreisjägermeister Jens Hennicke. Dafür gebe es sogar eine Aufwandsentschädigung von 50 Euro. Problem: Die Kernzone des Lödderitzer Forstes darf als Schutzgebiet nur einmal im Jahr von Jägern betreten werden. Hier könnte sich die Schweinepest daher unbemerkt ausbreiten.

Und wenn die afrikanische Schweinepest erst einmal in Deutschland angekommen ist, stehen auch die Jäger im Salzlandkreis quasi „Gewehr bei Fuß“, um in der betroffenen Region auszuhelfen. „Wenn in einer Gegend die Schweinepest festgestellt wird, muss die Population der Wildschweine um 90 Prozent reduziert werden“, sagte Kreisjägermeister Jens Hennicke. Auf diese Weise kann hoffentlich verhindert werden, dass die Krankheit von den Wildschweinen auf die Schweineställe übergreift. Denn schon ein geringer Befall in deutschen Ställen würde vermutlich zu einem Exportbann anderer Länder des gesamten deutschen Schweinefleisches führen, warnt der Deutsche Bauernverband.

Jagdjahr

Unabhängig von der Schweinepest ist der Kreisjägermeister mit dem vergangenen Jagdjahr zufrieden. „Es war ein gutes Jahr, auch wenn wir wegen der Corona-Krise jetzt noch keine Zahlen präsentieren können“, sagte Jens Hennicke. Im Salzlandkreis gebe es aktuell rund 950 Jäger.

Auch der Wolf sei für die Jäger im Salzlandkreis immer wieder ein Thema. „Bisher gibt es ein bestätigtes Rudel im Lödderitzer Forst und immer wieder Sichtungen auch in Ostelbien bei Schönebeck“, sagte Kreisjägermeister Jens Hennicke. „Daher ist es sicher nur eine Frage der Zeit, bis es auch ein Rudel in Ostelbien geben wird.“ Die Jäger hätten zwar nicht unbedingt große Lust darauf, auch den Wolf zu jagen. „Es werden aber langsam zu viele Tiere“, sagte Jens Hennicke. Wichtig sei es auch, alle Nutztierrisse dem Wolfskompetenzzentrum zu melden, um den Überblick über die Vorfälle zu behalten.

Die Jäger im Salzlandkreis haben auch zur Kenntnis genommen, dass die Abschaffung der Hundesteuer für Jagdhunde in Schönebeck gescheitert ist. „In Calbe zahle ich keine Hundesteuer für meinen Jagdhund“, sagte Kreisjägermeister Jens Hennicke. Die Steuer beträgt in Schönebeck 60 Euro für den ersten Hund und 100 Euro für den zweiten. Jäger würden zwar sowieso viel Geld für die Jagd ausgeben. „Es ist aber auch eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, die Anerkennung verdient“, sagte Hennicke.