Volksstimme: Lieber Weihnachtsmann, ich will Sie nicht in Teufels Küche bringen, aber verstoßen Sie nicht gegen die Corona-Verordnung, wenn Sie einfach über den Schornstein in die Häuser der Leute kommen? So könnte schließlich die maximal zulässige Personen- oder Haushaltszahl schnell überschritten werden.

Ich sehe da kein so großes Problem. Ich trage natürlich auch eine Maske dabei, und bei der Bescherung achte ich darauf, dass Abstand gehalten wird. Und notfalls müssen Oma und Opa halt mal im Nebenzimmer platziert werden.

Und Sie füllen dann bei jedem einzelnen Besuch einen Gesundheitsfragebogen aus oder wie kann ich mir das vorstellen?

Ja genau. Und falls die Eltern keinen Vordruck ausgelegt haben, habe ich zur Sicherheit auch einen ganzen Stapel an bereits ausgefüllten Formularen in meinem Sack. Dann geht das auch alles schneller, ich habe zu Heiligabend natürlich allerhand zu tun.

Wie jetzt Maske tragen?

Das glaube ich Ihnen aufs Wort. Lieber Weihnachtsmann, Sie haben eben auch eine Maske erwähnt. Ist es nicht schwierig, diese zu tragen, bei Ihrem fulminanten Bart?

Das wäre es normalerweise schon, aber ich trage natürlich eine Spezialanfertigung, die genauestens an meinen Bart angepasst ist. Die sitzt super, da verrutscht auch nichts. Damit bin ich auf der sicheren Seite.

Stichwort Sicherheit. Haben Sie denn – sicherheitshalber – auch schon einen Corona-Test gemacht?

Nicht nur einen! Jeden Tag, bevor ich die Rentiere an den Schlitten spanne und zur Dienstreise starte, mache ich mit meinen Elfen den Test. Und was soll ich sagen: Mir geht es blendend.

Das hört man gern. Aber wenn Sie schon die Elfen ansprechen: Wie sieht es bei denen eigentlich mit Kurzarbeit aus?

Die haben keine Kurzarbeit. Ganz im Gegenteil, die haben alle Hände voll zu tun. Sie helfen zum Beispiel den ganzen Paketzustellern und der Post, die dieses Jahr besonders viel zu tun haben. Und natürlich kümmern sie sich auch darum die unzähligen Geschenke zu verpacken und zu sortieren. An Kurzarbeit ist gar nicht zu denken, sonst würden wir das zeitlich alles gar nicht schaffen.

Und wer böse war?

Mich interessiert noch, wie dieses Jahr mit unartigen Kindern verfahren wird. Ich frage für einen Freund ...

Mit denen setze ich mich kontaktarm per Videoanruf auseinander. Dazu habe ich bereits mit den Eltern die Skype-Daten ausgetauscht. Ich bin mir sicher, dass ich auch auf einem Bildschirm meinen erzieherischen Aufgaben gerecht werden kann. Wenn ich mit erhobenem Zeigefinger plötzlich auf dem Fernseher oder Laptop auftauche, wird das seine Wirkung nicht verfehlen.

Weihnachtsmann, ich weiß, Sie haben eigentlich nicht viel Zeit. Daher die letzte Frage: Wie haben Sie die Vorweihnachtszeit erlebt?

Nun, Weihnachten mit Abstand – ohne Kontakt – ist schon eigenartig. Keine Kinder, die auf meinem Schoß sitzen und ihre Wünsche aufzählen, keine schüchtern vorgetragenen Gedichte. Das fehlt mir schon ein wenig, dieses klassische Weihnachtsgefühl. Auch dass die Weihnachtsmärkte, zum Beispiel der in Bad Salzelmen, ausfallen mussten, war schade. Aber wir alle müssen der Situation Rechnung tragen. Dafür wird es nächstes Jahr bestimmt wieder besser! Bis dahin wünsche ich allen Kindern, Eltern, Großeltern und generell allen Menschen frohe und besinnliche Weihnachten und natürlich Gesundheit.