Flut in Westdeutschland

Video von der Flutkatastrophe 2021: Stolberg bei Aachen wird von der Flut kalt erwischt - Hilfe kommt auch von der Bürgerstiftung Schönebeck 

Die Flutkatastrophe in Westdeutschland hat auch in Schönebeck für Betroffenheit gesorgt. Die Bürgerstiftung hat eine Spendenaktion gestartet. Das Geld soll nach Stolberg in der Nähe von Aachen gehen. Der Vorsitzende Hans-Josef Siebertz ist dankbar für die Unterstützung und berichtet, wohin das Geld fließen soll.

Von Andre Schneider
Die verheerende Flutkatastrophe hat in Stolberg bei Aachen ein Bild der Verwüstung hinterlassen. Feuerwehr und Hilfskräfte waren in den letzten Tagen im Dauereinsatz.
Die verheerende Flutkatastrophe hat in Stolberg bei Aachen ein Bild der Verwüstung hinterlassen. Feuerwehr und Hilfskräfte waren in den letzten Tagen im Dauereinsatz. Fotos: Bürgerstiftung Stolberg

Schönebeck/Stolberg - Der erste Schock ist verdaut. Die Stolberger krempeln die Ärmel hoch. Sie bauen ihre Stadt nach der verheerenden Flut wieder auf – auch mit der Hilfe aus Schönebeck. Wie ist die Situation vor Ort? Und wohin soll das Geld aus Schönebeck fließen? Der Vorsitzende der Stolberger Bürgerstiftung, Hans-Josef Siebertz, gibt im Telefongespräch mit der Volksstimme einen Überblick über die Katastrophe in seiner Heimatstadt.

„Hier sah es wie nach einem Bombenangriff aus“, beschreibt Siebertz. Das beschauliche Örtchen Stolberg, direkt an der Stadtgrenze zu Aachen gelegen, sei nicht mehr wiedererkennbar. Am 14. Juli begann der Regen in Stolberg und weiten Teilen Nordrhein-Westfalens und Rheinland-Pfalz. 48 Stunden lang sorgte Tiefdruckgebiet Bernd für Regenfälle, die die Region nur selten derart stark erlebt hatte. Die Folge: Hochwasser. Durch Stolberg drückte sich eine gigantische Flutwelle aus Richtung Süden. „Wohnungen und Geschäfte im Parterre waren komplett vollgelaufen“, berichtet Sie-bertz. „Teilweise stand das Wasser bis zu 2,50 Meter in den Räumen.“ Scheiben seien eingedrückt worden, so dass die Fluten ungehindert in die Wohnungen und Geschäfte eindringen konnten.

Etwa 2000 bis 3000 Häuser seien in Stolberg betroffen gewesen, schätzt der Vorsitzende der Bürgerstiftung. Video: Bürgerstiftung Stolberg

2000 bis 3000 Häuser zerstört

Etwa 2000 bis 3000 Häuser seien in Stolberg betroffen gewesen, schätzt der Vorsitzende der Bürgerstiftung. Lange Zeit, um den Schock zu verdauen, nahmen sich die Stolberger nach Angaben von Siebertz allerdings nicht. Schon am Freitag, als die Wassermassen langsam ihren Rückzug antraten, begannen sie mit den Aufräumarbeiten. Die Devise galt zu retten, was zu retten ist.

Und denen zur Hilfe zu kommen, die alles verloren hatten. Viele soziale Einrichtungen in der Stadt sind sprichwörtlich den Bach heruntergegangen. Genau da will die Bürgerstiftung aus Stolberg ansetzen – mit Hilfe unter anderem der Stiftung und der Spenden aus der Elbe-Stadt. Insgesamt fünf soziale Einrichtungen will die Stiftung wieder aufbauen. Sie-bertz: „Die Einrichtungen sind sehr wichtig für das soziale Miteinander. Sie unterstützen viele sozial schwache Menschen.“ So wie ein Sozialkaufhaus. Das liegt direkt im Überflutungsgebiet. Dort, wo auch viele sozial schlechter gestellte Menschen ihre Wohnungen haben. Viele von ihnen stünden vor dem Nichts. „Im Sozialkaufhaus kaufen auch viele Langzeitarbeitslose ein“, erklärt Siebertz.

Schaden in Millionenhöhe

Die Scheiben der Wohn- und Geschäftshäuser wurden eingedrückt. Wasser konnte ungehindert eindringen.
Die Scheiben der Wohn- und Geschäftshäuser wurden eingedrückt. Wasser konnte ungehindert eindringen.
Bürgerstiftung Stolberg

Bis Stolberg, die Kupferstadt im Rheinland, wieder die alte wird, wird noch viel Zeit vergehen. Hans-Josef Siebertz kann die Höhe der Schäden nur schätzen. Er beziffert sie auf circa 400 Millionen Euro. Die ganze Infrastruktur in den betroffenen Gebieten muss neu ausgebaut werden. Das Land NRW hat Sofort- und Wiederaufbauhilfen zugesagt. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) machte sich in der Kupferstadt persönlich ein Bild vom Ausmaß der Tragödie.

