Schönbeck l Vermutlich leidet in Schönebeck niemand so sehr unter der Zeitumstellung wie Heike Schwartzer. „Wir brauchen jedes Mal zwei Tage, um alle unsere Uhren umzustellen. Das ist immer sehr viel Arbeit“, sagte die Inhaberin von einem Uhren- und Schmuckgeschäft in der Salzer Straße. Deswegen hat sie auch die Online-Befragung der EU zu einer möglichen Abschaffung der Umstellung verfolgt, die am Freitag zu Ende gegangen ist. Auch wenn Heike Schwartzer selbst nicht an der Abstimmung teilgenommen hat, würde sie sich über ein Ende der Umstellung freuen.

Auch Sonnenuhr wird umgestellt

Ähnlich sieht das Linda Pickert, Sprecherin des Schönebecker Kurparkes. „Für kleine Kinder ist es immer stressig, wenn sie früher oder später ins Bett gehen müssen“, sagt die Mutter eines zweijährigen Sohnes. Ihr persönlich mache die Zweitumstellung hingegen weniger aus.

Und auch der Kurpark ist gewappnet: „Unsere Sonnenuhr zeigt das ganze Jahr über die richtige Zeit an“, sagt Linda Pickert. Wie das geht? Zweimal im Jahr wird die Zeitleiste an der Sonnenuhr abgeschraubt und ein paar Zentimeter versetzt. Der Aufwand sei überschaubar. Und so zeigt die Sonnenuhr am Gradierwerk das ganze Jahr über mittags genau zwölf Uhr an, egal ob im Winter oder im Sommer.

Tatsächlich hat die Schönebecker Volksstimme bei ihrer Blitzumfrage keinen Menschen getroffen, der die Zeitumstellung befürwortet. Allerdings haben auch die Gegner nicht an der Online-Umfrage teilgenommen. Das lag jedoch offenbar vor allem daran, dass die Umfrage nicht besonders bekannt war und erst zu ihrem Ende wieder intensiver in den Medien berichtet wurde.

Dennoch fallen die Reaktionen in der Regel eindeutig aus. Nach einer möglichen Abschaffung der Zeitumstellung gefragt antwortet etwa Susann Backhaus: „Ja, bitte! Der Sinn hat sich mir noch nie erschlossen.“ Die 48-jährige Krankenschwester glaubt nicht, dass Sommer- und Winterzeit jemals zu irgendwelchen Einsparungen geführt haben.

Auch Erhardt Stender sagt zur Zeitumstellung ganz klar: „Abschaffen!“ Der 70-Rentner aus Husum an der Nordsee ist mit seiner Frau Anne auf einer Fahrradtour entlang der Elbe unterwegs und macht Station in Schönebeck. „Die Umstellung bringt doch überhaupt nichts. Das bringt doch nur die Wirtschaft und die Fahrpläne der Bahn durcheinander“, sagt der Senior.

EU-Umfrage ist nicht bindend

Europaweit war das Interesse an der Online-Befragung so groß, dass bereits in den ersten drei Tagen 500 000 Teilnehmer abgestimmt haben. Die Veröffentlichung der Ergebnisse wird sich allerdings noch etwas hinziehen, da sie zunächst von der EU ausgewertet werden sollen. Das Resultat ist für die Politik in Brüssel zwar nicht bindend, soll aber bei einer späteren Entscheidung über das Ende der Zeitumstellung berücksichtigt werden.

Im Uhrengeschäft glaubt die Inhaberin daher auch nicht daran, dass sich so bald etwas ändert. „Die Politiker brauchen sicherlich wieder ewig, bis etwas passiert“, sagt Heike Schwartzer. Doch wenn die Zeitumstellung tatsächlich abgeschafft werden sollte, dann hat sie schon konkrete Vorstellungen. „Am besten wäre es, wenn wir immer bei der Sommerzeit bleiben. Dann haben die Leute nach der Arbeit noch etwas vom Sonnenschein“, sagt Heike Schwartzer.