Industriekultur

Verein „Aus einem Guss“ kämpft in Tangerhütte fürs Industrie-Erbe

Mit der ehemaligen Modelltischlerei wollen die Mitglieder des Vereins „Aus einem Guss“ in Tangerhütte das industriegeschichtliche Erbe der jüngsten Stadt der Altmark wiederbeleben. Diese hat es sogar in die Endrunde des „Stadtumbau-Awards“ des Landes geschafft. Auf der Suche nach Unterstützung bei ihren Vorhaben hatte der Verein jetzt unter anderem den Landesmuseumsverband zu Gast.

Von Birgit Schulze
Frank Dreihaupt (2. von links) und Jan Bauditz (3. von links) vor der alten Modelltischlerei in Tangerhütte. Zu Gast waren Elisabeth Böhm (Landesmuseumsverband, von links), Rhoda Riccius (Staatskanzlei), Danny Könnicke (Geschäftsführer Landesmuseumsverband) und Hajo Neumann vom Technikmuseum Magdeburg.
Frank Dreihaupt (2. von links) und Jan Bauditz (3. von links) vor der alten Modelltischlerei in Tangerhütte. Zu Gast waren Elisabeth Böhm (Landesmuseumsverband, von links), Rhoda Riccius (Staatskanzlei), Danny Könnicke (Geschäftsführer Landesmuseumsverband) und Hajo Neumann vom Technikmuseum Magdeburg. Foto: Birgit Schulze

Tangerhütte - Der Verein „Aus einem Guss“ in Tangerhütte will einen neuen Anlauf für den Erhalt des industriehistorischen Erbes wagen und seine Ideen für die Nutzung etwa der einstigen Modelltischlerei noch einmal in den Stadtrat einbringen. Das sagte Vereinsvorsitzender Frank Dreihaupt jetzt bei einem Rundgang mit Fachleuten vom Landesmuseumsverband, dem Technikmuseum in Magdeburg und der Staatskanzlei (Abteilung Kultur).

Für eine Besonderheit zu werben, die Tangerhütte, im Gegensatz zu anderen früheren Industriestandorten, bis heute erhalten geblieben ist – das Ensemble aus Wohnen und Arbeiten aus der Zeit der Industrialisierung – darin wird der Verein „Aus einem Guss“ in Tangerhütte nicht müde.

Flächendenkmal aus Gießerei, Wohnen und Park

Das Ensemble aus den ersten Gießereihallen, der alten Modelltischlerei, früheren Meister- und Kutscherhäusern, dem Alten und Neuen Schloss und natürlich dem schönen Gartenträume-Stadtpark, der immer auch als Ausstellungsfläche für Produkte der Gießerei diente, bildet nicht nur ein Alleinstellungsmerkmal.

Die alte Modelltischlerei soll nach Ideen des Vereins „Aus einem Guss" zu einem neuen Veranstaltungsort werden.
Die alte Modelltischlerei soll nach Ideen des Vereins „Aus einem Guss" zu einem neuen Veranstaltungsort werden.
Foto: Birgit Schulze

Das Ganze sei auch als Flächendenkmal in diesem Umfang einzigartig, so Jan Bauditz, Vereinsmitglied und Denkmalpflegeplaner aus Berlin. „In Nordrhein-Westfalen etwa sind diese Zusammenhänge heute verschwunden“, erläutert er.

Immer wieder hatte der Verein in den vergangenen Jahren versucht, Projekte auf die Beine zu stellen, die den Erhalt vor allem der historischen Industriehallen als Ausgangspunkt der Industrialisierung und der Entwicklung zur Stadt möglich machen würden.

Vor vier Jahren habe der Verein ein Nutzungskonzept erstellen lassen, das bisher im Stadtrat aber nicht vorgestellt wurde, führt Bauditz im Rahmen des Rundgangs aus. Ein Landesstrategiepapier, das im vergangenen Jahr im Landtag noch mal bestätigt worden war, gibt dem Verein jetzt neuen Auftrieb.

Kunstgusspavillon bekam 1889 eine Goldmedaille

Gemeinsam mit dem Tangerhütter Vereinsvorsitzenden Frank Dreihaupt führte Bauditz eine Kommission aus Vertretern des Landesmuseumsverbandes, des Technikmuseums und der Staatskanzlei (Abteilung Kultur) durch eben dieses Flächendenkmal in Tangerhütte. Die Fachleute, von denen sich Dreihaupt Unterstützung bei der Suche nach Fördermitteln für den Erhalt der historischen Bausubstanz erhofft, zeigten sich von der Bandbreite der historischen Gebäude und dem Park beeindruckt.

Der Kunstgusspavillon im Tangerhütter Stadtpark.
Der Kunstgusspavillon im Tangerhütter Stadtpark.
Foto: Birgit Schulze

Der Kunstgusspavillon, der 1889 auf der Pariser Weltausstellung eine Goldmedaille erhalten hatte, faszinierte mit seinen Details ebenso wie die vielen verspielten Elemente im Neuen Schloss. Auch das Deckelvasenrondell und der künstliche Wasserfall im Park bis hin zum Mausoleum standen auf der Besichtigungstour.

Bauditz wies auf viele Details hin, etwa die unterschiedlichen Fensterelemente in den Industriehallen. Die seien auch gleich als Verkaufsausstellung konzipiert worden, um zu zeigen, welche Modelle gefertigt werden können, berichtete er.

In der ehemaligen Modelltischlerei des Gießereistandorts begann der Ausflug in die Tangerhütter Industriegeschichte. Das Gebäude, das im Gegensatz zu den gegenüberliegenden Industriehallen noch in einem recht guten baulichen Zustand ist, sei auch in der Endrunde des diesjährigen Stadtumbau-Awards für Sachsen-Anhalt, der 2021 unter dem Motto „Industriekultur steht“, berichtete Bauditz.

Modelltischlerei im Stadtumbau-Award dabei

Ausgelobt wird dieser Award vom Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr und dem Kompetenzzentrum Stadtumbau, um herausragende Stadtumbauprojekte zu ehren. Der Verein „Aus einem Guss“ plant in der alten Modelltischlerei mit Unterstützung anderer Vereine wie des örtlichen Heimatvereins einen neuen Veranstaltungsort und eine Begegnungsstätte mit Historie zu schaffen. Konzerte, Lesungen und Ähnliches könnte sich Dreihaupt vorstellen. „Das Land plant unter anderem, eine Industrietourismusroute aufzulegen, wir wollen einfach frühzeitig dabei sein, wenn eine Beteiligung für Tangerhütte möglich ist.“

Auch an den immer weiter verfallenden Industriehallen (links) wurden die Besucher entlanggeführt.
Auch an den immer weiter verfallenden Industriehallen (links) wurden die Besucher entlanggeführt.
Foto: Birgit Schulze