Arneburg/Tangermünde l „Es ist ein großes Projekt, das man auch gut in Etappen fahren kann": Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) zeigte sich nach der Projekt-Präsentation der in Essen ansässigen Fakt AG beeindruckt vom Vorbereitungsstand. In Tangermünde hatte er sich am Freitagvormitag mit Vertretern der Projektentwickler, der Energiekonzerne RWE und E.on und den Bürgermeistern Lothar Riedinger (CDU, Arneburg) und Jürgen Pyrdok (parteilos, Tangermünde) getroffen – gewissermaßen, um den bislang im Verborgenen gediehenen Vorbereitungen ganz offiziell die Unterstützung des Landes zu versichern. Am Donnerstag hatte der Fakt-Aufsichtsrat grünes Licht für das insgesamt bis zu 350 Millionen Euro „schwere" Vorhaben gegeben.

Arneburg: Spatenstich Mitte 2021?

Schon in den nächsten Tagen, so Haseloff gegenüber der Volksstimme, soll der Notar-Termin für die Grundstücksübertragung von Noch-Eigentümer RWE auf die Fakt AG stattfinden. Insgesamt ist eine Fläche von 160 Hektar im Gespräch. Für Oktober will der Ministerpräsident zu einer nächsten Runde in die Staatskanzlei einladen, an der die zuständigen Minister und Vorstandsvertreter der Fakt AG teilnehmen, um die weiteren Planungsschritte, die Finanzierung und Fördermöglichkeiten zu besprechen. Das vorgestellte Vorhaben „kann ein Konzept sein, das wirklich funktioniert", fasste Reiner Haseloff seinen Eindruck nach der Präsentation zusammen. Die strategisch gute Lage des Areals biete gute Chancen zu seiner Belebung.

Das Ganze „macht einen sehr, sehr guten Eindruck", betonte der Ministerpräsident und ergänzte, dass der Standort Arneburg für die Fakt AG ohne den Bau der A 14 nie in Frage gekommen wäre.

Ungarn ist Blaupause für Arneburg

Die Essener, die „die Revitalisierung von geeigneten Gewerbeimmobilien" sowie Aktivitäten auf dem Wohnungsbausektor als ihr Kernsegment bezeichnen, treiben ein ähnliches, mit rund 400 Hektar deutlich größeres Projekt bereits in Ungarn voran. In Arneburg soll eine kleinere Version entstehen, kündigte Hubert Schulte-Kemper, Vorstandsvorsitzender der Fakt AG an. Weil die Planungen von dort als Art Blaupause für Arneburg genutzt werden können, sieht Schulte-Kemper eine zügige Umsetzung als realistisch an. „Ich glaube, dass wir sehr, sehr schnell kommen."

Er zeigte sich optimistisch, dass bis Mitte 2021 der Spatenstich für das erste Vorhaben gefeiert werden kann – für einen 40 Hektar großen Gewächshauskomplex, in dem mit Abwärme aus dem benachbarten Mercer-Zellstoffwerk Bio-Gemüse angebaut werden soll. Diese energetischen Synergien machen für Haseloff in Zeiten der Klimaschutz-Debatte einen wichtigen Pluspunkt aus.

40.000 Tonnen Co2 sparen

Diesen Aspekt strich auch Landrat Patrick Puhlmann (SPD) gegenüber der Volksstimme heraus – bisher gehe die Abwärme des Zellstoffwerks ungenutzt verloren.  Nach Angaben von Mercer ist es möglich, allein mit Hilfe der Gewächshaus-Heizung aus Abwärme jährlich 40.000 Tonnen Co2-Ausstoß zu vermeiden..

Dass etwas in Sachen Energienutzung „in der Pipeline" ist, war bereits im Juni beim Antrittsbesuch Puhlmanns bei Mercer durchgeklungen – damals  aber wollten sich die Beteiligten noch nicht detaillierter äußern.

Weitere Teilprojekte für Arneburg

Später sollen weitere Teilprojekte folgen, unter anderem eine Onshore-Zuchtanlage für Meeresfische sowie eine Pilzzucht, ein Verpackungswerk sowie in Arneburg ein Hotel sowie mehrere Wohnhäuser für Mitarbeiter, die in der östlichen Altmark eine neue Heimat finden können. Immerhin sollen zwischen 240 und 300 neue Arbeitsplätze entstehen. Gesamt-Investitionssumme: rund 350 Millionen Euro.

„Arbeiten und Wohnen gehören zusammen", erklärte Schulte-Kemper das umfassende Projekt. Ein familiengerechter, sozialer Wohnungsbau „ist eine Herzensangelegenheit von mir". Davon werde nicht nur Arneburg profitieren, ist er sich sicher, sondern auch die Nachbarstadt Tangermünde. Die haben sich die Fakt-Vertreter bereits am Donnerstag bei einem Stadtrundgang mit Bürgermeister Jürgen Pyrdok (parteilos) angeschaut.

Die Freude über die geplante Millionen-Investition stand auch Arneburgs Bürgermeister Lothar Riedinger (CDU) ins Gesicht geschrieben. Kein Wunder: „Wir haben jahrelang gebaggert, die ersten Gespräche hat es vor zweieinhalb Jahren gegeben." Übrigens sei sichergestellt, dass spätere Gewerbesteuern nach Arneburg fließen – und nicht nach Essen.