Calbe l Mit Christine Kreuch verlässt ein echtes Nordlicht den Platz an der Tafel im Schillergymnasium. Zum offiziellen Abschied vor den Kollegen gab es zwei Abschiedstitel, teilte der Presseklub des Hauses jetzt mit. „Musiklehrerin Katrin Püsche organisierte eigens Akkordeonspieler Marco Sievert aus der sechsten Klasse, um Christine Kreuch in die heimatlichen Ostseewellen träumen zu lassen. Mit den beiden ‚Songs Biskaya‘ und ‚He‘s a Pirate‘ keimte schnell Ostseestimmung auf, ein toller Bezug zu ihrer Heimatstadt Bad Doberan.“

Nach dem Studium kam die junge Lehrerin einst mit ihrem Mann an die Saale. Das war 1979, heißt es weiter. Ehemann und ebenfalls Lehrer Ernst-Günther Kreuch erinnert sich noch, wie er mit seiner Frau an einem Novembertag 1978 mit dem Bus von Schönebeck das erste Mal nach Calbe kam. Aussuchen konnten sich die beiden Pädagogen ihren beruflichen Einsatzort nicht. Damals habe es die Möglichkeit gegeben, drei Bezirke anzugeben, in denen man eingesetzt werden wollte, sagte er. Den Bezirk Magdeburg hatten beide auf den Zettel geschrieben. „Dabei hatten wir vor allem an den Harz gedacht“, erzählt er weiter. Denn als Thüringer liebte er die Berge. Aus den Bergen wurde nichts. Dafür ging es an die Saale. In der Polytechnischen Oberschule fing Christine Kreuch an. Nach dem Mauerfall zählte sie zu den Gründungsmitgliedern des daraus entstehenden Schillergymnasiums, lässt der Presseklub nicht unerwähnt.

Lieblingsfächer Erdkunde und Geschichte

„Der eigenen Einschätzung nach norddeutsch-kühl war die Geografie- und Geschichtslehrerin als Motivationskünstlerin bei Schülern und Lehrern gleichermaßen bekannt und geschätzt. Mit einer großen Portion norddeutschen Humors hatte sie nach den Worten des Schulleiters großen Anteil an der Ausgestaltung des Ganztagsschulkonzepts, der Arbeitsgemeinschaft Biotop, der Bibliothek und unzähliger außerschulischer Veranstaltungen“, teilt die Schule jetzt mit und würdigt die lange Zusammenarbeit. Zahlreiche Anekdoten gibt es aus der über 40-jährigen Arbeitszeit der engagierten Lehrerin. Genau konnte sie sich noch an den ersten Arbeitstag in Calbe erinnern. Dabei sei sie von einem Kind gefragt worden, ob sie die neue Klassenlehrerin sei, schilderte sie. Ihr Verhältnis zur Schule beschrieb sie anschließend so: „Ich habe schon gemerkt, dass die Schule nicht mein zweites Zuhause ist, ich mich hier aber über 40 Jahre lang unglaublich wohl gefühlt habe und mit vielen tollen Kollegen und Schülern arbeiten durfte.“

Im Kollegium sammelten die Lehrer für ein Abschiedsgeschenk. Neben einem Gutschein für ein Lokal in Bad Doberan erhielt sie einen praktischen Faltstuhl mit allerhand Gerätschaften für den Aufenthalt im Biotop. Liebevoll hatte sie sich in den zurückliegenden Jahren um das Schulbiotop zusammen mit den Schülern gekümmert. Mit ihrem Geschenk wollten ihr die Kollegen dafür auch danken.

Umzug an die Ostsee

Noch bis zum Freitag muss die engagierte Lehrerin arbeiten. Dann tritt sie in den Ruhestand, freut sich ihr Mann bereits. Nach dem aktiven Berufsleben planten die beiden zunächst einen Umzug an die Ostsee. Die Entwicklung der Immobilienpreise lasse das aber in der nahen Zukunft nicht zu, sagt Ernst-Günther Kreuch. So wollen die beiden an der Saale bleiben.