Baustart

Spatenstich für altersgerechten Wohnpark in Eggersdorf in Bördeland

Auf einem ehemaligen Hofgrundstück mitten in Eggersdorf beginnt für 4,4 Millionen Euro die größte Baumaßnahme von Bördeland: 32 Wohnungen für Senioren und eine Tagespflege sollen entstehen.

Von Robert Gruhne
Schaufeln hoch! Den ersten Spatenstich führten aus: Architektin Melanie Dittmar, Ortsbürgermeisterin Rosemarie Ziem, Bürgermeister Bernd Nimmich, Bauunternehmer Matthias Domke, Landrat Markus Bauer und die Leiterinnen des Pflegediensts Lebensgeister Ramona Babock, Jana Babock, Jeannine Rüde und Wiebke Sangen-Emden.
Schaufeln hoch! Den ersten Spatenstich führten aus: Architektin Melanie Dittmar, Ortsbürgermeisterin Rosemarie Ziem, Bürgermeister Bernd Nimmich, Bauunternehmer Matthias Domke, Landrat Markus Bauer und die Leiterinnen des Pflegediensts Lebensgeister Ramona Babock, Jana Babock, Jeannine Rüde und Wiebke Sangen-Emden. Foto: Robert Gruhne

Eggersdorf - „Jetzt geht es endlich los“, freut sich Jana Babock. Keinen Funken Bedenken habe sie angesichts der Größe ihres Projekts, das Team sei schließlich „spitze“. Babock ist eine der Investorinnen für das größte Bauprojekt in Bördeland: ein altersgerechter Wohnpark für etwa 4,4 Millionen Euro.

Der Pflegedienst Lebensgeister aus Eggersdorf baut auf einem ehemaligen Hofgrundstück im Dorfzentrum 32 Wohneinheiten für ältere Menschen und eine neue Tagespflege. Am gestrigen Freitag war der Spatenstich, zu dem etwa 40 Gäste erschienen, darunter viele politische Vertreter. Anwesend waren die für die Pflege zuständige Ministerin Petra Grimm-Benne, Landrat Markus Bauer, Bürgermeister Bernd Nimmich und Ortsbürgermeisterin Rosemarie Ziem (alle SPD).

„Kein Konzern, sondern eine Familie mit Herzblut“

Zuerst ergriffen allerdings die Projektverantwortlichen das Wort. Projektentwickler Achim Laucke zählte auf, dass von den über vier Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland „nur wenige Privilegierte bisher in solchen Wohnanlagen leben, wie wir sie bauen“. Das Projekt sei deshalb nicht nur für Eggersdorf wichtig, sondern für Deutschland. Laucke stellte fest: „Das ist das Wohnen der Zukunft!“ Das Projekt will er als Referenzobjekt für ähnliche Vorhaben nutzen. Er betonte außerdem, dass hinter dem Eggersdorfer Wohnpark „kein Konzern, sondern eine Familie mit Herzblut“ stecke.

Ramona Babock, die mit ihrer Tochter Jana in das Projekt investiert, sprach den Anwesenden Dank für ihr Kommen und ihre Unterstützung aus. Der Pflegedienst betreibt seit 2017 eine Tagespflege in Eggersdorf und versorgt dort und ambulant etwa 100 Personen. Laut Ramona Babock sei es nun an der Zeit, „visionär zu denken und einen weiteren Schritt zu gehen“. Man wolle Wohnraum mit der passenden Pflege anbieten.

Bauprojekt hat viele politische Unterstützer

Damit es soweit kommt, hatten bereits viele Unterstützer ihre Finger im Spiel. Finanziert wird das Vorhaben von der Salzlandsparkasse, die im Sommer 2020 ihre Zustimmung gab. Eine Anhörung beim Vorstand ermöglichte Ramona Babock zufolge der Landrat. Bauer sieht das Projekt auch als „Wertschätzung für die Menschen, die unsere Gemeinschaft aufgebaut haben“, indem sie weiter inmitten des Dorfes leben könnten.

Dass das Projekt hier im Ortskern landete, dafür sorgte Ortsbürgermeisterin Rosemarie Ziem, die den Investorinnen das Grundstück ans Herz legte. Hier stand der Hof der Familie Braune, der allerdings stark verfiel und 2014 schließlich abgerissen wurde. Ziem vermittelte auch den Kontakt zum lokalen Bauunternehmer Matthias Domke.

