Stendal l Mit stolzer Brust mischt sich Sieghard Geyhler unter die Gäste. Der Vorsitzende des Aero-Club Stendal ist noch rechtzeitig auf dem Flugplatz in Borstel erschienen. „Das ist ein großer Tag für unseren Club, für den Flugplatz und auch für die Stadt Stendal“, sagt Geyer. Warum? Das wird wenige Minuten später deutlich, als Rainer Döring als Gastgeber der Feier an das Mikrofon tritt.

Der weißhaarige Mann aus Berlin begrüßt die rund 50 Anwesenden herzlich und hält vor dem mit Spannung erwarteten Jungfernflug seiner Klemm, Baujahr 1935, eine Hommage auf Stendal. „Wir befinden uns hier in bester Gesellschaft“, sagt der 76-Jährige und versichert, dass die Hansestadt fliegerisch seine neue Heimat sei. Der 120 Mitglieder zählende Aero-Club, dem er und seine Mitstreiter längst beigetreten sind, habe immer an „uns verrückte Flugzeugbastler“ geglaubt.

Heimat-Flughafen Stendal

Die großen Hallen, das Betriebsgelände der Flughafen Stendal GmbH mit all den Möglichkeiten, hier fliegerisch tätig zu sein, haben die Berliner ermutigt, trotzt herber Rückschläge die Hoffnung nie aufzugeben.

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In den letzten drei Jahren hat das Kernteam um den Hobby-Piloten Rainer Döring, den Mechaniker Hans Weck und den Holzspezialisten Eberhard Pfizenmaier viel im Hangar in Stendal gearbeitet. Es haperte an einem funktionierenden Motor, der den einst als Schul- und Sportflugzeug gebauten Flieger erst flugtauglich macht. „Das war ja mein Ziel.“

Probleme mit dem Motor

Der erste Vierzylinder, in Schweden erworben, erwies sich als Ausschuss. „Ich brachte ihn dorthin zurück und bekam mein Geld wieder“, sagt Döring, von Hause Architekt und Maschinenbauingenieur. Der zweite Motor, aus Heeresbeständen von einem Schweizer gekauft, „war am Ende auch unbrauchbar.“ Und: „Wir waren am Boden zerstört“, ergänzt sein 77-jähriger Partner Hans Weck. Mut fassten sie, als Döring in Königswinter auf Spezialisten traf, die einen überholten Motor lieferten.

Helfer in USA und Europa

„Er funktioniert einwandfrei“, sagt Döring und ist doch mächtig aufgeregt, ob nun der erste Flug auch „einwandfrei gelingt“. Ob sich die vielen Mühen gelohnt haben und sich das Engagement der zahlreichen Unterstützer auszahlt.

13 lange Jahre bastelte und schraubte der Berliner an dem Projekt, ein privates, „das man nicht alleine stemmen kann.“ Deshalb habe Döring alle nach Stendal eingeladen, die Anteil an seinem „Silbervogel“ haben. Mit der Bahn, dem Auto und Flugzeug sind sie am Sonnabend angereist, aus vielen Teilen Deutschlands.

Wie im historischen Film

Sie freuen sich riesig, jubeln, prosten ihrem Helden der Lüfte zu und halten den großen Augenblick auf dem Flugplatz in Borstel fest. Man fühlt sich wie in einen historischen Film versetzt. Der satte Klang des Motors, der das kleine Flugzeug, das mit Holz und Leinen beplankt ist, in Bewegung setzt, begeistert. Die beiden Cockpits sind offen, die Radaufhängungen erinnern an Kinderwagen und Rollcontainer. Vieles sind aufwendig aufgearbeitete Originalteile. Über die Jahre zusammen gesammelt in den USA und Europa.

All das ist Vergangenheit, Rainer Döring erlebt in der Luft Momente, die ihn glücklich und zufrieden machen. „Es ist unbeschreiblich schön.“ Nur acht dieser Klemm-Oldtimer fliegen noch in Deutschland. Und einer, sein „Silbervogel“, nun über Stendal.