Stendal l Zweifler gab es einige, als das Filzprojekt der Kaschade-Stiftung im Juli an den Start ging. Die Idee von Hans-Jürgen Kaschade war, Flüchtlingen schon bald nach ihrer Ankunft eine sinnvolle Beschäftigung zu geben. So ganz nebenbei sollten sie Deutsch lernen. Ein kleines Netzwerk, bestehend aus Stendaler Wohnungsbaugesellschaft, Freiwilligenagentur, Stadtwerke und Fachhochschule, unterstützte die Umsetzung. Am Donnerstagvormittag zog Projektleiterin Eleonore Loof Bilanz und widerlegte die Unkenrufer.

„Wir haben uns kennen und schätzen gelernt, ich bin überzeugt vom Ideenreichtum der Teilnehmerinnen“, sagte sie. Zum Beispiel von der Inderin Piel Sangri, die ihn ihrem Heimatland eine Ausbildung in Grafik und Modedesign absolviert hat. Oder von der Iranerin Razie Bashiri. Die ist eine sehr talentierte Stickerin, hat unter anderem ein Tuch nach alter persischer Tradition gestaltet und viele Filzarbeiten verziert. Zwölf Frauen haben insgesamt an dem Projekt teilgenommen, manche regelmäßig, andere sporadisch.

Erfolgreicher Verkauf auf dem Weihnachtsmarkt

Die Produkte wurden auf dem Weihnachtsmarkt angeboten. Genau 227,30 Euro wurden dabei eingenommen. „Das hat auch den Teilnehmern sehr viel Spaß gemacht, weil sie die Anerkennung der Marktbesucher gespürt haben und das Interesse an ihren Produkten“, schilderte Loof.

Das Projekt in einer ehemaligen Wohnung der SWG an der Stadtseeallee wird im kommenden Jahr fortgesetzt. Tilman Tögel, Vorstandsvorsitzender der Kaschade-Stiftung, gab bekannt, dass das Projekt im kommenden Jahr mit 6000 Euro unterstützt werde. In diesem Jahr waren es 4000 Euro. SWG-Geschäftsführer Daniel Jircik sicherte ein weiteres Jahr Mietfreiheit zu, Rolf Gille (Stadtwerke Stendal) stellte ein weiteres Jahr ohne Nebenkosten in Aussicht. Die Freiwilligenagentur bleibt natürlich treibende Kraft, wie Chefin Marion Zosel-Mohr versicherte. Über sie kamen Loof und auch ihr Kollege Henning Sander zum Projekt. Bislang hatte das Projekt fünfmal in der Woche von 9 bis 12 Uhr seine Pforten geöffnet. Diese Zeiten sollen nun ausgedehnt werden. „Wir wollen auch auf den Nachmittag gehen“, kündigte Loof an. Mit neuen Inhalten sollen nun auch männliche Teilnehmer gewonnen werden.

Sachspenden sind willkommen

Dazu gehört das Nähen. Razie Bashiris Mann Mehdi Mohammadvali ist eigentlich Buchhalter, hat im Iran aber auch schon in einem Supermarkt und als Taxifahrer gearbeitet. Er beherrscht mehrere Sprachen und – das Nähen. Dafür werden noch zwei elektrische Nähmaschinen benötigt. „Bitte keine mechanischen“, bat Loof. „Jeans lassen sich allerdings am besten mit den mechanischen bearbeiten“, plauderte Tögel, Enkel einer Schneiderin, aus dem Nähkästchen.

Der Mann von Piel Sangri, Zen, ist ein studierter Computerexperte und das soll einem weiteren neuen Angebot zugute kommen. „Wir werden einen EDV-Kurs installieren“, sagte Loof. Arbeiten mit Powerpoint oder Photoshop könnten Inhalte sein. Andrea Hohenstein, Kanzlerin der Fachhochschule, einer weiteren Netzwerkpartnerin, bot an, sich nach Computertechnik umzuschauen, die an der FH zwar überholt sein mag, dem Projekt durchaus aber noch gute Dienste leisten kann.

Treffen mit Islamischer Gemeinde

„Wir sind schon wie eine kleine Familie“, meinte die Projektleiterin. Eine Familie, die durchaus noch Zuwachs vertragen kann. „Gerne können Interessenten auf einen Schnuppertag bei uns vorbeischauen“, lud sie ein. Und wer das Projekt mit Spenden unterstützen will, hilft besonders mit besagten Nähmaschinen, aber auch mit Garn aller Art, Wolle und Kinderbekleidung.

Das Projekt soll unter den Asylbewerbern noch bekannter gemacht werden. Dazu haben Hans-Jürgen Kaschade und Marion Zosel-Mohr Anfang Januar einen Termin in der Islamischen Gemeinde.