Schönebeck l Eine zerbrochene Bierflasche auf dem Gehweg der Geschwister-Scholl-Straße; in der Hecke der Bertold-Brecht-Straße verfangen sich Werbeprospekte aus Papier; unweit des Salzblumenplatzes dümpeln Plastikflaschen im Wellengang der Elbe vor sich hin. Das ist ärgerlich und kein schöner Anblick.

Vielen Bürgern fällt die Umweltverschmutzung auf. Sobald sie ihre Haustür hinter sich schließen, ist die Verschmutzung auf den Straßen, Freiflächen und an der Elbe wieder vergessen. Hanna Jungnickel tickt anders: Sie hat das Schulprojekt „Leben lernen – wir sammeln Müll“ der Sekundarschule Leben Lernen angestoßen.

Müll macht wütend und nachdenklich

Ein Wochenend-Spaziergang mit ihrem Vater an der Elbe in Grünewalde hat ihr die Augen geöffnet. „Wir sahen viel Müll. Leere Flaschen und Tüten aus Plastik, die auf dem Fluss trieben, verschmutzten den Strand“. Das machte die Schülersprecherin wütend und nachdenklich.

Das Thema ließ ihr keine Ruhe. Sie wollte etwas ändern. Am nächsten Schultag erzählte sie Mitschülern und Lehrern, was sie sah. Während des Unterrichts beschloss Hanna, dass die ganze Schule etwas gegen die Verschmutzung tun kann.

Schülerrat bestätigt Projekt

Gesagt. Getan. Das Projekt wurde durch den Schülerrat bestätigt und es konnte losgehen. Unlängst schwärmten dutzende Grund- und Sekundarschüler aus. Ausgestattet mit Gummihandschuhen, Müllsäcken und einer ordentlichen Portion Schaffensdrang begannen die Schüler, Müll zu sammeln. Gleich auf dem Rasen vor der Schule wurden Bierflaschen, leere Joghurtbecher, Kronkorken, sogar ein ausrangierter Fahrgastsitz aus einem Linienbus gefunden.

Christin Piennecke, Lehrerin für Geographie, Geschichte und Ethik begleitete die Grundschüler. Einige Schüler waren etwas übereifrig: „Nein, das tote Tier lasst ihr bitte liegen. Das kommt nicht in die Tüte!“, erklärte sie. Die älteren Schüler weiteten ihren Mülleinsatz auf die Magdeburger Straße aus. Sie fanden viel und füllten einen Müllsack nach dem anderen. In der Nähe eines Garagenkomplexes „haben bestimmt irgendwelche Leute ihren Sperrmüll entsorgt“, stellt Sophie Sobotta fest.

Volle Mülltüten

Mit ihren Handykameras fotografierten die Achtklässler mehrere Regale, eine Couch, einen Beistelltisch, eine Toilette und einen Katzenkratzbaum. Nach einer Dreiviertelstunde waren alle Mülltüten voll. Und Hanna Jungnickel stolz: „Die Straßen sind sauberer und Mitschüler, die anfangs nicht mitmachen wollten, hatten sogar Spaß an der Kampagne.“ Der kubikmetergroße Container, der extra für die Aktion geordert wurde, füllte sich mehr und mehr.

Eine Eintagsfliege ist das Projekt keineswegs. „Wir werden in Zukunft nicht nur im Umfeld unserer Schule den Müll beseitigen. Wir wollen bis zur Elbe gehen“ Also auch an der Stelle, wo Hanna kürzlich den angespülten Müll am Ufer entdeckte.

Nachhaltigkeit auf dem Lehrplan

Das Gute an dem Projekt ist, dass „Nachhaltigkeit in der 8. Klasse auf dem Lehrplan steht. So können wir Lehrkräfte das theoretische Wissen aus dem Unterricht perfekt mit praktischen Einsätzen verweben“, freut sich Christin Piennecke. „Die Schüler werden sich klar über ihren eigenen ökologischen Fußabdruck und merken, was wir der Natur antun.“ Im Geographieunterricht wird das Projekt zusätzlich besprochen. Gemeinsam mit den Schülern sollen Lösungsansätze diskutiert werden, wie das Müllproblem verringert werden kann.

Übrigens: Der Schülerrat der Sekundarschule „Leben lernen“ wird das Projekt dokumentieren. Ziel ist es, Schönebecks Stadtoberhaupt Bert Knoblauch in absehbarer Zukunft einen Brief zu übergeben. Darin wird die Umwelt-Kampagne erklärt und werden Alternativen aufgeführt, wie der Müll auf Straßen und Natur reduziert werden kann. Insgeheim hofft Junginitiatorin Hanna Jungnickel, dass „andere Schulen dem Beispiel folgen und selbst etwas für mehr Sauberkeit in der Stadt und in der Natur tun“.

Positive Reaktionen

Übrigens blieb die Aktion nicht unbemerkt: „Was die Schüler hier machen, ist aller Ehren wert“, findet Birgit Steuer aus Felgeleben. Sie war am Tag der Müllaktion mit dem Auto auf dem Weg von Magdeburg nach Hause und sah die Schüler. „Das ist nicht gang und gäbe. Ich finde das toll“, lobt sie die Schülerkampagne.