Stendal l Die Alarmierung der Leitstelle klang zunächst wie eine Katastrophe: Schulbusunfall, Türen verklemmt. Was sich in der vergangenen Woche in der Tangerhütter Breitscheidstraße ereignete, entpuppte sich dann als harmloser Parkunfall mit einem für die Schülerbeförderung eingesetzten Kleinbus.

Darin sind die Schüler stets angeschnallt, das ist gesetzlich so vorgeschrieben. Anders sieht es allerdings bei den rund 100 Linienbussen aus, die etwa 4000 Fahrschüler durch den Landkreis transportieren. „Es gibt keine gesetzliche Anschnallpflicht in den Linienbussen, die auch nicht mit Gurten ausgerüstet sind“, informierte Kreissprecher Edgar Kraul auf Anfrage der Volksstimme. Zudem seien auch Stehplätze in den Bussen vorgesehen. Dann dürften die Busse allerdings nur noch mit 60 Stundenkilometern fahren.

Gehörige Erschütterung

Der Gurtschlitten, den die Kreisverkehrswacht bei ihren Aktionstagen präsentiert, fährt mit einer Geschwindigkeit von lediglich zwölf Stundenkilometern auf einen Rammbock. „Und das gibt schon eine gehörige Erschütterung“, meinte Fred Mücke, Verkehrsssicherheitsberater bei der Stendaler Polizei. Natürlich sei es wünschenswert, dass alle Fahrgäste angegurtet sind. Ob sich das in der Praxis umsetzen ließe, sei dahingestellt. Allerdings würden bei der Schülerbeförderung immer mehr Reisebusse eingesetzt, die durchaus mit Sicherheitsgurten ausgestattet sind. „Die kann man doch auch ohne gesetzliche Pflicht nutzen“, riet Mücke.

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„Wir sind in der Weihnachtszeit und da möchte ich mir etwas wünschen“, sagte Kreiselternratsvorsitzender Ray Woitek im Gespräch mit der Volksstimme. Und das ist die Gurtpflicht nicht nur in den Überland-, sondern auch in den Schülerbussen. „Man sollte wirklich ernsthaft darüber nachdenken und das Ziel nicht aus den Augen verlieren“, forderte er. Ebenso ist er für die Abschaffung der Stehplätze, aus Sicherheitsgründen. „Außerdem haben die Kinder auf der Rückfahrt einen Schultag hinter sich, da muss man ihnen nicht noch das Stehen zumuten“, fügte er hinzu.

Bisher noch keine Unfälle

Ausschließlich Kleinbusse und Pkw, in denen Anschnallpflicht besteht und es keine Stehplätze gibt, werden in der so genannten freigestellten Beförderung eingesetzt. Damit werden Schüler von entlegenen Orten, an denen die regulären Busse nicht verkehren, transportiert. Täglich 400 Schülerinnen und Schüler werden zum Unterricht gebracht. Davon besuchen 314 eine Behinderteneinrichtung. Insgesamt werden 64 Touren bedient. „Die Anzahl der Fahrzeuge lässt sich allerdings nicht so genau benennen, da die Unternehmen auch Touren koppeln und nacheinander liegende Strecken mit demselben Fahrzeug bedienen“, erklärte Kraul.

Bislang musste noch nicht ernsthaft über Veränderungen nachgedacht werden, laut Kraul sind im Landkreis Stendal bisher keine Unfälle mit Schüler-Linienbussen bekannt.