Stendal l Die zahlreichen Besucher, die gestern das schöne Sommerwetter für einen Ferienausflug in den Stendaler Tiergarten genutzt haben, suchten das Gehege der Schneeeulen vergeblich nach den Tieren ab. Ab kommenden Montag haben sie wieder mehr Glück. „Wir haben die Schneeeulen kurzzeitig ausquartiert“, erklärt Tiergarten-Leiterin Anne-Katrin Schulze. Denn die Arbeiten auf dem angrenzenden Areal, auf dem das alte, in die Jahre gekommene Waldkauz-Gehege abgerissen wurde, und vor allem der Baulärm hätten Stress für das Schneeeulen-Paar und dessen Nachwuchs bedeutet. „Wir hatten Angst, dass die Schneeeulen ihre Jungen nicht mehr füttern“, so die Tiergarten-Leiterin. Darum zog die Eulenfamilie für einige Zeit in die Quarantänestation um.

Lotto gibt 33.000 Euro dazu

Bis es mit den Arbeiten für das neue Waldkauz-Gehege und der Erweiterung der Schneeeulen-Anlage losgeht, kehren die Eulen aber wieder zurück in ihre „Stammwohnung“. Die Finanzierung des Vorhabens ist gesichert, jetzt hänge der weitere Ablauf davon ab, wann die beauftragten Firmen Zeit haben, erklärte Uwe Donner, Vorsitzender des Vereins der Tiergartenfreunde Stendal. Der Verein hatte wie in den Vorjahren bei der Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt einen Förderantrag gestellt – und 33 000 Euro für das aktuelle Projekt bekommen, knapp die Hälfte der Gesamtinvestitionssumme. Es ist mittlerweile das siebte Vorhaben, für das Lotto-Toto Geld beigesteuert hat. Die Gesamtsumme der Zuschüsse belaufe sich auf mehr als 334.000 Euro, freut sich der Vereinsvorsitzende. Lotto Sachsen-Anhalt helfe gern den Zoos und Tiergärten im Land, versichert Lotto-Geschäftsführer Marko Ehlebe, denn: „Ein wesentlicher Bestandteil des Artenschutzes ist es, den Tieren eine naturnahe Umgebung zu ermöglichen, in der sie sich wohlfühlen und ausreichend Platz haben.“

Neubau in stabiler Stahlkonstruktion

Was wird nun konkret gemacht? Dort, wo schon die alte Waldkauz-Anlage aus den 1970er, 1980er Jahren stand, wird eine neue, rund 47 Quadratmeter große Anlage in stabiler Stahlkonstruktion errichtet. Der dort stehende Baum wird integriert. Derzeit lebt ein Waldkäuzchen im Stendaler Tiergarten, „es sollen dann noch drei oder vier hinzukommen“, kündigt Anne-Katrin Schulze an. Aus dem neuen Waldkauz-Gehege und dem benachbarten Gehege für die Schneeeulen soll eine Gemeinschaftsanlage werden. Sie werden dennoch weiterhin getrennt leben. „Denn die Schneeeulen sind tagaktiv und die Waldkäuzchen nachtaktiv“, erklärt die Tiergarten-Leiterin einen wichtigen Unterschied.

Zum Projekt gehört außerdem Graffiti-Kunst. Die Wände im hinteren Teil werden der jeweiligen Heimatlandschaft der Tiere gewidmet: der Tundra für die Schneeeulen und der europäischen Natur für die Waldkauze. Beide gehören zu den geschützten Arten.

Über eine Graffiti-Landschaftsgestaltung dürfen sich auch die Kapuzineräffchen freuen. Diese Arbeiten gehören ebenfalls zum Projekt.