Barby l Bürgermeister Torsten Reinharz (parteilos) strahlt. Kleingärtner Rainer Bittersmann auch. „Mir kamen die Tränen, als ich davon gehört habe“, gesteht er.

Es waren Tränen der Erleichterung. Von ihm sei eine ungeheure Last abgefallen, offenbart er, die sich in all den Jahren zentnerschwer aufbaute. Bittersmann hatte ein Jahrzehnt dafür gekämpft. Erst für eine Geschwindigkeitsbegrenzung, dann für einen Chaussee begleitenden Radweg von Barby nach Pömmelte. Nicht nur einmal mussten er, seine Schrebergärtner und alle Bürger Barbys, die sich für den Radweg einsetzten, Tiefschläge hinnehmen, weil das Projekt immer wieder auf Eis gelegt wurde.

Vor einem Jahr sah es fast so aus, als sei das Thema vollkommen vom Tisch. Rainer Bittersmann war mit den Nerven am Ende.

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Bürgermeister macht Andeutungen

Und nun dass: Vor wenigen Tagen machte es Bürgermeister Torsten Reinharz spannend, als er den geforderten Radweg bei der Stadtratssitzung ansprach. Er berichtete von „einem netten Gespräch“ im Verkehrsministerium, über dessen Inhalt er sich allerdings ausschwieg. Die Spannung stieg: Was sollte das bedeuten? Etwas Negatives oder Positives? Der Radweg war schon so oft in allen möglichen Sitzungen Thema gewesen, dass die anwesenden Stadträte und Bürger schicksalsergeben gelassen blieben.

Jetzt ließ der Bürgermeister nun die Katze aus dem Sack. „Ich musste doch erst die schriftliche Bestätigung vom Minister in der Hand haben, ehe ich die frohe Botschaft öffentlich mache“, lächelte Reinharz schelmisch.

Nicht zum ersten Mal war der Ortschef zusammen mit dem Bundestagsabgeordneten Burkhard Lischka (SPD) zu diesem Thema im Landesverkehrsministerium. Der Termin am 16. Februar fußte auf einem Treffen mit Vertretern der Landesstraßenbaubehörde im vergangenen September. Damals wurde uns eröffnet, dass das Land in den kommenden Jahren Fahr- bahnerhaltungsmaßnahmen an der L 51 vornehmen will“, berichtete Reinharz. Bei dieser Information sei ihm das Wort Synergie durch den Kopf geschossen.

Einen Trumpf ausgespielt

„Ich habe gefragt, ob es nicht sinnvoll wäre, dabei gleich einen straßenbegleitenden Radweg zu bauen.“ Einen Trumpf spielte der Bürgermeister gleich aus, als er von der halbfertigen Radweg-Planung sprach, die nur noch auf den heutigen Stand gebracht werden müsse. Die Landesvertreter hätten dem prinzipiell zugestimmt, sich aber mit konkreten Zusagen aus Gründen der Finanzierung zurück gehalten.

Denn auch der Landesstraßenbaubehörde und dem Verkehrsministerium waren die mehr oder weniger lauten Forderungen aus Barby nicht entgangen, die immer mal wieder aufloderten. So gab es zwei öffentliche Demonstrationen, Protestschilder und zahlreiche Medienberichte. Immer steckte Rainer Bittersmann dahinter.

„Vor dem Hintergrund ... der anstehenden Fahrbahnerneuerung zwischen Barby und Pömmelte und der sich daraus ergebenden Möglichkeit einer gemeinsamen Realisierung beider Vorhaben nehme ich ihr Angebot, die Planung und Baurechtschaffung für den Radwegebau weiter zu betreiben, dankend an“, bestätigte Verkehrsminister Thomas Webel jetzt in einem Schreiben an die Einheitsgemeinde.

Auf Bestätigung gewartet

„Ich musste doch erst die schriftliche Bestätigung vom Minister in der Hand haben, ehe ich die frohe Botschaft öffentlich mache.“ Bürgermeister Torsten Reinharz

Der Minister spricht von „einer Gesamtlösung, von der alle Beteiligte partizipieren“. Und das Beste ist: Das Land übernimmt nicht nur die Bau-, sondern auch die Kosten für Planung und Grunderwerb.

Wenn es nicht Ende Februar ist, könnte man denken, es wäre Weihnachten ...

Radweg auf der Kieswerksseite

Der Radweg soll anders als bisher geplant auf der Kieswerkseite gebaut werden. Das sei einfacher, weil der Grunderwerb unkomplizierter verlaufe. Laut Liegenschaftsamt hätten die meisten Grundstücksbesitzer bereits ihr Einverständnis erteilt. Darunter sei sogar eine Erbengemeinschaft aus Schweden. Einige stehen allerdings noch aus, die entweder beim ersten Mal nicht reagiert hätten oder noch nicht angeschrieben wurden.

„Sind Grunderwerb und Planung abgeschlossen, kann der Radweg ab 2020 gebaut werden“, strahlt Torsten Reinharz. Er hebt die Hilfe von Burkhard Lischka hervor, der hinter den Kulissen die Realisierungsmöglichkeiten auslotete sowie „Türen öffnete“. Und der Bürgermeister zollt Schrebergärtner Rainer Bittersmann Respekt, der permanent nervte.

Zufrieden zeigt sich auch Kulturstaatssekretär Gunnar Schellenberger (CDU), der sich ebenfalls für den Radweg und damit für eine verbesserte touristische Erschließung einsetzte. Nach seinen Worten seien die guten Besucherzahlen des Ringheiligtums ein Argument dafür gewesen, dass der Weg auf der Prioritätenliste des Landes „nach vorn rutschte“.

Fazit: hartnäckiges bürgerliches Engagement zahlt sich aus.