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Proben für die närrische Zeit in Biere

Die Vereinsräume des Karneval-Clubs Biere (KCB) sind auch jetzt im Hochsommer belebt. Nach der Coronapause laufen die Planungen für die Jubiläumssaison auf Hochtouren.

Von Jan Dahms 26.07.2021, 18:15
Sportklamotten statt Gardekostüm ? In den Räumen des Karnevalsvereins Biere werden seit wenigen Wochen die Tänze für die neue Faschingssaison geprobt. Im Februar 2022, zum Höhepunkt der 5. Jahreszeit, muss die Choreografie sitzen.
Sportklamotten statt Gardekostüm ? In den Räumen des Karnevalsvereins Biere werden seit wenigen Wochen die Tänze für die neue Faschingssaison geprobt. Im Februar 2022, zum Höhepunkt der 5. Jahreszeit, muss die Choreografie sitzen. Foto: Jan Dahms

Biere - Bis zum Höhepunkt der sogenannten „5. Jahreszeit“ am Rosenmontag im Februar 2022 dauert es noch etwa sieben Monate. Trotzdem herrscht in den Räumen des Karneval-Clubs Biere (KCB) schon Ende vergangener Woche ein reges Treiben. Mehrere Kindergruppen versammeln sich in zwei Räumen der oberen Etage aus denen dann immer wieder Musik zu hören ist. Grund für das volle Haus sind die ersten Tanzproben des Vereins für das Karnevalsprogramm im nächsten Jahr. „Nach den Lockerungen der Coronaschutzmaßnahmen können die Tanzgruppen seit drei Wochen ihre Choreografien trainieren“, weiß Gerd Siebert. Seit 1995 ist er Präsident des Karneval-Clubs in Biere (KCB). Nach den Sommerferien ab September werde dann der klassische Gardetanz geübt, so Siebert.

Karneval in Biere setzt eigene Akzente

Dass schon jetzt so viel getanzt wird, ist in Biere kein Zufall. „Wir sind ein tanzlastiger Karnevalsverein mit wenigen Büttenreden bei den Sitzungen“, gibt Gerd Siebert an. Damit hebe man sich ab von den bekannten Faschingshochburgen in Westdeutschland, betont er. Dass der Fasching in Biere grundsätzlich einen anderen Schwerpunkt hat, als die bekannteren Karnevalszentren in Deutschland zeigen die Zahlen. Nach Angaben von Gerd Siebert gibt es im Verein aktuell jeweils eine Männer- und eine Frauentanzgruppe. Außerdem noch vier Gruppen für Kinder. Zusätzlich nehmen die „Crazy Girls“ schon seit 20 Jahren auch außerhalb der Karnevalssaison an Tanzwettbewerben in der Region teil. Sie alle wollen ihr Können am Rosenmontag zum Abschluss der Karnevalszeit in einem rund zweistündigen Programm zeigen. Zeit bleibe bei der Faschingssitzung des KCB dann noch für ein bis zwei Büttenreden und Aufführungen von Sketchen, so Vereinspräsident Gerd Siebert.

Moderner Karneval

Die einzelnen Tanzgruppen des Bierer Karneval-Clubs koordiniert Josefine Radmer. Sie ist schon seit ihrer Kindheit beim KCB. Jetzt studiert sie mit den vielen Gruppen die Tanzschritte ein. Sie hat dabei eine Mission: „Ich möchte den Karneval moderner zeigen“, erklärt Josephine Radmer. Neben den Tanzchoreographien kann das Publikum zur Sitzung deshalb auch den klassischen Gardetanz mit moderner Popmusik zu sehen.

