Stendal l Am Donnerstag der vergangenen Woche waren die Arbeitsbedingungen in der Stendaler Kreissparkasse, um die es nicht gut bestellt sein soll, Thema im Kreistag. Landrat Carsten Wulfänger (CDU) kündigte an, dass sich der Verwaltungsrat der Kreissparkasse, dessen Vorsitzender er ist, während seiner Sitzung im Juli mit diesem Thema befassen wird. Und das, obwohl Personalangelegenheiten Sache des Vorstandes und nicht des Verwaltungsrats der Sparkasse seien.

Durch Zufall erfahren

Dass das Arbeitsklima in dem Geldinstitut nicht gut sein soll, erfuhr Katrin Behrens, als Gewerkschaftssekretärin im verdi-Bezirk Sachsen-Anhalt Nord für die Firmen im Finanzdienstleistungsbereich zuständig, eher per Zufall. Besuche in Unternehmen, in denen sie die Gewerkschaftsmitglieder betreut, verbindet Behrens immer mit einem Gesprächsangebot an alle.

Verdi-Vertreterin wurde hellhörig

Doch bei jenem Besuch in Stendal bei der Sparkasse war es anders. Die wenigen Kollegen, die mit Katrin Behrens sprachen, signalisierten: Viele werden nicht kommen. Aus Angst davor, dass die Geschäftsführung davon erfahren und dass dann Konsequenzen für ihren Arbeitsplatz haben könnte. Das ließ die verdi-Frau Behrens hellhörig werden und nachhaken. Sie lud zu einer Mitgliederversammlung ein. „Wir saßen da in einem recht kleinen Kreis“, erinnert sich Behrens.

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Unzumutbarkeiten

Gern hätte sie sich für noch mehr Kollegen eingesetzt, doch das könne sie nur, wenn die auch mit ihr reden würden, ihr ihre Situation schildern, sagt die Gewerkschaftssekretärin. Wie auch immer: Das, was Behrens aus den wenigen Gesprächen an Einzelfall-Ereignissen hörte, empfand sie als für die Kollegen unzumutbar. Von Angeboten der Geschäftsführung an Mitarbeiter, aus der Vollzeit- in die Teilzeitarbeit zu wechseln, war die Rede. Von Druck, der auf die Mitarbeiter ausgeübt würde, von Versetzungen in weiter entfernte Orte, deren Sinn sich den dorthin versetzten Mitarbeitern nicht erschließe, zumal auch aus diesen Orten Mitarbeiter in andere Bereiche oder Orte versetzt worden seien.

Treffen dauerte fast vier Stunden

Nach Informationen der Volksstimme sollen Mitarbeiter, die zum Beispiel Angebote wie das vorzeitige Ausscheiden aus dem Unternehmen mit einer Abfindung ablehnten, in einen anderen Arbeitsbereich in einem fensterlosen Kellerraum versetzt worden sein, ohne dass ihnen eine Aufgabe zugewiesen wurde. Der Raum sei inzwischen ein anderer, die Situation für die Kollegen nicht. Die meisten dieser Informationen kann Katrin Behrens aus den Gesprächen mit Gewerkschaftsmitgliedern bestätigen. Genug für sie, um sich um einen Gespräch mit dem Personalrat zu bemühen. Das hatte sie am gestrigen Donnerstag in der Stendaler Kreissparkasse. Ein Gespräch, das fast vier Stunden bis in den Nachmittag dauerte. Zum Inhalt und dem Ausgang des Treffens wollte Behrens sich vorerst nicht äußern.

Achereiner konnte Termin nicht einhalten

Ein ebenfalls für Donnerstag vereinbartes Gespräch zwischen der Verdi-Vertreterin und Sparkassen-Chef Jörg Achereiner ist nicht zustande gekommen, weil der Sparkassen-Chef nach eigenen Angaben mit kurzer Verspätung aufgrund des Unwetters im Haus eingetroffen war. Das Gespräch sei für 15 Uhr terminiert gewesen, heißt es in einer Presseerklärung. „Verdi hatte aber bereits um 15.15 Uhr die KSK ohne Ankündigung verlassen.“ Die Bank sei weiter offen für Gespräche.

Veränderungen im Hause

Nach Angaben der Kreissparkasse gebe es aus Kostengründen Veränderungen im Hause, die bereits im November 2016 angekündigt worden seien. Es habe in 92 Prozent der Fälle „einvernehmliche Einigungen“ gegeben. Beim Altersmodell habe es eine Zufriedenheit von 96 Prozent gegeben.