Bürgermeister Bernd Nimmich und Ortsbürgermeisterin Rosemarie Ziem (links) überreichen einen Spaten als Geschenk an das Team des Pflegediensts Lebensgeister.
Bürgermeister Bernd Nimmich und Ortsbürgermeisterin Rosemarie Ziem (links) überreichen einen Spaten als Geschenk an das Team des Pflegediensts Lebensgeister.
Foto: Robert Gruhne

Die Ortsbürgermeisterin sagte in ihrem Grußwort: „Ich fühle mich wie die Großmutter für euer Projekt.“ Über die letzten Jahre führte sie diesbezüglich 186 Telefonate mit Ramona Babock. Ziem möchte zudem, dass auch das benachbarte Bürgerhaus als Haus der Vereine bald herausgeputzt wird.

Zwischen Kindergarten und Bürgerhaus

Bürgermeister Bernd Nimmich sprach in Verbindung mit dem ebenfalls benachbarten Kindergarten von einem „Generationenpark“, der entstehe. Er zollte dem Team Respekt, dass es trotz Hürden nie den Mut verlor. Die Baumaßnahme sei nun die größte der Gemeinde Bördeland, denn die mittlerweile 4,5 Millionen Euro teure Grundschule in Welsleben sei schon fast als fertig zu betrachten.

Zuletzt wies Ministerin Petra Grimm-Benne darauf hin, dass sich im Bereich Pflege in den letzten zehn bis 15 Jahren viel getan habe und ein solches Projekt wie in Eggersdorf dafür beispielhaft sei. Sie versicherte die Unterstützung ihres Ministeriums.

Zum Spatenstich sagte Ramona Babock: „Wir bewegen nur ein kleines Stück Erde, aber es wird der Beginn eines großen Projekts sein.“ Sie wolle bezahlbaren Wohnraum bieten, in dem auf die Wünsche der Einzelnen eingegangen werden könne. Den Bauleuten wünsche sie „Unfallfreiheit und gutes Gelingen“.

Raum für Kommunikation soll entstehen

Architektin Melanie Dittmar versuchte in ihrem Entwurf, möglichst viele gleiche Wohneinheiten so anzuordnen, dass sie sich kleinteilig in die Dorfbebauung einfügen. Die barrierefreien, mehrgeschossigen Wohngebäude werden mit offenen Treppenhäusern und Laubengängen ausgestattet und gruppieren sich um einen parkähnlichen Garten. „Wir möchten, dass ein Raum entsteht, der belebt ist“, sagt Dittmar. Die Möglichkeit zur Kommunikation sei wichtig. Denselben Anspruch verfolgte Dittmar beim Entwurf der einstöckigen Tagespflege.

Die Wohnanlage habe auch mit Umweltschutz zu tun, war Projektentwickler Achim Laucke noch wichtig. Ein Blockheizkraftwerk soll für Strom und Wärme sorgen und jährlich 66 Tonnen CO2 einsparen.

Wenn es nach Plan läuft, sollen im Sommer 2022 die Bewohner in die neuen Wohneinheiten einziehen. Die Tagespflege wird in einem zweiten Bauabschnitt gebaut. Laut Jana Babock sind in den Wohnungen schon jetzt nur noch ein, zwei Plätze frei.

Arbeit an den Fundamenten beginnt Montag

Einen Platz reserviert hat Ingrid Klebbe aus Eggersdorf, die auch zum Spatenstich anwesend war und sich besonders auf den großen Balkon freut. Ebenfalls gekommen ist das Ehepaar Renning aus Eggersdorf. Die beiden seien zwar noch wacker und aktiv, sagen sie. „Aber das kann sich schnell ändern“, lautet ihre realistische Einschätzung. Es ist ihnen zufolge meistens nicht möglich, alte Häuser altersgerecht umzubauen und so ist eine solche Wohnanlage für die beiden später eine Option.

Im Hintergrund blieb während der Veranstaltung Bauunternehmer Matthias Domke, der nicht nur gedanklich schon bei der Umsetzung der Vision ist. Gerade sind noch die Vermesser unterwegs, aber am Montag soll es mit den Fundamenten losgehen. Schon seit drei Monaten laufen die Vorarbeiten auf dem Gelände. 1000 Kubikmeter Beton sollen hier verbaut werden. „Das ist schon eine Hausnummer“, sagt Domke mit Respekt vor seiner Aufgabe.