Stendal l Erst flüchtete sie aus einem noch unbekannten Heim, dann kam sie kurzzeitig bei einer Mitarbeiterin des Tiergartens unter. Nun bleibt die Vogelspinne, die am Wochenende von der Stendaler Feuerwehr geborgen wurde, erstmal für unbestimmte Zeit im Tiergarten.

Das Tier verursachte am Samstag, den 10. August den 200. Stendaler Wehreinsatz in diesem Jahr (Volksstimme berichtete). Kurz vor 19 Uhr rückte die Feuerwehr wegen einer Rotknie-Vogelspinne aus – eine Art, die normalerweise in südmexikanischen Trockenwäldern und -savannen lebt.

Dieses deutsche Exemplar wurde in der Clara-Zetkin-Straße an einer Hauswand entdeckt. Dort konnte sie in einer Kiste gefangen und in den Tiergarten gebracht werden, aus dem sie zunächst eine Mitarbeiterin mit zu sich nach Hause nahm.

Seit Montag lebt die Spinne nun direkt im Tiergarten in einem Terrarium abseits der öffentlichen Gehege. Hier wird sie bleiben, bis die Mindestwartefrist verstrichen ist oder sich ein Besitzer meldet.

„Ich habe das mal nachgesehen, Vogelspinnen sind recht teuer“, erklärt Tiergartenleiterin Anne-Katrin Schulze, warum sich das für die Tierhalter lohnen dürfte. Dass tatsächlich jemand Anspruch auf die Vogelspinne erhebt, erwartet sie allerdings nicht.

Abholfrist beträgt sechs Monate

Ihr neues Heim musste recht kurzfristig aufgebaut werden, das Nötigste ist aber drin: eine Wärmequelle, etwas Wasser und eine Kiste, in die sich das Tier zurückziehen kann. Bis jetzt verhält es sich sehr ruhig und „hängt viel an den Wänden“, so Schulze.

Möglicherweise wird der Glaskasten aber noch ausgetauscht, genug Zeit bestünde dafür ja. Denn die Vogelspinne muss für mindestens sechs Monate im Tiergarten bleiben, sollten sich ihr Besitzer vorher nicht zu erkennen geben. Was dann mit ihr passiert, ist noch offen.

Schulze wäre nach Ablauf der Frist berechtigt, sie weiterzugeben. Ordnungsamt und Tierheim sind benachrichtigt, und auch im Tiergarten hängt eine Meldung für die rechtmäßigen Besitzer aus.

Leguan, Kaiman und Pfau als Kurzzeitgäste

Der Tiergarten hat neben seinen Dauergästen schon häufig Exemplare untergebracht, die in Stendal oder Umgebung aufgegriffen wurden. „Dieses Jahr war aber besonders schlimm“, gibt Schulze an, die unter den vielen Tieren auch einige exotische annahm. Etwa einen Leguan oder einen beschlagnahmter Kaimanen (Unterart der Alligatoren).

Auch ein Pfau gehörte zu den Kurzzeitgästen – in diesem Fall ein besonders kurzer, da er schnell wieder ausbüxte und dann auf eigene Faust durch Stendal zog.