Stendal l Wer sich mit Glas beschäftigt, hat es mit einem ambivalenten Wesen zu tun: Glas kann robust sein und stark, aber auch fein und zart. Glas kann nüchtern-zweckmäßig daherkommen, aber auch schmuckvoll-zierend. Glas ist starr, aber auch formbar. Glas kann verletzen und ist doch selbst so verletzlich. Glas, so scheint es, sollte man nicht unterschätzen – und es respektvoll behandeln.

So vielfältig die Eigenschaften von Glas sind, so vielfältig sind auch seine Verwendungsmöglichkeiten. Die zählt Glasermeister Jörg Helmeke begeistert auf: „Wir bauen Duschwände und Türen, Büros aus Glas, Schaufenster, Glasdächer, Spiegel und Vitrinen, Balkonbrüstungen und Tischplatten. Und in der Corona-Zeit auch Hygieneschutzwände für Verwaltung, Apotheken und Tankstellen.“ Dieses Spektrum nun ist Ausdruck des Wandels eines Betriebes, dessen Ursprung in den 1970ern liegt.

Mit Bleiverglasung fing's an

Damals nämlich ging es vor allem um Bleiverglasung und Spiegelbau. Das macht die Glaserei zwar auch heute noch, aber inzwischen seien die Kirchenfenster ringsum restauriert, sagt Helmeke. „Und eine gute Bleiverglasung hält hundert Jahre.“ Insofern war es wohl nur gut, dass sein Vater, Firmengründer Gerhard Helmeke, nach der Wende den Bilderrahmenbau und Kunsthandel dazunahm.

Bilder

Seit 1. Mai 2001 führt Sohn Jörg den Familienbetrieb in zweiter, und wohl auch letzter, Generation. Die beiden Kinder haben andere Berufe für sich entdeckt, der Sohn ist Sänger, die Tochter Hebamme. Das Geschäft in der Marienkirchstraße hält im Wesentlichen seine Frau Christiane Helmeke am Laufen. Sie gehört genauso zum Unternehmen wie der zweite Glaser: Bernd Neufink. Auch er ist Meister, aber kein zweiter Chef.

Beim Vater gelernt

Unser Gespräch über die Geschicke der Glaserei findet an symbolträchtiger Stelle statt, unbeabsichtigt. „Da, wo Sie grad sitzen“, sagt Helmeke prompt, „da fing alles an. Bis dahin ging damals die Werkstatt.“ Auch wenn es etwas seltsam ist, dass er dann jetzt, wegen des Corona-Abstands weiter weg, quasi draußen sitzt.

Hier also, in der Michaelstraße 6, nahm 1976 ein Handwerksbetrieb als kleine private Feierabendwerkstatt seinen Anfang. Im Juni 1980 machte sich Gerhard Helmeke mit Glasgestaltung selbstständig, eröffnete zudem in der Brüderstraße ein Geschäft für Spiegel. Sohn Jörg stieg nach seiner Lehre als Maschinen- und Anlagenmonteur im Betrieb ein, qualifizierte sich zum Glaser, bekam 1989 seinen Meisterbrief.

Spuren in Stendal

In Stendal hat die Glaserei Helmeke schon viele Spuren hinterlassen... Welche das sind und wie die Kunst mit ins Glaserhandwerk hineinspielt, lesen Sie in der gedruckten Volksstimme vom 12. Juni 2020 oder im E-Paper.