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Theater der AltmarkLindgren-Stück in Stendal: Karlsson kommt mit flotter Musik vom Dach

Das Theater der Altmark zeigt „Karlsson vom Dach“. Die Geschichte von Astrid Lindgren punktet in der Stendalerr Inszenierung mit eigens dafür komponierten Liedern.

Von DONALD LYKO 14.11.2023, 08:00
Karlsson vom Dach (Tilo Werner) lässt sich das Fleischbällchen schmecken, das Lillebror (Oscar Seyfert) vom Abendessen abgezweigt hat.
Karlsson vom Dach (Tilo Werner) lässt sich das Fleischbällchen schmecken, das Lillebror (Oscar Seyfert) vom Abendessen abgezweigt hat. Foto: NILZ BÖHME

STENDAL - Es ist mal wieder so ein Abend, wie ihn Lillebror viel zu oft erleben muss: Die Eltern hören nicht richtig zu, haben keine Zeit. Die älteren Geschwister sind unterwegs oder mit anderen Dingen beschäftigt. Lillebror fühlt sich in seiner Familie einsam. Ach, wenn er doch nur endlich einen Hund geschenkt bekommen würde.

Der Wunsch nach Gesellschaft geht recht bald in Erfüllung – nur etwas anders als gedacht. Statt eines kuscheligen Vierbeiners landet ein Zweibeiner in Lillebrors Zimmer – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Karlsson, der Mann mit dem Propeller auf dem Rücken, landet im Reich des Jungen – und schon ist dessen Alltag turbulent statt trist, wird die Langeweile von Gesprächen und Abenteuern abgelöst.

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Erzählt werden sie in „Karlsson vom Dach“, dem diesjährigen Familien-Weihnachtsstückes am Theater der Altmark in Stendal. Erzählt werden sie in der Bühnenfassung, die Christian Schönfelder nach der Geschichte von Astrid Lindgren geschrieben hat. Erzählt werden sie mit zeitgemäßer Musik (Achtung: Ohrwurm-Warnung!), die eigens für die Stendaler Inszenierung geschrieben wurde. Die Melodien der acht Lieder hat der Ungar Levente Gulyás komponiert. Wer die Musik immer wieder hören möchte: In Kürze gibt es sie auf einem USB-Stick, erhältlich an der Theaterkasse.

Beim Blick in die Familie wird Aktualität sichtbar

Die Liedtexte stammen von Kerstin Slawek, die Mitglied im TdA-Schauspielensemble ist. Ebenso wie Patricia Hachtel, die „Karlsson vom Dach“ in Stendal inszeniert hat. Daumen hoch für beide Damen und das künstlerische Potenzial, das im Ensemble steckt – und für das „Karlsson“ ein weiteres sehenswertes Beispiel ist. Patricia Hachtel hat ein Familienstück inszeniert, das mit seinem Blick hinein in die Familie den rund 70 Jahre alten Lindgren-Stoff in seiner Aktualität wirken lässt. Trotz straffer Handlung gibt sie den vier Akteuren auf der Bühne Raum und Zeit, mit ruhigen Momenten ihre Geschichte zu erzählen – um nur wenig später so richtig aufzudrehen.

Mit einer zweistöckigen Spielfläche hat Ausstatterin Sofia Mazzoni dafür ein funktionales Bühnenbild geschaffen, das Platz für die Wohnung der Familie, für Karlssons Wohnung hinter einem Schornstein und für den Spaziergang bietet, den Lillebror mit seinem neuen Freund über die Dächer der Stadt unternimmt.

Neuer Freund? Nun, ein bisschen anders stellt man sich einen Freund ja vor. Karlsson ist selbstverliebt. Er lügt, prahlt und verlangt für Freundschaftsdienste Geschenke, Geld und Süßigkeiten. Er ist egoistisch, rechthaberisch und unzuverlässig und findet immer eine Ausrede. Er sieht sich bei allen Dingen des Lebens als den Besten darin. Geht mal was schief, wischt er es mit seinem Markenspruch vom Tisch: „Das stört doch keinen großen Geist.“ Wünscht man sich einen solchen Freund?

Ein unsympathischer Aufschneider und dennoch Freund

Tilo Werner gelingt in seiner Karlsson-Darstellung der Spagat, diesen unsympathischen Aufschneider und Angeber als solchen zu zeigen, ohne die Sympathien wirklich zu verspielen. Denn am Ende hilft er Lillebror, mutiger zu werden, selbstbewusster seinen Platz im Leben zu finden und zu behaupten. Diese Wandlung vollzieht Oscar Seyfert in seiner einfühlsamen Darstellung. Er zeigt den Siebenjährigen in seinen verletzlichen Momenten der Einsamkeit und Furcht ebenso glaubwürdig wie abenteuerlustig auf dem Dach. Josephine Behrens und Fynn Zinapold komplettieren das Quartett. Sie sind als Eltern, Geschwister, Einbrecher, Feuerwehrmann und Schwester-Freund Pelle zu sehen. Ein Extra-Applaus für die sehr schnellen Kostüm- und Perückenwechsel, die das Tempo im Stück hochhalten.

Ein Stück, das in den kommenden Wochen vor allem vormittags für Kita-Gruppen und Schulklassen gezeigt wird (ab fünf Jahren). Ein Stück, das neben kurzweiliger Unterhaltung den Zuschauern einiges mit auf den Heim- und Lebensweg gibt. Sehr gut zusammengefasst im Schlusssong und in dessen Botschaft, dass im Leben auch mal etwas schiefgeht. Der gesungene Tipp von der Bühne: Einfach darüber lachen und sagen: „Das stört doch keinen großen Geist.“

Die Schulvorstellungen sind für das reguläre Publikum geöffnet. Familienvorstellungen gibt es am 17. Dezember 2023 (11 Uhr), am 24. Dezember 2023 (10.30 Uhr) und am 25. Dezember 2023 (16 Uhr).