Der Höhepunkt in jeder Karnevalssaison: Die Faschingssitzung des KCB, In Biere gibt es wenig Büttenreden, dafür setzt der Verein auf viele Tanzeinlagen und Sketche.
Der Höhepunkt in jeder Karnevalssaison: Die Faschingssitzung des KCB, In Biere gibt es wenig Büttenreden, dafür setzt der Verein auf viele Tanzeinlagen und Sketche.
Archivfoto: Thomas Schäfer

Karnevalspause wegen Corona-Pandemie

Auch bei der letzten großen Faschingssitzung im Februar 2020 haben die Tänze viel Platz im Programm eingenommen. Von den etwa 60 aktiven Mitgliedern, die an dem Abend beteiligt gewesen sind, waren 45 Tänzer, berichtet Vereinspräsident Gerd Siebert. Die Wahl des passenden Kostüms, der Requisiten und die Gestaltung der einzelnen Programmpunkte bei der jährlichen Karnevalsfeier richtet sich dabei nach einem vereinbarten Motto. Damals ging es um das Thema Zirkus, erinnert sich Siebert. Das passende Bühnenbild stammt dabei jedes Jahr von Ralf Gabriel.

Karnevalisten auf Abstand

Die Mitglieder des Vereins blicken gerne an diesen Karnevalsabend im Februar 2020 zurück. „Es war die letzte große Veranstaltung vor Corona“, sagt Josefine Radmer. Für den Verein waren die nächsten Monate eine schwierige Zeit. „Im November 2020 war dann klar, wir können nicht mehr tanzen, wir mussten den Karneval 2021 absagen“, so Radmer. Auch die Bierer Karnevalisten mussten letzten Februar dann auf Abstand bleiben. Die Vereinsmitglieder blieben damals aber in Kontakt „Wir haben uns über Social-Media gegenseitig auf dem laufenden gehalten und uns Bilder von vergangenen Faschingssitzungen geschickt. Wir haben alle sehnsüchtig darauf gewartet, dass es wieder losgeht“, erzählt Vereinsmitglied Josefine Radmer.

50 Jahre Karneval-Club Biere

Die Proben, die Anfang Juli für die kommende Saison angelaufen sind, stehen schon jetzt unter einem besonderen Zeichen, denn ein Jubiläum kündigt sich an. Im Februar 2022 soll der 50. Geburtstag des Karneval-Clubs Biere (KCB) gefeiert werden. „Wir lassen die Vergangenheit noch einmal aufleben“, verspricht Vereinspräsident Gerd Siebert. So sollen noch einmal die besten Kostüme der letzten Jahrzehnte getragen werden – wenn sie denn noch passen. Außerdem sollen alte Tanzchoreographien noch einmal aufgeführt werden, erklärt Siebert.

Gründungsjahr 1972

Er erinnert sich an den Beginn des KCB. Im Jahr 1972 ist der Verein gegründet worden. „Am Anfang waren es 15 bis 20 Mitglieder, die den Karneval in Biere organisiert haben“, so Siebert. Erster Vereinspräsident war damals Klaus Gabriel. Nach Angaben von Gert Siebert gab es zwar schon vor 1972 ein Faschingsprogramm in Biere, aber erst mit der Gründung des Karneval-Clubs gab es in der DDR finanzielle Unterstützung und Vergünstigungen für die Karnevalisten. In den letzten Jahrzehnten habe sich das Bördeland zu einer Karnevalshochburg entwickelt, schätzt er ein.

Karnevalsmotto für 2022 ist noch ein Geheimnis

Was das Motto zum 50. Jubiläum des Karnevals und einjähriger Pause sein soll, will Vereinsmitglied Josefine Radmer noch nicht genau verraten. „Wir wollen Corona auf die Schippe nehmen“, erklärt sie. Bis es soweit ist, werden die Tänze geübt, die Büttenreden geschrieben, die Sketche gelernt und die Requisiten und Kostüme beschafft. Spätestens zum Beginn der „närrischen Zeit“ am 11. November sollten wenigstens die Kostüme sitzen. Dann wird traditionell der Schlüssel der Gemeinde Biere an die Karnevalisten übergeben. Und spätestens dann hört man in der Ortschaft wieder den obligatorischen Karnevalsruf: „Biere Helau!“