Tangerhütte l Der Stadtrat in Tangerhütte machte am Mittwochabend den Weg für eine gemeinsame Machbarkeitsstudie mit der Stadt Stendal frei, die Möglichkeiten für Errichtung, Entwicklung und Vermarktung eines Industriegebietes auf dem ehemals als Flughafen Buchholz geplanten Areal untersuchen soll. Einer entsprechenden Kooperationsvereinbarung, die als finanzielle Obergrenze beim Eigenanteil 17.000 Euro für Tangerhütte vorsieht, wurde mit 20 Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen zugestimmt.

Allerdings gab es auch Bedenkenträger. So sprach Ralf-Peter Bierstedt (SPD) eine Formulierung in der Vereinbarung an, die sich auf eine mögliche Änderung der Finanzierung bezieht. „17.000 Euro ist für unsere Einheitsgemeinde schon eine stolze Summe und es geht nur um eine Machbarkeitsstudie – nicht mehr und nicht weniger“, fand er.

Industriegebiet kostet viel Geld

Er sieht die Gefahr, dass weit mehr Geld nachgeschossen werden muss, wenn die derzeit anvisierten 145.000 Euro für die Untersuchung nicht ausreichen. Laut Planungen der Stadt Stendal rechnet man derzeit mit rund 80.000 Euro an Fördermitteln, Stendal würde wegen seines größeren Flächenanteils maximal 50.000 Euro vom Eigenanteil aufbringen, Tangerhütte maximal 17.000 Euro.

„Ich bitte darum, dieser Studie zuzustimmen. Es ist die Chance für uns, dass die A 14 nicht nur eine Straße bleibt, sondern dass wir mit Gewerbeansiedlungen etwas für unsere Einheitsemeinde tun können“, sagte Marcus Graubner (CDU).

Flächenversiegelung Problem für Landwirte

Michael Allmrodt (FDP), Stadtrat und Landwirt, sprach von zwei Herzen, die in seiner Brust schlügen. „Es ist eine Riesenchance für unsere Einheitsgemeinde, aber die großflächige Bodenversiegelung ist für die Landwirtschaft ein Problem.“ Allmrodt sprach von 60 Hektar landwirtschaftlicher Fläche, die in Deutschland aktuell pro Tag versiegelt würden, und davon, dass dies auch Auswirkungen auf den Kampf um Ackerland habe.

Daniel Wegener (WG Zukunft) plädierte für das Industriegebiet: „Wenn wir Steuereinnahmen haben wollen, müssen wir Möglicheiten für Ansiedlungen schaffen, um die Einheitsgemeinde voranzubringen.“

Fläche wird freigehalten

Edith Braun (WG Lüderitz), die auch Ortsbürgermeisterin in Lüderitz ist, erklärte mit Bezug zum einst dort geplanten Flughafen: „Ja, die Versiegelung ist ein Problem. Aber diese Fläche wird seit Anfang der 90er-Jahre für Industrieansiedlungen freigehalten. Wenn wir uns nicht für dieses Übel entscheiden, könnte dort ab 2023 der Windpark erweitert werden.“

Und auch ihr Fraktionskollege Karsten Paproth sprach sich deutlich für das „größte zusammenhängende Industriegebiet an der A 14“ aus.

Nach Einschätzung der Tangerhütter Verwaltung könnte das Industriegebiet zwischen Buchholz, Insel, Wittenmoor/Windberge und Lüderitz, für das nun die Machbarkeit untersucht werden soll, in seinem Ausmaß bundesweit einmalig sein.