Schönebeck l Als erstes Vorhaben wollen die Schönebecker Jusos Stolpersteine polieren, die an ermordete Juden aus der Stadt erinnern. „Wir haben das Gefühl, dass der Antisemitismus wieder zunimmt und wollen daher zivilgesellschaftliches Engagement zeigen“, sagt Eric Grube. Der 18-jährige ist der neue Vorsitzende des neugegründeten Juso-Stadtverbandes. Damit sind die jungen Sozialdemokraten die erste Jugendorganisation einer Partei seit der Wiedervereinigung, die einen eigenen Verband in Schönebeck hat. Der Nachwuchs der anderen Parteien ist vor allem auf Kreisebene aktiv.

„Der Hälfte der rund ein Dutzend aktiven Jusos im Salzlandkreis stammt sowieso aus Schönebeck“, sagt Eric Grube. „Deswegen haben wir einen eigenen Stadtverband gegründet, um unsere Interessen hier besser vertreten zu können.“ Dabei geht es auch viel um eher unsichtbare Arbeit in politischen Gremien der SPD in Schönebeck und im Salzlandkreis. „Wir sind noch in der Orientierungsphase“, sagt Grube. Offizielle Treffen sind vorerst alle zwei Monate angesetzt. Allerdings besuchen die fünf Schönebecker Jusos alle das Dr.-Carl-Hermann Gymnasium, wo sie sich regelmäßig austauschen können. Mitmachen ist bei den Jusos erwünscht. Mit ihrer Stolpersteinaktion wollen sie junge Leute ansprechen, die nicht parteipolitisch gebunden sind.

Für den Erhalte von Jugendclubs

Jugendarbeit und insbesondere die Schließung von Jugendclubs sind Themen, die die Jusos ansonsten umtreiben. „Ich kann verstehen, dass die Stadt ihren Haushalt konsolidieren muss. Es kann aber auch nicht sein, dass alles kaputt gespart wird“, sagt er. „Zumindest muss man nach Alternativen suchen und nicht sofort alles ablehnen.“ Von der Stadtverwaltung würde er sich da mehr Kreativität wünschen. So könnte sich Eric Grube etwa eine Zusammenarbeit mit Sponsoren aus der Wirtschaft vorstellen.

Auch der Streik an den Ameos-Kliniken im Salzlandkreis beschäftigt den SPD-Nachwuchs. „Ich finde es schlimm, wenn Mitarbeiter nicht nach Tarif bezahlt werden“, sagt Eric Grube. In dieser Woche haben die Jusos daher die Streikenden in ihrem Streiklokal besucht, um sie zu unterstützen und sich über ihre Situation zu informieren.

Schnittmengen mit anderen Parteien

Doch warum engagieren sich junge Leute ausgerechnet bei der SPD? Andere Parteien wie die Grünen sind gerade viel angesagter. „Soziale Politik ist mir wichtig, auch wenn es Schnittmengen mit anderen Parteien gibt“, sagt Eric Grube. Die Grünen würden zwar die Umwelt schützen wollen, machen sich seiner Ansicht nach dabei aber zu wenige Gedanken um Arbeitsplätze. Auch mit den Linken sieht er Übereinstimmungen, allerdings störe ihn manche radikale Position und eine gelegentlich unzureichende Abgrenzung zu linksextremer Gewalt, wie er sagt.

„Ich bin für einen demokratischen Sozialismus“, sagt Grube, der sich wundert, dass dieser Begriff selbst unter Sozialdemokraten inzwischen umstritten ist. Schließlich steht er immer noch im Grundsatzprogramm der Partei. Den Bundesvorsitzenden der Jusos, Kevin Kühnert, der den demokratischen Sozialismus wieder ins Gespräch gebracht hatte, findet er „großartig“, wie er sagt. „Er regt kluge Debatten an, die auch von anderen Parteien weiter geführt werden“, findet Grube, der mit Willy Brandt mehr anfangen kann als mit Gerhard Schröder. Sich selbst, aber auch die anderen Jusos in Schönebeck, würde er daher eher im linken Spektrum der SPD verorten.

Auf Bundesebene frustriert ihn der Zustand der Sozialdemokraten eher. „Schröder war nicht umsonst der letzte SPD-Kanzler“, sagt Eric Grube, der ein bisschen mit seiner eigenen Partei hadert. Die SPD habe alles zusammengespart und sei in der großen Koalition nicht mehr wieder zu erkennen. „Früher konnten sich die Leute den großen Parteien klar zuordnen. Heute gibt es praktisch nur noch eine große Einheitspartei“, findet der junge Mann.

Neulich hat er am Gymnasium ein politisches Kabarett aufgeführt. Von Grube stammte der Witz: „Geht da die Sonne unter oder ist das die SPD?“ Als Begründung für den Hieb gegen seine Partei zitiert er Joachim Ringelnatz: „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass einem der Kragen platzt.“ Viele Leute würden sich selbst viel zu ernst nehmen, findet der Schüler.

Und dann ist da noch sein Vater, Enrico Grube, der für die FDP im Schönebecker Stadtrat sitzt. „Ich habe mit meinem politischen Engagement aber nicht gegen ihn rebelliert. Ich bin schon vor ihm in die Partei eingetreten“, sagt Eric Grube. Da seine Zwillingsschwester Lara ebenfalls bei den Jusos ist, würden sich zu Hause manchmal „interessante Gespräche“ ergeben. „Wir können uns aber gut unterhalten, weil mein Vater kein krasser Neoliberaler ist“, sagt Eric Grube.

Manchmal vermischen sich im Gespräch mit Eric Grube die Themen und Rollen, denn er ist nicht nur Juso-Chef, sondern auch Mitglied im Jugendbeirat im Stadtrat und in der Schülervertretung am Gymnasium. Bei Jugendthemen gehört er, gerade mal volljährig, schon zu den üblichen Verdächtigen in Schönebeck.

Auf den ersten Blick wirkt Eric Grube fast ein bisschen zurückhaltend. Er neigt nicht dazu, seinem Gegenüber seine Meinung aufzudrängen. Aber wer nachfragt, erhält wohlüberlegte Antworten, die man von einem 18-Jährigen nicht unbedingt erwarten würde.

Berufspolitiker möchte er trotzdem nicht werden. „Es gibt schon genügend Leute ohne Lebenserfahrung in den Parlamenten“, sagt er. Eric Grube möchte nach dem Abitur im Frühjahr erst einmal studieren und einen Beruf ergreifen. Ihn interessierte die Kommunikation zwischen Menschen und Computern. Auch den Lehrerberuf könnte er sich vorstellen, da hat er sich noch nicht entschieden. Auf jeden Fall möchte Eric Grube aber in der Region studieren und später in Schönebeck leben. Dass er dann das Interesse an der SPD und der Politik verliert, kann man sich allerdings nicht so richtig vorstellen.