Stendal l Das Landgericht in Stendal hat am Mittwoch, 11. Juli 2018, einen gerichtsbekannten Stendaler wegen schweren räuberischen Diebstahls, gewerbsmäßigen Diebstahls, Diebstahls und Drogenbesitz zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Am Ende des dritten Prozesstages klickten im Gerichtssaal die Handschellen.

Gegen den Angeklagten wurde wegen Fluchtgefahr Haftbefehl erlassen, und er wurde durch die Polizei in die JVA Burg gebracht. Dabei war der Angeklagte schon in Hand- und Fußfesseln gekommen, allerdings aus der geschlossenen Abteilung eines psychiatrischen Krankenhauses (Maßregelvollzug Uchtspringe), wo er seit seiner Festnahme vorläufig untergebracht war.

Vom Wachmann überrascht

Doch dahin konnte er nicht zurück, weil die 1. Große Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Simone Henze-von Staden laut Urteil keinen Grund für eine Unterbringung im Maßregelvollzug fand.

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der drogensüchtige und gemäß eines psychiatrischen Gutachtens intelligenzgeminderte 26-Jährige im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit am frühen Morgen des 28. Mai vorigen Jahres auf der Suche nach Stehlenswertem in das Garten-Center am Friedhof in der Borghardtstraße eingedrungen ist. Dort wurde er nach Auslösung des Alarms von einem Wachmann überrascht. Er warf einen Pflasterstein in Richtung des Wachmannes, verfehlte ihn aber.

Bei der anschließenden Flucht verlor er seinen Beutel mit Diebesgut: ein Tüte Kaffee, Instant-Suppe und Süßigkeiten und später auch noch sein Handy. Am 15. August stahl er aus der Lagerhalle eines Fliesengeschäftes den Rucksack eines Mitarbeiters. Darin befanden sich 100 Euro, ein Navi-Gerät, Schlüssel und diverse Papiere.

Gutachter bescheinigt Beschaffungsdruck

In das Zimmer einer Heimbewohnerin am Schwanenteich drang er am Abend des 19. August ein und stahl dort neben 460 Euro Schmuck, der später bei ihm gefunden wurde.

Am 20. August wurde er von der Polizei mit Drogen aufgegriffen und kam kurzzeitig in Haft. Daraus entlassen suchte er am 23. Januar dieses Jahres zur Mittagszeit in einer Kita in der Bismarckstraße nach Stehlenswertem. In der Werkstatt des Hausmeisters nahm er sich 30 Euro. Als dieser sich in den Weg stellte, rempelte er ihn an und flüchtete.

Insgesamt elf Straftaten waren angeklagt. Zwei Verfahren wurden im Hinblick auf das zu erwartende Urteil eingestellt. Und in zwei Fällen sah das Gericht die Täterschaft als nicht erwiesen an. Laut psychiatrischem Gutachter Dr. Egbert Held stand der Angeklagte, der nach eigenen Angaben seit dem elften Lebensjahr Alkohol und seit dem 15. Lebensjahr Rauschgift konsumiert, zur Tatzeit unter „Beschaffungsdruck, um seine Sucht finanzieren zu können“.