Stendal l Eine einzige Gewitterzelle war es, die am 9. August 2018 über den Flugplatz Borstel hinwegfegte. „Ich habe mir das heute nochmal auf der Internetseite von Kachelmann angesehen, eine dunkellila Sturmböe ist da auf der Karte dargestellt“, erzählte Mattthias Jahn, Geschäftsführer der Flugplatzgesellschaft, am Dienstag. Der Sturm hatte verheerende Folgen. Das Dach wurde heruntergerissen, der Regen stürzte in den Tower und lief unten wieder heraus. Die Technik war nicht mehr zu retten. „Gerade hatten wir das Vintage-Glider-Treffen gut über die Bühne gebracht, wollten ein bisschen feiern, aber dann war niemandem mehr zum Feiern zumute“, sagte Jahn.

Am Dienstag hatte er auf den Tower eingeladen, aus einem „sehr, sehr erfreulichen Anlass“ – der Tower wurde wieder eingeweiht. Neben Vertretern verschiedener Handwerksbetriebe, die an der Reparatur beteiligt waren, sowie der beteiligten Versicherung waren auch der Erste Beigeordnete des Landrates, Denis Gruber, und Stendals Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU), als Vertreter der Gesellschafter Hansestadt und Landkreis, der Einladung gefolgt.

Schaden von 80.000 Euro

Durch den abendlichen Gewittersturm, der etwa gegen 19 Uhr über den Flugplatz hereinbrach, wurde ein Schaden von rund 80.000 Euro verursacht. In den vergangenen Monaten war der Flugplatz im Notbetrieb von der Tankstelle aus gesteuert worden. Der mittlerweile 16 Jahre alte Tower wurde komplett entkernt und im Inneren auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Das war das einzig Positive, das Jahn dem Schaden abgewinnen konnte. In den 16 Jahren habe die Technik schließlich große Fortschritte gemacht. „Für die Geräte, die wir hatten, gibt es heute in den Geschäften nichts mehr“, sagte er. Die Technik entwickele sich im Jahresrhythmus weiter. So gebe es beispielsweise auch keine Wetterstation mit Fähnchen und Rädchen mehr. Es wurde moderne Kameratechnik installiert, die gestochen scharfe Bilder vom Flugfeld liefert, die Kommunikation wurde auf zwei Funkgeräte aufgerüstet, die über einen Repeater verfügen, die es vom englischen Wort für wiederholen ermöglichen, die letzten Funksprüche noch einmal abzurufen. Die Piloten haben die Möglichkeit, im Tower die Landegebühr zu bezahlen, mit EC- oder per Kreditkarte, allerdings ist auch das Zahlen per App möglich. „Das macht es den Besuchern leichter und dem Flugleiter auch“, sagte Jahn.

Bilder

Vorfreude auf die WM

Neu ist auch ein Signalscheinwerfer, er ist das letzte Mittel der Kommunikation, wenn alle anderen Kanäle ausgefallen sind. Er funktioniert nach dem Ampelprinzip. Grünes Licht bedeutet, dass die Landeerlaubnis erteilt wird, bei einem roten Licht darf der Pilot eben nicht zur Landung ansetzen.

„Bei uns ist alles neu, unter den Fenstern und über den Fenstern“, freute sich Jahn. Auf dem Dach wurden neue Antennen installiert, es wird aber schon über eine weitere nachgedacht. Das Thema Tracking sei aktuell. Mit Apps wie Flightradar24 können die Bahnen von Verkehrsflugzeugen verfolgt werden. Dies sei nun auch für Segelflieger möglich, eventuell eine lohnende Anschaffung für den Borsteler Flugplatz. Schließlich steht in diesem Jahr auch die Deutsche Meisterschaft der Segelflieger im Terminkalender. Sie findet vom 6. bis zum 20. Juli in Borstel statt. „Wir haben auch ausländische Teilnehmer, die wollen sich wahrscheinlich schon einmal vor der Weltmeisterschaft umsehen“, kündigte Jahn an. Die Vorfreude auf den Titelkampf ist groß, Jahn hatte die Wiedereröffnung des Towers auch unter das Motto „Die WM kann kommen“ gestellt. Sie findet im kommenden Jahr vom 19. bis 31. Juli statt. Dann werden in Borstel nicht nur zehn Tage Weltklasse-Segelflug, sondern auch 500 Personen aus rund 100 Ländern erwartet. 130 Segelflugzeuge werden in die Luft gehen, beobachtet von erwarteten 30 000 Besuchern, die freien Eintritt haben. Mehr als 100 Helfer sollen für einen reibungslosen Ablauf sorgen.

Im Februar schon viel Flugbetrieb

In diesem Jahr stehen neben der Deutschen Meisterschaft noch viele weitere Highlights im Veranstaltungskalender, nicht nur im fliegerischen Bereich, etwa das Konzert „Der Osten rockt“ und das Gedenken an 70 Jahre Luftbrücke.

Mit einem symbolischen Akt eröffneten Schmotz und Gruber schließlich die neue Saison. Mit dem Signalscheinwerfer sendeten sie ein grünes Licht aus. Piloten waren allerdings keine am Himmel. „Die Saison beginnt erst so richtig zu Ostern“, erklärte Jahn. Allerdings hätten sich die schönen Tage im Februar auch auf dem Flugplatz bemerkbar gemacht.