Pömmelte l „Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Fräulein Erich bei meiner Konfirmation Orgel spielte“, sagt Dieter Kohle, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates Pömmelte. Das war 1963; Kohle ist heute 71. Danach befragt, wann zum letzten Mal ein „ordentlicher Ton“ das hölzerne Gehäuse verließ, mutmaßt der Pömmelter nur: „Das ist mindestens schon 40 Jahre her!“

Der etwas laxe Begriff „ordentlicher Ton“ ist berechtigt. Denn wenn man heute schweißtreibend den Blasebalg tritt und somit an den Pfeifen Luft anliegt, gibt nur eines der beiden Manuale komische Töne frei. Was kein Wunder ist, so lange wie die Königin der Instrumente schon in sich ruht.

Begutachtung durch Sachverständigen

Doch das soll sich ändern: Die Kirchengemeinde bat Werner Jankowski, Orgelsachverständiger des Kirchenkreises Egeln, um Begutachtung. Der untersuchte im August 2019 das Instrument ausführlich und fasste dessen „Vita“ zusammen. 1864 baute Carl Böttcher aus Magdeburg die kleine Orgel mit ihren zwei Manualen und zwölf Registern auf. Und zwar in der alten Pömmelter Dorfkirche, der zu jenem Zeitpunkt - wie sich bald erweisen sollte - keine große Zukunft mehr beschieden war. Denn nur sechs Jahre später wurde sie abgebrochen und 1871 ein Neubau eingeweiht. Die Orgel wurde somit ab- und wieder aufgebaut.

Bilder

In einem Gutachten von 1941 bescheinigt Orgelrevisor Strube „gut gebaute Schleifladen“ (zum Verteilen der Luft, d. Red.) und einen „bedeutenden Klang“. „Leider ist ganz offensichtlich seit längerer Zeit nichts Ernstliches für die Erhaltung des vorzüglichen Werkes getan worden“, urteilt der Fachmann schon vor 79 Jahren.

Werner Jankowski, der schon mehrmals in Pömmelte Konzerte auf dem Harmonium gab, kommt nach seiner Revision zu dem Schluss: „Für die Orgellandschaft stellt es eine große Bereicherung dar ...“, wenn das Pömmelter Instrument grundsaniert würde. Dazu wäre eine Demontage nötig. Das wurmstichige Pfeifenwerk müsse aufgearbeitet, die Balganlage erneuert, ein elektrischer Winderzeuger installiert werden. Jankowski bestärkte bereits vor sieben Jahren die Pömmelter Gemeinde: „Sie haben Ihre Kirche bis auf die Orgel wunderbar saniert, haben Sie Mut für diesen weiteren Schritt!“

Das überzeugte offensichtlich Dieter Kohle und den Gemeindekirchenrat. Denn die erforderlichen 90.000 Euro aufzubringen, ist nicht von Pappe. Aber wer es schon fertig gebracht hat, zwei neue Bronzeglocken für über 50.000 Euro zu installieren, dürfte Erfahrung haben.

Hoffnung auf Unterstützung vom Land

Aus diesem Grund hoffen die Pömmelter neben Orgelfonds und Kirchenkreis auch auf Landeszuweisungen. Beim Kultusministerium wurden 27.000 Euro beantragt. Laut Kulturstaatssekretär Gunnar Schellenberger sehe es diesbezüglich nicht schlecht aus, aber erst im kommenden Haushaltsjahr. „Das würde passen, weil wir 2020 sowieso noch nicht anfangen könnten und Fördermittel ja immer an bestimmte Fristen gebunden sind“, gesteht Dieter Kohle. Was nicht zuletzt an den „ausgebuchten“ Handwerkerfirmen liege.

Schellenberger besuchte kürzlich die beiden wichtigen Pömmelter Denkmale: die Johanniskirche und die Bockwindmühle. Schließlich liegen sie im Umfeld des Ringheiligtums, das Touristen anlockt. „Das freut uns, dass man das in einem größeren Kontext sieht“, meint Dieter Kohle. Soll heißen: Das Umfeld des vorgeschichtlichen Ringheiligtums profitiert von der Kreisgrabenanlage.

Die Gemeinde muss nun in den nächsten Monaten Eigenmittel in Höhe von 10.000 Euro auftreiben. Dies soll über Spenden geschehen; auch ein Benefizkonzert ist in Planung.