Stendal l Für den Fraktionsvorsitzenden von CDU/Landgemeinden, Hardy Peter Güssau, war die Sache im Haupt- und Personalausschuss klar. „Plane drüber, Seil drum“, sagte er und lehnte damit die finanzielle Nachforderung für den Neubau des Winckelmann-Museums ab. Damit stand er nicht allein da, auch die weiteren Ausschussmitglieder seiner Fraktion sowie von SPD und Grünen votierten dagegen. Das Abstimmungsergebnis lautete 7:2, nur die beiden Ausschussmitglieder der Linken sprachen sich – wenn auch mit Bedenken – für den finanziellen Nachschlag aus. Die endgültige Entscheidung trifft der Stadtrat am Montag. Nun hat sich der Präsident der Winckelmann-Gesellschaft, Prof. Max Kunze, mit einem Brandbrief an die Mitglieder gewandt, in dem er auf die prekäre Situation aufmerksam macht, das ganze Projekt gefährdet sieht und um Spenden bittet.

Leidensgeschichte

Er greift das Güssau-Zitat auf, sagt, dass ein Baustopp nicht zu akzeptieren wäre. Er räumt ein, dass der Stadtrat am 15. Oktober über den zweiten Nachtrag zu entscheiden habe. Insgesamt beläuft der sich auf 495.000 Euro. Allerdings seien von der Stadt nur zehn Prozent, also 49.500 Euro zu zahlen, das Magdeburger Wirtschaftsministerium werde rund 450.000 Euro für den Nachtrag durch die Investitionsbank absichern.

Das Gesamtprojekt für den Bau, mit 2,3 Millionen veranschlagt, sei dazu gedacht, in einer strukturschwachen Region ein Zeichen zu setzen, das Wirtschaftsministerium sei mit einer 90-prozentigen Förderung dabei. Diese solle dabei helfen, Kultur und Tourismus nachhaltig in Gang zu setzen. Deshalb seien Winckelmann- Museum und -Gesellschaft auch regelmäßig auf der Internationale Tourismusbörse in Berlin mit einem Stand vertreten.

Bilder

Auch für die Winckelmann-Gesellschaft seien die baubedingten Verzögerungen der Eröffnung und die finanziellen Mehrbelastungen eine „Leidensgeschichte“. „Wir sind nicht Bauträger, nur Mieter, und es steht uns nicht an, mögliche Fehler im Bauablauf zu kommentieren“, so Kunze in dem Schreiben. Ein Baustopp wegen knapp 50.000 Euro könne aber keine Lösung sein.

Die wichtigsten Ausstellungen stünden durch die von der Winckelmann-Gesellschaft eingeworbenen Mittel von rund 1,3 Millionen Euro bereits vor der Fertigstellung. Sie würden durch einen Baustopp in den Sand gesetzt, Geld müsste teilweise zurückgezahlt werden. Das großzügige Pilotprojekt der Landesregierung würde zusammenbrechen.

10.000 Euro sind bereits eingegangen

Die Winckelmann-Gesellschaft habe seit der Übernahme vor 18 Jahren das Museum zu einem wichtigen Kultur- und Bildungsträger in Stendal ausgebaut. Zwei Drittel der jährlich bis auf 13.000 gestiegenen Besucher seien Kinder- und Jugendliche. Mit vielen Schulen, Gymnasien, Realschulen, Berufsschulen und der Volkshochschule seien über die Jahrzehnte Kooperationsvereinbarungen getroffen, gemeinsame Projekte aufgebaut worden, insbesondere mit der Hochschule Magdeburg-Stendal. Die mit der Hochschule veranstaltete Kinder-Uni erfreue sich großer Beliebtheit. Dabei gehe es auch darum, Kinder aus bildungsferneren Schichten an Kultur und Wissenschaft heranzuführen.

An der Basis, im „Kleinen“, drohe die politische Forderung der großen Volksparteien nach besserer Bildung und kultureller Integration zu scheitern, so Kunze. Man müsse wohl selbst das Heft in die Hand nehmen. Und dies tut Kunze mit einem Spendenaufruf. Der Verleger Franz Philipp Rutzen habe als Reaktion auf den Zeitungsartikel bereits 10.000 Euro als Spende gezeichnet.

„Helfen Sie uns, den Baustopp zu verhindern, das fehlende Geld aufzubringen, das einige der Parteien im Stendaler Stadtrat nicht geben wollen“, appelliert Kunze an die Mitglieder. Und er sichert zu: „Sollte das Geld dafür nicht gebraucht werden, geht es wieder an Sie zurück.“