Badesaison

Baden oben ohne: Fallen in Stendal die Hüllen?

Zur Badesaison sorgt eine Entscheidung aus Göttingen für Diskussionen: Dort dürfen Frauen „oben ohne“ baden. Im Kreis Stendal ist man bis auf eine Ausnahme nicht so liberal.

Von Antonius Wollmann Aktualisiert: 14.05.2022, 01:14 • 13.05.2022, 15:15
An den Ostseestränden gibt es seit jeher ausgewiesene Strandabschnitte fürs FKK-Baden. Sollte oben ohne auch in Freibädern im Landkreis Stendal erlaubt sein?
An den Ostseestränden gibt es seit jeher ausgewiesene Strandabschnitte fürs FKK-Baden. Sollte oben ohne auch in Freibädern im Landkreis Stendal erlaubt sein? Foto: dpa

Stendal - Tino Braune muss erst einmal herzhaft lachen. Von der Kontroverse ums „Baden oben ohne“ in Göttingen hat der Pächter des Waldbades Wischer bei Stendal gehört. Das FKK-Urteil wird heiß diskutiert.

Im niedersächsischen Göttingen hatte der Sportausschuss entschieden, dass ab dem 1. Mai in sämtlichen Schwimmbädern der Stadt jeder Gast mit blanker Brust schwimmen darf. Egal, ob Mann oder Frau. Noch gilt die Regel aber ausschließlich am Wochenende.

Vorausgegangen war eine Beschwerde einer Person, die zwar biologisch eine Frau ist, sich aber nicht mit ihrem Geschlecht identifiziert. Im Vergleich zu Männern fühlte sie sich diskriminiert. Die müssen schließlich ihre Brust nicht bedecken, argumentierte sie.

Fein raus: Waldbad Wischer bei Stendal hat einen FKK-Bereich

Tino Braune nimmt die Sache wie gesagt eher amüsiert zur Kenntnis. Das mag daran liegen, dass er am Baggersee fast schon fein raus ist und sich nicht so viele Gedanken darüber machen muss, ob sich Frauen ihres Oberteils entledigen oder nicht.

Denn im FKK-Bereich des Waldbades darf sich jeder und jede so zeigen, wie Gott sie schuf. Und zwar jeden Tag. Aber auch am regulären Strand würde er eher liberal verfahren. „Für mich ist das nicht verwerflich, wenn das Oberteil mal weggelassen wird. Ich würde da nicht eingreifen“, sagt der Waldbad-Chef.

In Stendal und Osterburg ist das Baden oben ohne nicht erlaubt.
In Stendal und Osterburg ist das Baden oben ohne nicht erlaubt.
Foto: dpa

Strenge Badeordnung im Stendaler Freizeitbad Altoa

In der Stendaler Altmarkoase (Altoa) sieht die Sache etwas anders aus. Einen Bereich für Nackedeis gibt es dort nicht. Die Badeordnung des Schwimmbads kommt traditionell daher. Sie orientiert sich an der Musterbadeordnung der Deutsche Gesellschaft für das Badewesen, sagt Geschäftsführer Marcus Schreiber. „Unter anderem ist hier von üblicher Badekleidung die Rede. Die umfasst nach unserem Verständnis auch die Oberteile weiblicher Badebekleidung“, sagt Schreiber. Mit anderen Worten: Es ist aktuell nicht gestattet, sich als weiblicher Badegast im Schwimmbad mit entblößter Brust aufzuhalten.

Ob sich daran etwas ändert, kann der Altoa-Geschäftsführer nicht beantworten. Er deutet aber an, dass es Redebedarf im Badwesen-Verband gibt, in dem auch das Altoa Mitglied ist: „Die Göttinger Entscheidung wird aktuell im Verband diskutiert. Sollte es Handlungsbedarf geben oder sich Änderungen an der Musterbadeordnung abzeichnen, kann schnell reagiert werden.“

Allerdings wendet er ein, dass sich bislang kein einziger Badegast in der Sache an ihn gewandt habe. Weder Beschwerden, Anregungen oder Hinweise seien aufgelaufen. Zumindest in Stendal hält sich der Handlungsdruck wohl in Grenzen.

In der Flussbadeanstalt in Osterburg ist man skeptisch

Genauso sieht es beim Biesebad in Osterburg aus. Das Thema sei weit weg, sagt Renate Krüger, Pächterin des Flussschwimmbades. Dass sie aus eigenem Antrieb etwas and er bestehenden Badeordnung ändert, ist eher unwahrscheinlich. „Ich bin eher ein Gegner des Ganzen“, sagt die Pächterin. Komplett verstellen würde sie sich aber nicht, wenn eine neue Regelung gewünscht sei. „In diesem Falle werden wir uns natürlich damit auseinandersetzen“, so die Krüger. Bis dahin bleibt alles beim Alten.

Wie Nachbarn in der Westaltmark zu „oben ohne“ reagieren

In Göttingen soll die Resonanz auf die neue Freizügigkeit übrigens eher mau gewesen sein. Nur wenige Badegäste machten davon Gebrauch, hieß es vom Betreiber.

Die Stadtverwaltung Gardelegen hat nichts gegen die neue Freizügigkeit. Dort ist laut Badeordnung nur verboten, was „den guten Sitten widerspricht“. Heißt: Oben ohne bei Frauen gehört nicht dazu, sagt Bürgermeisterin Mandy Schumacher. In Salzwedel bleibt die Brust bedeckt. Hier begeht diejenige eine Ordnungswidrigkeit, die das Oberteil fallen lässt.