Stendal l Der Anruf überraschte Friseurmeisterin Anke Waclawik schon ein wenig, aber: „Ich habe mir die Sache ein, zwei Tage durch den Kopf gehen lassen und dann ja gesagt.“ Die Sache sei es wert gewesen, sagt sie und ist davon nun, am Dienstag dieser Woche, noch mehr überzeugt.

„Die Sache“ ist ein Projekt des Berufsbildungswerkes (BBW), mit dem junge Leute auf den Schritt ins Berufsleben vorbereitet werden. Jugendliche, für die dieser Weg aus verschiedenen Gründen etwas hürdenreicher ist, als normalerweise. „Los geht‘s“, heißt das Projekt, in dem auch BBW-Sozialpädagogin Carmen Buschendorf mit den Jugendlichen arbeitet. Sie war es, die die Idee entwickelte, dass zu einer Bewerbung – egal ob um einen Praktikumsplatz oder einen Arbeitsplatz – auch selbstbewusstes Auftreten gehört. Selbstbewusstsein, das sich natürlich auch über das Äußere definiert.

Gutes Aussehen, gutes Gefühl

Gutes Aussehen gleich gutes Gefühl. Wohlbefinden gleich positive Ausstrahlung, die sich im Auftreten widerspiegelt, das wiederum dem Gesprächspartner, sprich potenziellem Arbeitgeber, als angenehme Erinnerung bleibt.

Bilder

Kurzum: Es kann sich lohnen, wenn man als gut gestylte, freundlich und selbstbewusst auftretende junge Frau (junger Mann) in ein solches Gespräch geht. In diesem Fall wollte Carmen Buschendorf das für drei junge Frauen möglich machen und – siehe vorn – griff zum Telefon.

Gesucht: Ein Friseursalon, der die Mädels kostenlos umstylt. Gefunden: Anke Waclawik. Eines der Argumente, die sie für das Projekt einnahmen: Sie hat selbst in jedem Jahr einen Lehrling, also derzeit drei, und zwei von ihnen sollten sich um diesen „Auftrag“ kümmern, zeigen, was sie gelernt haben, kreativ werden. „Bereitet euch ein bisschen darauf vor“, so die Ansage der Chefin. Die Friseur-Azubis taten es gut – wie der Tag, an dem BBW-Sozialpädagogin Buschendorf mit den Schülerinnen Sarah Schütte, Sabrina Rolle und Christina Wirtz in den Salon kam, um sie in die Hände von Saskia Orlemünde (zweites Lehrjahr) und Angelina Krüger (seit vier Wochen Lehrling) zu geben. Verständlich, dass vor allem Saskia gefragt war, was das Frisieren und Beraten der Kundinnen angeht. Cindy Stuwe, seit zehn Jahren Friseurin, stand ihrer jungen Kollegin hilfreich zur Seite.

Und auch noch ein tolles Make-up

Apropos Hilfe: Die kam auch aus der Kosmetikabteilung des Salons, die Anke Waclawiks Schwester leitet. Die Kosmetikerinnen Katharina Hund und Anika Jähnicke verpassten den jungen Damen das zu den neuen Frisuren und zum jeweiligen Typ passende Make-up.

Nach gut drei Stunden ringsum lächelnde Gesichter: Bei Friseurmeisterin Anke Waclawik und Friseurin Cindy Stuwe, die mit der Leistung ihrer Azubis sehr zufrieden waren, bei Angelina und Saskia, die zu Recht ein bisschen stolz darauf sein durften, und bei den drei BBW-Schülerinnen Sarah, Sabrina und Christina, die sich mit ihrem neuen Äußeren ausgesprochen wohl fühlten und es weiter tragen möchten. Ein Wunsch, den ihnen Friseur-Azubi Saskia ein Stück weit erfüllen helfen möchte. „Sie können gern zum Nachfrisieren noch mal zu mir kommen.“

Na dann: Los geht‘s – im Sinne des BBW-Projekts für die drei Schützlinge von Carmen Buschendorf. Als nächstes steht die Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche an, die im Herbst stattfinden sollen. Und was das „Los geht‘s“-Projekt angeht: Das könnte es auch im kommenden Jahr geben. Der Friseursalon Waclawik wäre auf jeden Fall wieder dabei.