Biere/Eggersdorf l Die Luft stinkt, es ist stickig und die Mittagssonne prallt ungebremst auf die Mitarbeiter des Kreiswirtschaftsbetriebes. Matthias Ulrich und Torsten Warias kämpfen sichtlich mit der Situation. Der Schweiß steht den beiden auf der Stirn. Schweißflecken zeugen von harter Arbeit. Trotzdem lassen sich die beiden nicht ihren Humor nehmen. „Die Schaufel musst du aber vorher noch rausnehmen“, lacht Torsten Warias. „Sonst ist 'se weg.“

Gemeint ist die Schaufel, mit der die beiden den Müll in das Fahrzeug des Kreiswirtschaftsbetriebes hieven. Mit der Schippe drücken sie die Windeln und den Restmüll weiter in das Fahrzeuginnere. Eine Presse erledigt den Rest.

Knapp zwei Wochen

Knapp zwei Wochen liegen die illegal entsorgten Reste nun schon in Biere. Passiert ist bis dahin kaum etwas. Andreas Plunkte vom Ordnungsamt der Gemeinde Bördeland erklärt: „Nachdem die Regionalbereichsbeamten der Gemeinde mir die vor Ort gefundenen Indizien, die auf den oder die möglichen Täter schließen lassen, gebracht hatten, haben wir die Anzeige aufgegeben.“ Der Täter stammt laut ersten Ermittlungen aus Barby.

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Weiter wurde nach eigenen Aussagen eine E-Mail an den Salzlandkreis geschickt, in der alle Indizien und Informationen nochmal aufgelistet wurden. Obwohl schon knapp zwei Wochen seit dem Fund vergangen sind, konnte der Kreiswirtschaftsbetrieb erst jetzt den Müll einladen und entsorgen. Brisant dabei, die Öle, Lacke und die Kühlflüssigkeit der defekten Kühlschränke stellen eine Gefahr für Mensch, Tier und Natur dar. Dennoch spricht der Salzlandkreis von keiner großen Bedrohung (keine Schadstoffe vor Ort).

Auf die Frage, warum es so lange gedauert hat, weiß Ralf Felgenträger vom Kreiswirtschaftsbetrieb eine klare Antwort: „Das hat nicht lange gedauert.“ Vielmehr konnten vorher keine Kapazitäten freigeräumt werden. „Wir sind für den gesamten Salzlandkreis verantwortlich, nicht nur für Biere. Also müssen wir schauen, dass wir möglichst effektiv die Routen für die Müllentsorgung planen.“

Die genaue Reihenfolge

Weiter erklärt Marianne Bothe von der Pressestelle des Salzlandkreises, dass nachdem das Ordnungsamt dem Kreis Bescheid gegeben hat, erst vor Ort nochmal weitere Begehungen durch den Fachdienst für Natur und Umwelt erfolgen mussten. Dieser prüfte dann das weitere Vorgehen und erst danach kann der Auftrag an den Kreiswirtschaftsbetrieb erfolgen. Dieser terminiert dann die Abholung. In dem Fall aus Biere dauerte dieser Dienstweg gute zwei Wochen.

„Wir haben einfach nicht die Kapazitäten, sofort den Müll zu entsorgen“, erklärt Ralf Felgenträger zusätzlich. „Zudem wird das illegale Entsorgen gerade von Sondermüll immer mehr zu einem Problem im Salzlandkreis“, weiß er zu berichten.

Von diesem Problem kann auch Andreas Plunkte ein Leidenslied singen. „Allein an der Stelle haben wir ständig derartige Probleme“, ärgert er sich. Auch der in diesem speziellen Fall verdächtige Umweltsünder aus Barby soll nicht zum ersten Mal an der Stelle sein Unwesen getrieben haben. „Das müsste das vierte Mal allein in der Gemeinde Bördeland sein, wo der Name möglichen Täters und weitere Familien- und Freundesnamen auftauchen“, so Andreas Pluntke weiter.

Ekelfaktor

Wieder zurück an der A14 kämpfen Matthias Ulrich und Torsten Warias mit dem Ekelfaktor des Mülls an. „Das ist einfach nur widerlich“, meint Matthias Ulrich. Torsten Warias nickt zustimmend. „Die Personen, die so etwas machen, sollten endlich ausreichende Strafen für diese Sauerei bekommen“, meinen die beiden. Nicht ganz zu Unrecht. Immerhin haben bisherige Strafmaßnahmen seitens der Polizei und des Ordnungsamtes nicht gefruchtet. Immer wieder taucht der Name des Barbyers an Müllfundorten auf. Einsicht, Fehlanzeige.

Nun sind die Reste, wohl von einer Haushaltsauflösung, bei Biere an der A14 gelandet. Die Entsorgung zahlt erstmal der Kreis selbst. Und somit der Steuerzahler. Auf den oder die Täter kommt nun eine Strafanzeige von Amts wegen aufgrund der Gefährdung von Wildtieren hinzu.

Zu überdenken ist allerdings das aktuelle Modell des Kreises. Auch wenn nach Kreisaussagen keine Schadstoffe gefunden wurden, ist die Zeit von zwei Wochen zu lang. Gerade in den Sommermonaten steigt neben der Gefahr für Wildtiere auch die Flächenbrandgefahr. Eine zeitnahe Entsorgung, nicht nur bei Beeinträchtigung des Bodens, sollte dennoch dringend gewährleistet sein.