Barby l Rollstuhlsport ist nicht nur ein motivierendes Bewegungs-, Spiel- und Wettkampfangebot für Körperbehinderte, die ständig auf den Gebrauch eines Rollstuhles angewiesen sind, sondern er spricht seit einigen Jahren in zunehmendem Maße auch all jene an, die sich nur zum Sporttreiben in den Rollstuhl setzen. Neuntklässler der christlichen Sekundarschule Barby/Großmühlingen machten jetzt genau diese Erfahrung. In der Friessporthalle ließ sie Rolli-Sportler Mathias Sinang in die Grundlagen dieses Sportes hinein schnuppern. Es wurde Basketball gespielt, was den Jugendlichen offensichtlich Spaß machte, ohne den Respekt vor Menschen zu verlieren, die wirklich im Rollstuhl sitzen.

Deutsch- und Englisch-Fachlehrerin Simone Bleich hatte über ihren Mann, der im Studium das Thema „Stadt-Land-barrierefrei“ bearbeitete, vom Schulprojekt für Sachsen-Anhalt erfahren und es 2016 erstmals erfolgreich umgesetzt.

Unter der Leitung von Projektkoordinator Volker Möws vom Klinikum Bergmannstrost Halle, Rolli-Sportler Mathias Sinang und Robert Strohschein vom Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Sachsen-Anhalt testeten rund 50 Schülern der beiden neunten Klassen die Fortbewegung in verschiedenen Rollstühlen. Die Trainer vermittelten den Jugendlichen nicht nur die Grundlagen zum Beherrschen des fahrbaren Untersatzes, sondern auch, wie sie Betroffene im Alltag ansprechen und ihnen effektiv helfen können. Vor allem aber stand die aktive Betätigung im Rolli bei der Erkundung der Stadt Barby und bei Sportspielen in der Turnhalle im Mittelpunkt. Dabei machten die Neuntklässer Erfahrungen im Alltag, die aus Perspektive von gesunden Menschen oft ausbleiben: zu hohe Borde, hinderliches Natursteinpflaster oder tiefe Löcher im Gehweg.

Bilder

Bisher 8000 Schüler

Das Projekt „Bewegung verbindet – Rollstuhlsport macht Schule“ steht Schülern in der Regel ab Klassenstufe neun aller Schulen Sachsen-Anhalts kostenfrei zur Verfügung.

Das landesweite Projekt startete im März 2011 und wird seit 2018 von den Partnern Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Sachsen-Anhalt e. V. (BSSA) und BG Klinikum Bergmannstrost Halle umgesetzt. Es steht unter der Schirmherrschaft von Sachsen-Anhalts Kultusminister Marco Tullner und wird von der Unfallkasse Sachsen-Anhalt gefördert.

Ein anderer Blickwinkel

„Selbsterfahrung ist eine gute Möglichkeit, Einstellungen zu überdenken und Blickwinkel zu ändern. Die Sensibilisierung junger Menschen für das Lebensumfeld von Menschen mit Handicap ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Verbandsarbeit“, erläutert BSSA-Geschäftsführerin Andrea Holz.

„Die größtmögliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben nimmt für uns als überregionales Unfallkrankenhaus eine zentrale Stelle ein. Der Rollstuhlsport bietet hier eine sehr gute Möglichkeit, Berührungsängste abzubauen, das gegenseitige Verständnis und damit das Miteinander zu stärken“, so Hubert Erhard, Vorsitzender der Geschäftsführung des BG Klinikums Bergmannstrost Halle.

Nach Angaben des Verbandes machten bisher rund 8000 Schüler diese Rollstuhl-Erfahrungen in Sachsen-Anhalt.