Stendal l Fünf Herren und ein Hund in einem Opel, der auf dem Sperlingsberg steht. Der Betrachter des Fotos hat einen Blick auf den Brunnen der Sperlings-Ida und hinein in den Schadewachten, in den gerade ein Pferdefuhrwerk einbiegt.

Vor einigen Tagen hielt Michael Trösken vom Verein Nordwall Classic Garage dieses historische Foto in den Händen. Es gehört Hartwig Bretschneider. Dessen Urgroßvater soll der hinten rechts sitzende Mitfahrer sein.

Ein Auto aus der Vorkriegszeit

Wann das Foto gemacht worden ist, wissen die Oldtimer-Liebhaber bisher noch nicht. „Wir nehmen aber an, dass es kurz vor dem Ersten Weltkrieg aufgenommen worden ist“, sagt Michael Trösken. „Nach unserer bisherigen Recherche soll es sogar das erste Auto in Stendal gewesen sein und sich im Besitz eines Herrn Paarmann befunden haben.“

Bilder

Fritz Paarmann war Opel-Händler, der im Schadewachten ein Geschäft und eine Kfz-Werkstatt betrieben hat. Bei seinen Recherchen wandte sich Michael Trösken an seinen Bekannten Reinhard Wiens im nordrhein-westfälischen Billerbeck, ein Kenner alter Opel-Modelle. Nach einer ersten kurzen Einschätzung kam ein paar Tage später per E-Mail eine fundierte Antwort bei Oldtimer-Freund Trösken an.

Demnach handelt es sich bei dem Auto um einen Opel vom Typ 16/35 „Doppel-Phaeton“, gebaut im Jahr 1910. Daten zur Leistung: 35 PS, vier Zylinder, Hubraum 4000 Kubikzentimeter. Besonderheiten: Bosch- Magnetzündung, außenliegende Kulissenschaltung, Vier-Gang-Getriebe, Baggerölung.

„Ein wichtiges Merkmal ist der offene Fahrersitz ohne Türen beziehungsweise die Torpedoverkleidung“, teilte Reinhard Wiens mit. Das „Doppel-Phaeton“ im Typnamen sei zur Bauzeit der Name für die Karosserieform gewesen.

Ruhm

Mit dem Opel-Motorwagen 16/35 sei der Fahrzeughersteller damals zu viel Ruhm gekommen, weil die Autos sehr einfach zu bedienen und sehr zuverlässig waren. Wegen seiner guten Federung war dieses Opel-Modell sogar in die Klasse der Luxusfahrzeuge eingeordnet worden.

Eine Opel-Besonderheit war die sogenannte Baggerölung. Heißt: Im Fußraum des Beifahrers gab es einen Ölvorrat. Mittels Baggerrad wurde Öl in den Motor nachgefüllt, denn beim Betrieb ging immer etwas davon verloren. Das ständige Nachfüllen mit einer Ölkanne entfiel.

Das Foto soll, wenn die Recherchen abgeschlossen sind, vergrößert werden und in der Nordwall Classic Garage einen Platz finden – ergänzt mit einer Dokumentation. Dafür würden sich Michael Trösken und seine Vereinskollegen über weitere Informationen freuen.

Erkennt jemand Personen auf dem Foto oder hat weitere Informationen und/oder Fotos zu den ersten Autos in Stendal? Dann melden Sie sich per Telefon 03931/638 99 27, E-Mail: donald.lyko@volksstimme.de.