Stendal l Bliebe es beim geplanten Programm für die 4. Stendaler Lichttage, ergäbe sich im Oktober im Hof des Winckelmann-Museums ein recht kurioses Bild: ein Sammelsurium an gestapelten hölzernen Kolossalbausteinen wird kunstvoll illuminiert. Na, so ist das eben mit der Kunst, könnte man sagen. Aber: So ist das nun wirklich nicht geplant. Denn eigentlich sollte das Trojanische Pferd in seiner vollen Größe und in all seiner Stattlichkeit ins Programm der Lichttage einbezogen werden. Aber nun bleibt es eben noch länger als vorgesehen in Einzelteile zerlegt, weil das Winckelmann-Museum voraussichtlich noch bis Dezember Baustelle bleibt.

Ein klares Nein

Damit stellt sich die Frage, ob das Museum überhaupt Teil der Lichttage sein wird. Dazu gibt es von der Stadt Stendal als Veranstalter ein klares Nein. „Herbert Cybulska, welcher das Programm für die Lichttage bestückt, hat in Rücksprache mit der Winckelmann-Gesellschaft festlegen müssen, dass das Museum inklusive Hof nicht mit einbezogen werden kann“, antwortet Stadtsprecher Philipp Krüger auf die ent­sprechende Anfrage der Volksstimme.

Der örtliche Schwerpunkt der 4. Stendaler Lichttage vom 18. bis 20. Oktober sollte diesmal rund um die Winckelmannstraße und eben im Museum liegen. Während es bei Uenglinger Tor, Petrikirche und Gertraudenhospital bleibt, entfällt das Winckelmann-Museum. „Ich gehe davon aus, dass es dort keinen Programmpunkt geben wird“, bestätigte Herbert Cybulska, der künstlerische Leiter der Lichttage, gestern der Volksstimme am Telefon. Auch die Winckelmannstraße als Ausweichort käme nicht in Frage, zumal sich das Lichtkonzept ja aufs Trojanische Pferd bezogen habe.

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Ersatzort wird gesucht

„Aber wenn man etwas zu Winckelmann machen möchte, muss man das nicht unbedingt im Museum“, fügt sich Cybulska in die neuen Gegebenheiten. Dennoch: Das inhaltliche Konzept, das bereits seit Langem geplant und schon weit fortgeschritten gewesen sei, müsse man nun „über den Haufen werfen“ und komplett umdenken. Noch suchen er und der betreffende Künstler einen Ersatzort. „Anfang August treffe ich mich mit ihm in Stendal, dann schauen wir mal.“

Das konkrete und dann durch einen neuen vierten Veranstaltungsort ergänzte Programm für die Stendaler Lichttage soll auf einer Pressekonferenz am 21. August vorgestellt werden. Herbert Cybulska lässt sich davon offenbar nicht aus der Ruhe bringen. „Das ist jetzt zwar eine Herausforderung, aber nichts, was mich verschreckt“, sagt er beinahe heiter. Da habe er schon Schlimmeres erlebt – einen Regisseur zum Beispiel, der am Tag der Premiere auf einmal alles umgestellt haben wollte. Und es ging da nicht um ein paar Requisiten, sondern um ein ganzes lichttechnisches Konzept mitsamt aller Einstellungen. „Da haben wir sechs, sieben Stunden geackert, das war alles nur notdürftig. Da war ich natürlich bedient.“ Insofern ist der aktuelle Stand in Stendal ein Kinderspiel.

Pferd-Leuchten gab es schon mal

Bei der Winckelmann-Gesellschaft derweil ist man in Zusammenhang mit der geplanten Museumseröffnung schon Kummer gewöhnt. Man hangelt sich von einer Terminverschiebung zur nächsten. Deswegen kommentiert Museumsleiterin Dr. Stephanie-Gerrit Bruer die abzusehende Streichung aus dem Lichttage-Programm nur lakonisch mit einem „Ja, das ist schade.“ Für die Gesellschaft sei die Eröffnung des Museums der Höhepunkt der Winckelmann-Jubiläen – auch ohne erleuchtetes Pferd.

Das Trojanische Pferd hat womöglich, wenn man es so interpretieren mag, seinen eigenen Kopf. 2009 war es bei einer Finissage im Winckelmann-Museum schon einmal illuminiert worden. Auch das nicht ganz ohne Hindernisse: Denn statt benötigter zwölf Stunden Vorbereitungszeit hatte der damalige Künstler wegen Wetterunbilden gerade mal zwei Stunden Zeit. So wurde aus einer avisierten „großen Lichtshow“ ein minimiertes Leuchten. Immerhin. Diesmal dagegen bleibt das Pferd dunkel. Mit leise optimistischem Fatalismus gewinnt Bruer dem Lauf der Dinge etwas Positives ab: „Das war damals eben nicht nur erstmalig, sondern vielleicht auch einmalig.“