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Theater der Altmark Intendantin Dorotty Szalma erlebt in Stendal eine „verrückte Zeit“

Seit 100 Tagen ist Dorotty Szalma Intendantin des Theaters der Altmark. Demnächst inszeniert sie „Der Glücksfall“. Ihren Wechsel nach Stendal sieht sie als einen solchen.

Von DONALD LYKO Aktualisiert: 10.11.2023, 14:47
Dorotty Szalma, Intendantin des Theaters der Altmark in Stendal.
Dorotty Szalma, Intendantin des Theaters der Altmark in Stendal. Foto: NILZ BÖHME

STENDAL - Als Intendantin ist sie politisch vernetzt, als Theaterfrau und Künstlerin bezieht sie politische Haltung. Darum ist es nur legitim, Dorotty Szalma um ein Resümee zu bitten, das für Politiker fast ein Muss ist: der Blick auf die ersten 100 Tage im neuen Amt.

Für die Intendantin des Theaters der Altmark in Stendal steht dieses Etappenziel für den 8. November 2023 in ihrem Kalender. Mit der Spielzeit 2023/24 hat die gebürtige Ungarin, die in Österreich aufgewachsen ist, die Nachfolge von Wolf E. Rahlfs angetreten. Bevor sie im Volksstimme-Gespräch den vergangenen gut drei Monaten das Attribut „verrückt“ gibt, sagt die 49-Jährige: „So habe ich es mir nicht vorgestellt. Aber auch nicht anders.“

Die ersten Wochen der neuen Spielzeit und die Vorbereitung darauf hatten es in sich. Denn zum normalen Theaterbetrieb mussten eine Gala und ein Tag der offenen Tür organisiert werden, um die Wiedereröffnung des Theaters in der Karlstraße nach jahrelanger Sanierung zu feiern. Zudem hatte das TdA die Regie für die Stendaler Lichttage übernommen. Und dann gab es eine ganze Reihe von Premieren. In die Spielzeit ging es mit „Mamma Medea“, Dorotty Szalmas erste Regiearbeit am Stendaler Theater.

„Ein bisschen verrückt war es schon, ist es noch immer“, sagt die Intendantin, die mit Mann und Tochter im Stendaler Ortsteil Borstel lebt. Dass sie schon vor einem Jahr in die Altmark gezogen ist, sei die richtige Entscheidung gewesen „und war in meinen Augen auch notwendig“. Denn „nun muss ich die Zeit nicht mit Ankommen verplempern“. In den Monaten vor ihrem offiziellen Start hat sie die Kollegen am Theater kennengelernt, Kooperationspartner und Ansprechpartner in den Verwaltungen, hat erste Ideen und Projekte anschieben können, in Ruhe mit ihrem Vorgänger die Übergabe vorbereitet und vollzogen.

Als Theater starke Präsenz in der Stadt zeigen

Wenn sie die vergangenen 100 Tage Revue passieren lässt, greift sie dennoch zum Wort „ruhelos“. Weil sie sich viel vorgenommen habe, weil Quantität auf keinen Fall auf Kosten der Qualität gehen dürfe, weil die Wiedereröffnung gebührend begangen werden sollte, weil immer der Wunsch besteht, „als Theater eine starke Präsenz in der Stadt und in der Region zu zeigen“. Das ist ein Punkt, der ganz weit oben steht auf der Agenda für die kommenden Monate.

Wenn sie sagt: „Es ist sehr viel, was wir uns vorgenommen haben“, dann meint Dorotty Szalma damit die Vorschau ebenso wie den Blick zurück. Bisher sechs Premieren in der neuen Spielzeit sei eine Zahl, die sich hören lassen kann. Für alle schon laufenden Inszenierungen hofft die Intendantin auf ein möglichst großes Publikum – nicht zuletzt angelockt über Mundpropaganda.

Denn die Stücke hätten es alle verdient, sagt die TdA-Chefin: die einen, weil sie einen kurzweiligen Abend versprechen wie „Mamma Medea“ oder das Knef-Programm „Ich glaub’, ’ne Dame werd’ ich nie“, andere vor allem wegen ihres Inhalts. Dabei denkt sie besonders an „Oma Monika“, ein Stück über Demenz im Alter.

Sie selbst wird Anfang kommenden Jahres wieder mit Proben beginnen. Dorotty Szalma inszeniert „Der Glücksfall“, eine Tragikomödie von György Spiró. Der Premierenvorhang im Kleinen Haus soll sich am 2. März 2024 heben. Bis dahin ist noch Zeit – davon wünscht sich die 49-Jährige an manchen Tagen gern mehr. Denn auf ihrem Tisch im Intendanten-Zimmer liegt ausreichend Arbeit: Für die kommende Spielzeit stehen die Stücke schon fest, jetzt laufen Gespräche mit potenziellen Regisseuren. Die neuen Theaterverträge mit Land und Landkreis Stendal sind gerade in der politischen Beratung. Treffen des Deutschen Bühnenvereins, Landesverband Ost, in Potsdam. Und dann muss auch ein Theater schauen, wie es in Zeiten von Fachkräftemangel seinen Betrieb am Laufen hält.

Das alles hält Dorotty Szalma aber nicht davon ab, zu versichern: „Der Wechsel nach Stendal war die richtige Entscheidung. Ich bin gut angekommen und sehr glücklich.“ Einen Tag oder einen Moment, an dem sie die Entscheidung fürs TdA bereut hat, habe es noch nicht gegeben. Ein Grund dafür: „Es ist wundervoll, dass wir so klein sind und familiär arbeiten.“ Und noch etwas begeistert sie am Job in Sachsen-Anhalts Norden: „Es ist schön, dass man Träume umsetzen kann. Einige Träume sind schon wahrgeworden.“