Stendal l Mittlerweile verhärten sich die Fronten in Sachen Bauplätze im Bereich des südlichen Haferbreiter Wegs. Wie berichtet, möchte die Fraktion Freie Stadträte/Bürger für Stendal das Umlegeverfahren noch stoppen. Ein Antrag für den Stadtrat am kommenden Montag wurde vorbereitet. Zahlreiche Grundstückseigentümer sind mit dem Prozedere nicht einverstanden. Mindestens eine Klage beim Verwaltungsgericht in Halle ist bereits anhängig, darüber hinaus gibt es mindestens 13 Widersprüche.

Nun meldet sich ein bauwilliges Pärchen zu Wort, das die Situation aus ihrer Sicht schildern. „Wir haben uns bereits im Jahre 2017 ein Baugrundstück im Koppelweg gekauft“, sagt Steven Woyte. Der zweifache Familienvater war vier Jahre in Stendal unterwegs, um einen geeigneten Bauplatz zu finden. „Der Markt ist abgegrast“, sagt der 36-jährige gebürtige Stendaler. „Wir kennen einige, die nach Stendal ziehen würden, wenn sie die Möglichkeit dazu bekommen“, sagt Ehefrau Christin Woyte.

Auf Beschlüsse verlassen und Land gekauft

Sie hätten beim Grundstückskauf bewusst in Kauf genommen, dass es noch ein wenig dauern könnte, sagt das Pärchen. Der Koppelweg soll noch verlängert werden und gehört zum Umlegeverfahren dazu, das im Auftrag der Stadt Stendal vom Landesamt für Vermessung und Geoinformation in Halle durchgeführt wird.

„Ich habe mich darauf verlassen, dass das Umlegeverfahren durchgezogen wird und wir irgendwann bauen können“, sagt Steven Woyte. Schließlich habe der Stadtrat dies schon 2015 beschlossen. Ein Bebauungsplan, in dem die geplanten Stichstraßen enthalten sind, sei bereits 1996 verabschiedet worden, seit 2003 ist er rechtskräftig. „Es muss doch eine solide und planbare Stadtpolitik geben“, findet er. Er könne nicht verstehen, wenn jetzt von einer Stadtratsfraktion beantragt werde, das Verfahren zu stoppen. „Offensichtlich vergisst ein Großteil der heutigen Gegner des Umlegeverfahrens, dass sie selbst erst auf Grundlage des heute gültigen Bebauungsplanes inklusive der Stichstraßen bauen durften“, sagt er. Seit 16 Jahren gebe es ein Baurecht. Die Stadt versuche seitdem auf privatrechtlicher Basis, die notwendigen Grundstücke für die Realisierung der Stichstraßen zu bekommen. Nur teilweise hat dies geklappt. Mit dem Umlegeverfahren hat die Stadt die Zügel fester in die Hand genommen, um an die restlichen erforderlichen Flächen zu gelangen.

Stadt kaufte bereits 70 Grundstücke

Nach Angaben der Stadt wurden zwischen 2016 und 2018 insgesamt 18 private Grundstücksverkäufe getätigt, zwei Grundstücke davon waren bebaut. Man könne bei den unbebauten Grundstücken davon ausgehen, dass diese bebaut werden sollen, heißt es bei der Stadt. Die Stadt selbst hat für die Schaffung der Stichstraßen seit 2003 insgesamt 70 Flächen gekauft. Es sollen rund 140 Bauplätze geschaffen werden.

Anwohner kündigen rechtliche Schritte an

Er habe sein Anliegen auch schon beim neuen Stadtratsvorsitzenden Peter Sobotta (Freie Stadträte/Bürger für Stendal) vorgebracht, sagt Woyte. Auch im Stadtrat selbst werde er vorstellig werden. Dass es bislang nur eine Klage und rund 13 Widersprüche gebe, werte er als Tatsache, dass die Zahl der Gegner nur gering sei. Allerdings ist das Umlegeverfahren in die drei Gebiete „West“, Mitte“ und „Ost“ aufgeteilt. Die Klage kommt aus dem Bereich Ost, welches am weitesten in der Bearbeitung fortgeschritten ist. Weitere können folgen.

Auch einige Gegner, die stets die mangelnde Informationspolitik der Stadt kritisierten, haben bereits angekündigt, am Montag, 9. September, ab 18 Uhr, zur Sitzung im Rathaussaal kommen zu wollen. Sie haben ein Schreiben an die Stadträte verfasst und darin noch einmal das aus ihrer Sicht unrechtmäßige Vorgehen dargelegt. Sie sehen das Umlegeverfahren rechtlich als eine Zweckentfremdung an. Eine Umlegung diene dazu zweckmäßige Grundstückszuschnitte zu schaffen. Die Stadt nutze dieses jedoch ausschließlich dazu, um die Stichstraßen zu relaisieren. Man werde alle rechtliche Mittel ausschöpfen, kündigen sie an. Insgesamt 31 Familien haben das Papier unterschreiben.