Spielplatz

Tauziehen um Spielplatz in Lust

Die Stadt Staßfurt schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Mit Fördermitteln wird zum einen eine alte Scheune in Lust zum Teil abgerissen. An der Stelle wird der Spielplatz im Ort neu aufgebaut. Er zieht somit 250 Meter nach Westen.

Von Enrico Joo
Der Spielplatz in Lust in der Mitte des Ortes ist fast 3000 Quadratmeter groß. Er wird an den Rand des Ortes verlegt.
Der Spielplatz in Lust in der Mitte des Ortes ist fast 3000 Quadratmeter groß. Er wird an den Rand des Ortes verlegt. Foto: Franziska Richter

Lust - Alexander Ackermann wohnt idyllisch. Er lebt in Lust, einem der kleinsten Ortsteile von Staßfurt. 61 Einwohner hatte Lust Ende 2020. Fast direkt vor der Haustür befindet sich zur Freude Ackermanns ein Spielplatz mit riesiger Wiese. Dort lässt er seine beiden Töchter, die zwei und vier Jahre alt sind, gern spielen. Es ist ruhig.

Nun gibt es aber innerhalb der Stadt Staßfurt Pläne. Der Spielplatz soll weg. Nicht ganz weg, aber innerhalb des Orts verlegt werden. Und zwar von der Ortsmitte, in der er sich jetzt befindet, 250 Meter weiter nach Westen an den Ortsausgang Richtung Athensleben. Die Stadt will damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Innerhalb der Stadt gibt es eine Prioritätenliste für Spielplätze. Der Spielplatz in Lust ist demnach 2022 sowieso für eine Sanierung dran. Er wurde zuletzt 1999 teilerneuert, die Spielgeräte sind teilweise noch aus DDR-Zeiten. Einen Turm mit Rutsche, eine Wippe, eine Schaukel und einen Sandkasten gibt es derzeit. Dazu eine Spielfläche mit Netz.

Umbaukosten: 56000 Euro

Auf der anderen Seite gibt es westlich des Ortes den Rastplatz am „ehemaligen Wiegehäuschen“. Der Platz wurde 2009/2010 aufgewertet. Ein Rad- und Wanderweg führt daran vorbei, ein paar Bäume säumen die Fläche. Alte heruntergekommene Gebäude wie Wiegehäuschen und Waage wurden abgerissen. Heute steht dort noch eine alte Scheune. Diese wird nicht mehr genutzt, der Zustand ist bedenklich. Das Scheunendach ist in einem desolaten Zustand. Die Scheune kann abgerissen werden.

Die Stadt plant nun, die Scheune zurückzubauen als Unterstellfläche und auf dem Gelände des Rastplatzes den Spielplatz von der Ortsmitte wieder aufzubauen. Der Spielplatz würde zudem natürlich saniert werden und neue Spielgeräte bekommen. Im März wurde das Projekt als förderfähig in die Prioritätenliste der Leader-Region Börde-Bode-Auen aufgenommen. Kosten: 56000 Euro. 50406 Euro kämen über Fördermittel, der Rest wären Eigenmittel der Stadt.

Beide Maßnahmen - Abriss der Scheune und Umsetzung des Spielplatzes - sind gemeinsam förderfähig. Die Stadt würde Kosten sparen und müsste nicht doppelte Aufwendungen und Fördermittelanträge anmelden. Zudem könnten auf der Wiese, auf der der Spielplatz ist, nach dem Umzug drei neue Bauplätze für Eigenheime freigegeben werden.

Weil die Stadt die Pläne nicht einfach beschließen kann, wurden der zuständige Ortschaftsrat in Athensleben und der Ausschuss für Jugend, Senioren und Soziales gefragt, ob sie den Weg mitgehen. Im Ortschaftsrat in Athensleben war die Stimmung eindeutig. Von sieben Ortschaftsratmitgliedern stimmten fünf gegen die Verlegung und nur zwei für die Verlegung des Spielplatzes.

Projekte aneinander gebunden

Einer der Politiker, die sich gegen die Verlegung aussprachen, war eben Alexander Ackermann, der mit Familie in Lust am jetzigen Spielplatz wohnt. Er verteidigte im Ausschuss für Jugend, Senioren und Soziales den Standort. „Es gibt keinen Weg zum neuen Spielplatz. Ich würde meine Kinder im Leben nicht dort hinschicken“, sagte er. „Die Fläche ist zudem nicht einsehbar und am Ortsrand. Alle in Lust denken wie ich. Wir wollen auch eine Unterschriftensammlung initiieren.“ Er sagt, dass es reichen würde, ein bis zwei Spielgeräte zu ersetzen und dass das günstiger wäre. „Die 12000 Euro für den Abriss der Scheune gehen auf die Köpfe der Kinder“, so Ackermann.

Ortsbürgermeister Jürgen Kinzel war einer der beiden Politiker im Ortschaftsrat Athensleben, die für den Umzug des Spielplatzes stimmten. Er sprach sich im Ausschuss für Jugend, Senioren und Soziales noch einmal für die Bemühungen der Stadt Staßfurt aus. „Ich möchte mich bei der Stadtverwaltung für die Pläne bedanken“, sagte er. „Wir können zwei Sachen unter einen Hut bringen und zudem noch wichtige Bauplätze schaffen in Lust. Diese Chance sollte man nicht verstreichen lassen.“

Peter Rotter (CDU) gab im Ausschuss für Jugend, Senioren und Soziales zu bedenken, dass der Ortschaftsrat in Athensleben eindeutig gegen eine Umverlegung des Spielplatzes gestimmt hatte. „Ich finde es wichtig, dass man nicht gegen das Votum des Ortschaftsrates stimmt“, sagte er. So würde er es auch mit seinem eigenem Ortschaftsrat in Förderstedt halten. Er enthielt sich also bei der Abstimmung seiner Stimme.

Ralf-Peter Schmidt (UBvS) wollte wissen, was mit den Fördermitteln passiert, wenn der Ausschuss gegen eine Verlegung stimmt. Die Antwort ist eindeutig. „Ohne Umverlegung des Spielplatzes gibt es keinen Abriss der Scheune“, sagte Fachbereichsleiter Florian Heidler. Das eine bedingt das andere. Zu den Bedenken von Alexander Ackermann sagte Heidler: „Der neue Spielplatz würde eingefriedet werden. An den Ein- und Ausgängen würden verschlossene Pforten aufgebaut werden.“ Der Sinn: Die Kinder laufen nicht auf die Straße, wenn der Ball über den Zaun fliegt.

Am Ende stimmten Peter Maier (Linke), Hans-Günter Pilz (AfD) und Michael Hauschild (SPD/Grüne) für die Umverlegung des Spielplatzes. Die beiden CDU-Politiker Peter Rotter und Christian Iser enthielten sich. Als entscheidendes Gremium stimmte der Ausschuss für Jugend, Senioren und Soziales für die Pläne der Stadt samt Abriss der Scheune und Umverlegung des Spielplatzes. Die Maßnahme muss nach dem Willen des Fördermittelgebers bis Ende des Jahres 2022 abgeschlossen sein.