Stendal l Im Salus-Fachklinikum in Uchtspringe wurden in den vergangenen Wochen Betten freigemacht, um Plätze für mögliche Corona-Patienten vorhalten zu können. „Um unserer Verantwortung in dieser Ausnahmesituation gerecht zu werden, mussten wir viele Patienten früher entlassen und planbare Therapien verschieben“, sagt die Ärztliche Dirketorin Dr. Michaela Poley. Allerdings sei die stationäre Behandlung von Menschen mit akuten und schweren psychischen Erkrankungen im Fachklinikum auch während der Corona-Krise gesichert, sagt Poley.

Das Klinikum hat 306 vollstationäre Betten. Zunächst sind 33 Betten für Corona-Patienten geschaffen worden, wie Sprecherin Franka Petzke auf Anfrage berichtet. Jährlich hat das Klinikum rund 5000 stationäre Patienten und 10 000 Patienten in ambulanter Behandlung. „Im stationäre Bereich wurde die Auslastung auf rund 50 bis 60 Prozent heruntergeschraubt“, sagt Petzke. Die Tageskliniken in Stendal, Salzwedel und Seehausen mit zusammen 92 Plätzen für die Behandlung von Erwachsnenen und Kindern wurde gemäß Verfügung des Landes vorerst ganz geschlossen. Man sei nun in Uchtspringe auf zwei Stationen auf Corona-Patienten mit milderem Krankheitsverlauf eingestellt.

Pandemie kann Isolation verschärfen

Ein gewisses Risiko ist mit dem Rückgang der Behandlung verbunden, wie die Ärztliche Direktorin einschätzt. „Wir machen uns insbesondere Sorgen um die chronisch Kranken, die zum Beispiel von Psychosen, schweren Angststörungen und wiederkehrenden Depressionen betroffen sind“, sagt Poley. Gerade Menschen mit psychischen Erkrankungen leiden angesichts der Corona-Pandemie unter der sozialen Isolation und Beziehungsverlusten. Im Krisenfall der Menschen seien Neuaufnahmen in die Klinik aber nach wie vor möglich, sagt Poley. Massiv verschlechtern könne sich auch der Zustand von suchtkranken Menschen. Nach ihrer Einschätzung könne leider nicht ausgeschlossen werden, dass zur Bewältigung der Situation wahllos zu Substanzen gegriffen werde, die dann sogar lebensgefährlich wirken könnten. Ebenso müsse damit gerechnet werden, dass es Kindern und Jugendlichen mit psychischen Störungen durch den Verlust an Tagesstruktur und sozialen Kontakten schlechter gehe. Ganze Familien könnten überfordert sein.

Bilder

„Wir arbeiten nach besten Kräften daran, die Versorgung unter den aktuell eingeschränkten Bedingungen weiterzuführen“, sagt die Ärztliche Direktorin. Beispielsweise würden Kontakte zu entlassenen Patienten teilweise telefonisch gehalten. „Viele ambulante Behandlungen sind inzwischen auf Telefonsprechstunden umgestellt, demnächst wird das auch per Videokontakt möglich sein“, sagt Michaela Poley. Auch ein Sorgentelefon wurde eingerichtet.

Sorgentelefon für Einsame wurde eingerichtet

Das Sorgentelefon sei ein „niedrigschwelliges Angebot“, so die Sprecherin. Menschen, die derzeit unter Einsamkeit oder psychischen Problemen leiden, könnten sich bei der Hotline von montags bis freitags in der Zeit von 8 bis 15 Uhr unter der Telefonnummer 039325/70 67 95 melden. Als Gesprächspartner stehen erfahrene Psychologinnen zur Verfügung, die sonst im tagesklinischen Bereich des Fachklinikums tätig sind. „Oft verschafft so ein sortierendes Gespräch gute Entlastung“, sagt Poley. Es werde zugehört, nachgefragt und gemeinsam nach Ansatzpunkten gesucht, die Hoffnung machen.

Bei bedrohlichen und akuten Erkrankungen sei jedoch die stationäre Aufnahme der einzige Weg, um damit zum Beispiel Suizidalität, Delirien und Intoxikationen überwinden zu können.

Ein erhöhtes Corona-Infektionsrisiko müssen Betroffene und Angehörige aber nicht fürchten: „Wie in allen anderen Krankenhäusern, greifen auch im Fachklinikum Uchtspringe sorgsame und aufwändige Schutzmaßnahmen. Unsere beiden Stationen, die vorsorglich für eine Aufnahme von Covid 19-Patienten eingerichtet wurden, sind konsequent von den anderen Klinikbereichen abgeschirmt“, sagt die Ärztliche Direktorin.

Noch ein Hinweis: Das am 21. April 2020 geplante Stendaler Gespräch „Was die Psyche bewegt“ wurde abgesagt. Bei dieser Veranstaltung für Angehörige und Freunde psychisch kranker Menschen sowie andere Interessenten sollte es um das Thema „Wenn Psychiatrie auf die Gesetzbücher trifft“ gehen. Das Gespräch soll zu einem späteren Zeitpunkt – voraussichtlich im Herbst 2020 – nachgeholt werden.