Pretzien l Das Neujahrskonzert im Gemeinschaftshaus „Alter Krug“ startet mit einer Überraschung. Die Besucher staunen nicht schlecht, als sich die Glastür vom Foyer öffnet und Marlene Dietrich mit einem schwarzen, glitzernden Kleid und einem schneeweißen Pelzmantel den Gang entlang schreitet, um zur Bühne zu gelangen. Hier hat sich schon die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie platziert. Der Abend steht unter dem Motto: „Von Kopf bis Fuss auf Kino eingestellt“. Dafür stellten die Musiker unter Leitung ihres Chefdirigenten Gerard Oskamp ein Programm zusammen, um verschiedene Filmmusiken präsentieren zu können.

Damit auch das Ambiente stimmt, ist der Saal thematisch mit Filmrollen geschmückt und kleine Popcorn-Tüten am Sitzplatz machen die Kino-Atmosphäre perfekt. Marlene Dietrich kommt nach dem ersten instrumentalen Titel zu Wort: „Haben sie erkannt was gerade gespielt wurde?“ Die Zuschauer brummeln, einzelne „Jas“ sind zu hören. Die Sängerin stellt sich vor und erklärt, dass sie sich durch diese Veranstaltung wieder lebendig fühlen kann. Ein Lachen geht durch den Raum, denn es ist bekannt, dass Marlene Dietrich seit 1992 nicht mehr lebt.

Zeit der Broadway-Shows

„Als ich in den 30er Jahren nach Hollywood kam, war das die große Zeit, als Broadway- Shows für die Filmleinwand aufbereitet wurden.“ Nach dieser Moderation, singt sie mit einer kräftigen Stimme das Lied „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt.“ Der Beifall kommt nach dieser Gesangseinlage nicht zu kurz.

Bilder

Es folgt ein Medley aus „James Bond“, aus „Forrest Gump“, aus „Dr. Schiwago“ und aus „Pink Panter“. Die letztgenannte Melodie stimmen die Musiker des Orchesters mit einem Fingerschnippen ein, bevor sie wieder zu ihren Instrumenten greifen. Plötzlich ist es still, am Keyboard erklingen Töne, Marlene Dietrich bekommt vom Publikum die ungeteilte Aufmerksamkeit, denn das Orchester um sie herum ist leise, als sie das Stück „Jonni, wenn du Geburtstag hast“ präsentiert.

Besucher begeistert

„Das Marlene-Double hat mir besonders gut gefallen und die Titel aus den 60er und 70er Jahren“, sagt Monika Rummel in der Pause. Sie besucht das Konzert gemeinsam mit ihren Freunden, die begeistert von der Musikauswahl sind.

„Fluch der Karibik“ soll im zweiten Teil den krönenden Abschluss bilden, doch es folgen noch die Titel „Sag mir wo die Blumen sind“ und Bonanza. Nach insgesamt zwei Stunden ist der musikalische Ausflug in die verschiedensten Filme wieder vorbei. Das Publikum verlangt mehrere Zugaben. Also hat es den Gästen sehr gut gefallen?

Christine Schäfer reiste aus Magdeburg an: „Die thematische Gestaltung im Saal gefällt mir und die Auswahl der Lieder“, sagt sie. Die Melodien erzeugen nicht nur bei ihr Bilder. Auch Renate Meyer aus Pretzien sieht bei der Filmmusik aus „Singin‘ in the Rain“ den Darsteller Fred Astair mit dem Regenschirm vor ihren Augen. „Ich bin erstaunt, wie die Kammerphilharmonie die Titel umsetzte“, lobt sie.