Stendal l Die Spargelbauern dürften die Landwirte aus der Region gewesen sein, die im Vorjahr mit am meisten unter der Pandemie litten. „Für uns stand die Frage im Raum, wie bekommen wir die Saisonkräfte in die Betriebe“, erinnert Kerstin Ramminger, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes und fügt gleichzeitig hinzu: „Es lief nicht alles rund, aber wir hatten auch keinen Probelauf.“ Mit Hilfe des deutschen Dachverbandes sei es schließlich gelungen, die osteuropäischen Arbeiter zum Großteil per Flugzeug über die Grenzen zu holen. Die Betriebe erhielten Hygienekonzepte, die selbst beim Gesundheitsamt auf Anerkennung gestoßen seien.

Trotzdem sei das Geschäft mit dem Edelgemüse in 2020 alles andere als optimal verlaufen. Zum Einen wäre noch immer zu wenig Personal auf dem Feld gewesen, zum Anderen sei die Gastronomie als großer Spargelabnehmer weggebrochen. Einige Anbauer hätten einen Teil der Ernte auf dem Feld gelassen, andere vermieteten ihre Beete an Selbsternter.

Einreiseverbot für Arbeitskräfte

Auch für die bevorstehende Saison stehe ein Einreiseverbot für die Saisonkräfte im Raum. „Es ist möglich, dass sich die Szenarien aus dem Vorjahr wiederholen“, so Ramminger die in diesem Zusammenhang zu verstehen gibt: „Wir haben nun aber den Plan B aus dem Vorjahr in der Schublade.“

Neben Corona erschwerten viele andere Probleme das Leben der Landwirte in der Altmark. „Ich mache mir beispielsweise Sorgen um unsere Milchviehbetriebe“, spricht Ramminger eines an. Das anhaltende Preistief zwinge immer mehr Landwirte, ihre Ställe zu räumen. Die Kreisbauernverbands-Geschäftsführerin schätzt, dass „in der Wiege der Rinderzucht“, seit 2018 sich mindestens ein Drittel der Unternehmen von den Kühen trennte. Selbst einstige Vorzeigebetriebe hätten das Handtuch geworfen. Die Altmark, als Grünlandgebiet prädestiniert für die Viehzucht, könne schon jetzt als vieharm bezeichnet werden.

In den Schweineställen stauen sich dagegen die Tiere. In der nachgelagerten Branche wütete Corona, die Schlachtbetriebe kommen mit der Verarbeitung nicht hinterher. Nach dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest im benachbarten Brandenburg fiel außerdem China als Großabnehmer weg. Die anfänglich guten Preise erlebten eine Talfahrt, die Schweineerzeuger können ihre Kosten nicht mehr decken. „Ein Betrieb aus der Region trennt sich bereits von den Sauen“, weiß Ramminger.

Schweinepest beschäftigt Bauern

Die Schweinepest bewegt die Bauern des Kreises aber auch aus anderen Gründen. „Der Kelch wird nicht an uns vorübergehen“, macht sie klar, dass es nur eine Frage der Zeit sei, dass die Seuche die Grenzen Sachsen-Anhalts überschreitet und den Landkreis Stendal erreicht. Von Seiten der Politik würden sich die Bauern aber im Stich gelassen fühlen. „Wir lesen immer wieder, dass Ministerium ist zu 100 Prozent vorbereitet.“ Es könne aber die Flut der Fragen aus den Landkreisen nicht beantworten. Es reiche nicht aus, im Ernstfall einen Zaun aufzustellen, es fehle das Szenario. Was passiere mit den Schweinen, die sich in einem Schutzgebiet befinden? Wie komme die Milch da raus? Wie laufe die Bewirtschaftung der Flächen ab? Dies seien Beispiele für Fragen, auf die sich die Bauern eine Antwort erhoffen würden.

Geplante Einschränkungen durch neue Verordnungen für den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln und damit vorgezeichnete Ertragseinbußen waren weitere Themen, die deutschlandweit die Bauern bewegten. Speziell in der östlichen Altmark sorgte ein anderes Papier für Unmut. „Ich war satt, als ich das Kreisentwicklungskonzept gelesen hatte“, so Ramminger. „Wir sind laut Regionalmonitor 2019 die größte Agrar-Region Sachsen-Anhalts. Im Kreisentwicklungskonzept sind wir schlicht vergessen worden, Ein bisschen Regional, der Rest ist Naturschutz und Bio. Das sind wir nicht und das wollen wir so auch nicht stehen lassen“, kritisiert sie den Inhalt.

14 Seiten beschrieb Ramminger mit einer Stellungnahme des Kreisbauernverbandes. Sie habe klargestellt, was Landwirtschaft in der Region brauche und wo es hingehen könnte. Das Ergebnis: „Die Landwirtschaft soll in der Endfassung des Kreisentwicklungskonzeptes einen eigenen Komplex erhalten“, nennt sie den Erfolg.