Stendal l Die Corona-Situation im Landkreis Stendal spitzt sich weiter zu. Dabei setzen die steigenden Fallzahlen das Gesundheitsamt immer stärker unter Druck, wie Landrat Patrick Puhlmann (SPD) bei einer Pressekonferenz am Donnerstag im Landratsamt unumwunden zugab. Insbesondere die Nachverfolgung von Kontaktpersonen und die Verordnung von Quarantäne bereite Probleme. Das Amt sei aufgrund personeller Probleme kaum mehr in der Lage, dieser Aufgabe vollumfänglich nachzukommen. „Die Zahl der Mitarbeiter kurzfristig zu erhöhen, fällt uns leider sehr schwer“, sagte der Landrat. Man habe bei Bundes-und Landesbehörden nach zusätzlichem Personal ersucht.

Derzeit wird das Gesundheitsamt von sieben Bundeswehrsoldaten unterstützt. Diese kümmern sich vorrangig um die Ermittlung der Kontaktpersonen und nehmen auch Abstriche vor. „Sie sind bei der täglichen Arbeit unersätzlich“, sagte Amtsärztin Iris Schubert. Seit etwa drei Monaten sei die Bundeswehr zur Hilfe im Gesundheitsamt. Bei der täglichen Arbeit in den vergangenen Tagen gab es für die Mitarbeiter zudem technische Schwierigkeiten: Es hätte einen Server-Ausfall gegeben.

Container-Teststation kommt nach Stendal

In der vergangenen Woche waren die Fallzahlen nach einer Familienfeier in Stendal in die Höhe geschnellt. Innerhalb von wenigen Tagen verzeichnete das Gesundheitsamt fast 70 Neuinfektionen. „Es handelte sich dabei um eine Hochzeit“, präzisierte Patrick Puhlmann. Nach Angaben der Amtsärztin mussten sich im Nachgang 400 Personen in Quarantäne begeben. Insgesamt liegt die Zahl bei 650 Personen.

Auch die Problematik der Testungen rückt weiter in den Vordergrund. Insbesondere die Frage, wer auf das Coronavirus getestet werden soll. Hintergrund ist der Umstand, dass die Labore mit der Auswertung zunehmend überlastet seien und ihrerseits an Kapazitätsgrenzen stießen, wie die Amtsäzrtin bei der Pressekonferenz Auskunft gab. Das Gesundheitsamt gehe deshalb dazu über, nach Notwendigkeit und Indikation zu priorisieren: „Jeden abzustreichen, das schaffen wir nicht mehr.“ Wunschabstriche werde es nicht mehr geben. Bei Symptomen solle man sich wie gewohnt an den Hausarzt wenden.

Vorrangig würden vom Gesundheitsamt deshalb nur noch Kontaktpersonen abgestrichen werden, bei denen es um die Indexsuche geht und Kontaktpersonen, die in der Quarantäne Symptome aufweisen. Im Landkreis sind derzeit drei mobile Testteams unterwegs, die im Durchschnitt täglich 50 Abstriche vornehmen.

Landrat verteidigt Entscheidung

Erleichterung könnte in den nächsten Wochen eine Container-Teststation bringen. Diese möchte der Stendaler Laborarzt Hauke Walter in Zusammenarbeit mit einem Hamburger Labor in Stendal einrichten. Dort könnten Menschen, die unter den derzeitigen Umständen nicht vom Gesundheitsamt abgestrichen werden, einen Coronatest machen lassen. „Es soll den Menschen eine Perspektive geben und wäre auch deutlich kostengünstiger als bisher“, sagt Iris Schubert.

Während der Pressekonferenz verteidigte Patrick Puhlmann außerdem die Entscheidung, schon am vergangenen Wochenende die Personenzahl bei öffentlichen Veranstaltungen vor Beginn des Lockdowns auf 25 zu begrenzen. Sie sei am Freitag vor dem Hintergrund der steil ansteigenden Infektionszahlen gefallen. „Es war klar, dass das Virus verbreitet ist und wir reagieren mussten.“ Zumal mehrere Veranstaltungen mit bis zu hundert Teilnehmern geplant gewesen seien. „Uns ist bewusst, dass es eine harte Entscheidung war. Trotzdem war sie unumgänglich“, sagte der Landrat.