Trotz der ganzen misslichen Situation blicken die Bürger Stolbergs weiter nach vorne. Sie lassen sich nicht unterkriegen.

„Das Leid, das Schicksal, das viele von uns bei dieser Katastrophe ereilt hat, ist mit Worten leider nicht zu beschreiben“, erklärte Stolbergs Bürgermeister Patrick Haas (SPD) auf den Kanälen der Stadt in sozialen Netzwerken. Dort wandte er sich in der akuten Phase täglich an die Bevölkerung. Er bedankte sich zeitgleich für die zahlreichen Spenden. „Die Hilfsbereitschaft in unserer Bevölkerung ist unglaublich. Dazu haben wir zahlreiche Unterstützung von Einsatzkräften aller Art und aus dem ganzen Land erhalten.“

Bürgerstiftung hilft direkt vor Ort

Viele Menschen aus Schönebeck erinnern sich noch an das Jahr 2013. Die Stadt stand vor einer ähnlichen Situation wie jetzt Stolberg. Die Elbe trat über die Ufer und richtete ein Bild der Verwüstung an. Grund genug für die Mitglieder der Schönebecker Bürgerstiftung, eine Spendenaktion ins Leben zu rufen. Mit riesigem Erfolg.

Wasser über Wasser in Stolbergs Innenstadt.
Wasser über Wasser in Stolbergs Innenstadt.
Bürgerstiftung Stolberg

Wie Frank Schiwek, zweiter Vorsitzender der Bürgerstiftung, bekanntgab, wurden bisher über 7200 Euro gesammelt. „Ich bin wirklich überwältigt“, kommentierte der Schönebecker. „Wir wollten nicht unbedingt auf ein großes Konto einzahlen, sondern direkt vor Ort helfen.“ Inzwischen wurde die Aktion nochmals weiter publik gemacht. In den sozialen Netzwerken kursieren unlängst die Flyer. Nun sind sie auch im Stadtbild angekommen. Laut Schiwek hängen sie seit Kurzem an verschiedenen, prägnanten Punkten in der Stadt: zum Beispiel der Touristinformation, dem Bürgerbüro oder dem Rathaus. „Im Jahr 2013 haben viele ehrenamtliche Feuerwehrleute und Freiwil-lige des THW bei der Jahr-hundertflut in Schönebeck geholfen. Wir geben jetzt die gelebte Solidarität mit einem großen Dank zurück“, heißt es auf dem Plakat.

Mit „wir“ sind die Initiatoren gemeint. Die Aktion geht nämlich nicht allein auf die Bürgerstiftung zurück. Die Stadtverwaltung und der Stadtrat werden ebenfalls als Mitorganisatoren auf den ausgegebenen Flyern genannt.

„Nach dem Hochwasser 2013, bei dem wir betroffen waren, kennen wir die Bedeutung so einer Katastrophe – für die Region und für jeden Einzelnen. Und wir wissen, wie wichtig in dieser Zeit die Solidarität unter den Menschen ist. Ich bin sehr froh über das Engagement der Bürgerinitiative Salzland, für die Menschen vor Ort Spenden zu sammeln“, kommentierte Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) in einer Pressemitteilung.

Den Kontakt erstmals herzustellen sei gar nicht so einfach gewesen. Schließlich habe der Vorsitzende der Bürgerstiftung Stolberg, Franz-Josef Siebertz, zurzeit alle Hände voll zu tun (siehe Text oben).

Die Bürgerstiftung Salzland, Region Schönebeck, versteht sich als Initiative, die von engagierten Bürgern und Unternehmen ausgegangen ist. Ziel sei die Unterstützung bürgerlichen Engagements im sozialen Bereich ausgehend von der Region Schönebeck für den Salzlandkreis. Auf der Grundlage des Stiftungsgeschäftes von acht Gründungsstiftern am 20. Mai 2008 erfolgte wenige Wochen später die Anerkennung und die Eintragung in das Stiftungsverzeichnis. Die Stiftung verfolge ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige und mildtätige Zwecke. Das Fördergebiet der Stiftung konzentriert sich auf den Salzlandkreis, speziell die Region Schönebeck. Unterstützt werden beispielsweise Jugend-, Alten- und Behindertenhilfe oder auch Entwicklungshilfe im Ausland (Partnerprojekte), die im unmittelbaren Zusammenhang mit der Region Schönebeck stünden.

Spenden hier

IBAN: DE41 8109 3274 0007 9979 90, BIC: GENODEF1MD1

Franz-Josef Siebertz koordiniert einige Hilfsprojekte.
Franz-Josef Siebertz koordiniert einige Hilfsprojekte.
Bürgerstiftung Stolberg