Pömmelte l Gunnar Schellenberger (CDU), Kulturstaatssekretär des Landes Sachsen-Anhalt, möchte, dass es bei Touristen aus aller Welt auf der „To-Do-List“-steht: „Pyramiden, Eiffelturm, Freiheitsstatue und als nächstes müsste dann schon ,Das deutsche Stonehenge‘ kommen“, sagt er über das Ringheiligtum in Pömmelte. Gern würde er den chinesischen Markt ansprechen, aber auch bei den Engländern werben. „Das gelingt, wenn wir erklären, welche Geschichte dahinter steckt“, so der Staatssekretär.

Um diese internationale Vermarktung zu verwirklichen, hat er eine enge Vernetzung mit der „Himmelsscheibe von Nebra“ und weiteren Fundorten zur Archäologie und Astronomie geplant. Unter dem Titel „Kontextualisiertes Erleben der Himmelsscheibe von Nebra“ sollen mit Hilfe digitaler Informationsvermittlung das Unesco Weltdokumentenerbe mit Pömmelte verbunden und vermarktet werden. 2020 ist geplant, ein Besucherzentrum fertig zu stellen.

Digitales Museum

Eine Förderung vom Bund für das Projekt beträgt 750.000 Euro, eine Förderung vom Land noch einmal den selben Betrag. Der gesamte Preis beträgt eine Summe von etwa 1,5 Millionen Euro. Davon bezahlt werden sowohl die inhaltliche Erarbeitung und Koordination des Konzeptes sowie die Archäologen und Grabungsarbeiter in Pömmelte. Ein Kunstprojekt „Himmelsscheibe“ im Internet sowie Entdeckerkarten für jede Station und der Download der Ausstellung in diversen Fremdsprachen sind ebenfalls darin enthalten. Die digitale Strategie beinhaltet, dass das Wissen über das Heiligtum unter anderem mit Kurzfilmen erläutert werden kann. Aber auch in Hinblick auf das Erzählen von Geschichte mit digitalen Mitteln hat er bestimmte Vorstellungen: „Man könnte die Landschaft erlebbar machen. Die Besucher in die Zeit zurückversetzen“. Dabei schweben ihm zum Beispiel 3-D-Brillen vor.

Bilder

Eingeplant im Projekt ist sowohl für „Die Himmelsscheibe von Nebra“ als auch das „Ringheiligtum Pömmelte und die Kreisgrabenanlage Schönebeck“ ein digitales Museum. Texte in Kombination mit Audio- und Videodateien präsentieren eine eigene Ausstellung, die unabhängig vom Raum abgerufen werden kann. Dadurch, dass dieses sogenannte „e-Museum“ mindestens in englischer Sprache abrufbar sein sollte, wäre es „ein Tor zur internationalen Kommunikation“ der Himmelswege, heißt es im Konzept des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie.

Stonehenge aus Holz

Seit zehn Jahren ist Schellenberg an dem Projekt interessiert. Er sieht darin zum einen Potenzial, weil es die einzige Anlage ist, die mit den Techniken moderner Wissenschaft erforscht werden kann, die gleichzeitig mit Stonehenge vergleichbar ist. Beide Stätten hätten etwa die gleiche Länge und eine ähnliche Aufgabe. Der Unterschied ist das Material: Stein und Holz.

Die hohe Fördersumme des Projektes ist ihm zufolge ein Beweis dafür, dass das Land-Sachsen-Anhalt und der Bund inzwischen die Chance begriffen hätten, das Heiligtum als touristischen Standpunkt in der Region zu vermarkten. Der Antrag, im November abgegeben, sei ohne Probleme durchgegangen. „Es gilt jetzt, aus diesem wirtschaftlichen Potenzial zu schöpfen“, so der Staatssekretär.

Unesco nutzen

„Wir brauchen den internationalen Markt“, so Schellenberger. Zusammen mit der Himmelsscheibe und Dessau-Wörlitz könne Sachsen-Anhalt als Unesco-Land richtig genutzt werden. Bis dahin sei es ein langer Weg gewesen. Die Stadt Barby hätte zunächst das Potenzial nicht gesehen. „Früher waren sie als arme Kommune überfordert. „Damals hätte man sich entschieden, zuerst den Radweg zu fördern. Jedoch sei er nun überzeugt: „Es ist besser, vernünftig zu investieren, denn das kann sich echt lohnen.“ Mittlerweile sagt jedoch auch Torsten Reinharz, der Bürgermeister der Stadt Barby: „Ansonsten begrüßen wir die touristische Vermarktung des Ringheiligtums absolut, die Besucherzahlen vom vergangenen Jahr waren ja toll“. Die Stadt unterstütze den Salzlandkreis im Rahmen der eigenen, finanziellen Möglichkeiten in jeglicher Hinsicht. Der Grund: man wisse, dass das Ringheiligtum ein Gewinn für die Region sei.

Hohe Besucherzahlen

Die hohen Besucherzahlen, die das Ringheiligtum im Jahr 2018 vorzuweisen hatte, seien ein erster Schritt gewesen, der zeigt, dass sich die Förderung und Vermarktung lohnt, so auch Schellenberger. 24 .999 Besucher sind es im Jahr 2018 gewesen, die sich das Ringheiligtum angesehen haben. „Jedoch zweifelt Schellenberger hier an der Zählgenauigkeit, da sich der Zähler nur an einer Stelle befindet. „Ich bin zu hundert Prozent überzeugt, dass es mehr als 28 000 Menschen sind“, so der Politiker enthusastisch. Er zieht erneut den Vergleich zu Stonehenge, dort sind es 1,3 Millionen Besucher, allerdings hat diese Sehenswürdigkeit auch das gesamte Einzugsgebiet von London. Aber für Pömmelte sieht er da durchaus auch Hoffnung, denn Besucher kämen auch von Berlin, Leipzig und Hannover dorthin. Als guten Impuls wertet er die braunen Autobahnschilder, die auf das Ringheiligtum hinweisen.

Potential ausnutzen

Um das wirtschaftliche Potenzial des Ringheiligtums voll auszuschöpfen, seien in dem Informationszentrum ebenfalls ein Schulungsraum, Catering und Toiletten geplant. „Denn wenn große Buskolonnen irgendwann kommen, dann muss man auch Verpflegung anbieten.“

Doch sind die Ressourcen überhaupt dafür gegeben, in Schönebeck und Umgebung so viele Gäste aufzunehmen? Bereits 2016 hätte er im Wahlkampf gesagt, dass Magdburg zu wenig Hotelkapazitäten hat. Davon wäre er immer stärker überzeugt. Jedoch sei alles noch im Prozess.

Früher hätte er noch eher spaßhaft von der Kulturmetropole Schönebeck gesprochen. Aber ganz ernsthaft, gehe es für ihn nun schon darum, einen Schritt in Richtung bekannte Kulturregion zu gehen.

Ideen gesucht

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