Volksstimme: In der vergangenen Woche waren Sie Teil einer Delegation, die zusammen mit Verteidigungsministerin Annegret Kamp-Karrenbauer den Niger und Mali besuchten. Was führte Sie in diese Region?

Marcus Faber: Die Bundeswehr ist in beiden Ländern mit Soldaten präsent. Mein Hauptaugenmerk lag darauf, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Zu hören, wie sie ihre Lage im Land einschätzen, wie es um die Ausrüstung bestellt ist, woran es eventuell mangelt. Außerdem haben wir im Laufe der Reise Politiker aus dem Niger und Mali getroffen. Zum Beispiel den Premierminister des Nigers und Malis Verteidigungsminister.

Können Sie kurz die Sicherheitslage in den beiden Regionen erläutern?

Beide Länder leiden unter einer extrem schlechten Sicherheitslage. Sowohl Islamisten als auch die organisierte Kriminalität machen der Bevölkerung zu schaffen. Manchmal ist es schwer, das voneinander zu trennen. Hinzu kommen in Mali jahrhundertealte ethnische Konflikte, die wiederum von den Islamisten, meist Ableger des Islamischen Staates (IS) oder Al-Kaida, angeheizt werden. Insgesamt eine unübersichtliche Situation, die sich leider in den vergangenen Jahren verschlechtert hat. In manchen Gebieten der beiden Länder ist außerdem kaum Staatlichkeit vorhanden.

Wofür ist die Bundeswehr konkret zuständig?

In Mali ist sie Teil der UN-Mission MINUSMA. Die Soldaten nehmen dabei vor allem Aufgaben der Feindaufklärung vor. Sowohl aus der Luft, als auch am Boden. Die Ausbildung malischer Sicherheitskräfte übernimmt die Bundeswehr ebenfalls.

Von vielen Experten wird der Einsatz als der derzeit gefährlichste der Bundeswehr eingestuft. Teilen Sie diese Einschätzung?

Dem kann man auf jeden Fall zustimmen. Bislang sind über 200 Soldaten der UN-Mission ums Leben gekommen. MINUSMA ist einer der UN-Einsätze mit den höchsten Verlusten seit dem Korea-Krieg. In Mali ist es für die deutschen Soldaten definitiv gefährlicher als aktuell beispielsweise in Afghanistan. Das ist der Aufgabe geschuldet. Im Zuge der Aufklärung müssen wir die Stützpunkte verlassen. Damit steigt natürlich das Risiko, angegriffen zu werden erheblich.

Trotzdem ist das Engagement in der deutschen Öffentlichkeit kaum präsent. Woran liegt das?

Um wieder den Vergleich zu Afghanistan zu ziehen: Im Nachgang zu den Anschlägen vom 11. September 2001 war dieser Konflikt natürlich viel medienträchtiger. Da entstand automatisch mehr Aufmerksamkeit. Eine UN-Mission ist aus meiner Sicht außerdem weniger strittig als die Intervention in Afghanistan.

 

Was entgegnen Sie Gegnern der Auslandseinsätze, die meinen, dass die Bundeswehr in Mali nichts zu suchen hätte?

Es handelt sich, wie bereits erwähnt, um eine Friedensmission der Vereinten Nationen. Und als Teil der Weltgemeinschaft ist Deutschland verpflichtet, Verantwortung zu übernehmen. Zumal die malische Bevölkerung ohne Zweifel davon profitiert. Mal davon abgesehen würden wir es in Europa schnell merken, wenn die Region im Chaos versinken würde. Das Geschäft der Schlepperbanden würde wieder florieren, die Flüchtlingszahlen rapide steigen.

 

In den vergangenen Jahren war die mangelhafte Ausrüstung der Truppe immer wieder ein Thema. Ist die Bundeswehr den Anforderungen des Einsatzes überhaupt gewachsen?

Was das schwere Gerät angeht, mache ich mir keinerlei Sorgen. Die Einsatzfahrzeuge gehören zum Besten, was wir zu bieten haben. Ihren Auftrag können die Soldaten auf jeden Fall erfüllen. Andererseits ist es natürlich unbefriedigend, wenn jeder nur eine sehr begrenzte Anzahl an T-Shirts oder Hosen zur Verfügung hat. Bei Temperaturen von bis zu über 40 Grad in der Wüste sicherlich nachvollziehbar.

 

Im nächsten Jahr läuft das Mandat des Bundestages wieder aus. Würden Sie für eine Verlängerung stimmen?

Wird die Mission beendet, entstünde sofort eine sicherheitspolitische Leerstelle. Von daher ist es absolut sinnvoll, MINUSMA fortzusetzen. Das spricht dafür, für eine Verlängerung zu stimmen. Allerdings müsste die Sicherheit der deutschen Soldaten so gut wie möglich garantiert werden.