Wischer l „Es war richtig geil.“ Roman Wolansky ist schlichtweg begeistert. Das Leuchten in den Augen des jungen Mannes, der noch ganz außer Atem ist, spricht Bände. Was er grad erlebt hat, scheint ihn überwältigt haben, war er doch in einer ganz anderen Welt. Und das muss es wohl tatsächlich sein, da unten, unter der Oberfläche des Wassers. Auch wenn es sich bei dem Wasser um kein karibisches und kein vulkan­inselspektakuläres handelt, sondern einfach um den See des Waldbades Wischer.

Aber wenn man zum ersten Mal taucht oder, wie Roman Wolansky jedenfalls, zum ersten Mal im Freiwasser, dann ist das einfach spannend, aufregend, interessant. „Es ist richtig kalt da unten“, gibt er noch einen Eindruck wieder, „und man sieht viel mehr als von hier oben aus.“ Muss man einfach glauben, wenn man es vorzieht, am Rand zu stehen, und das Geschehen „da unten“ eben nicht mitverfolgen kann.

19 wollen's wissen

Aber es gucken noch genug „Froschmasken“-Köpfe aus dem seicht plätschernden Waldbadwasser, die man mal zum Tauchen befragen kann. Und das ist an diesem schönen Sommersonnabend auch erwünscht, an dem der Stendaler Tauchclub (TC) Nekton Alpha vorige Woche zum Schnuppertauchen eingeladen hat. Die versierten Taucher warten im 20 Grad warmkalten Wasser auf die Gäste, 19 haben sich angemeldet, sie geben sich förmlich die Flossen in die Hand.

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Wer sich unter fachkundiger Anleitung in die Neoprenhülle gezwängt, die 25 Kilo Pressluft und Bleigürtel umgeschnallt, die Brille aufgesetzt hat und am Strand schließlich in die Flossen geschlüpft ist, für den geht es rückwärts schlappend in den See und dann für gut 25, 30 Minuten hinab.

In Indonesien und Island getaucht

„Der See ist bis zu 14 Meter tief, aber heute tauchen wir nur auf drei bis vier Meter“, ruft Roy Nique, einer der Nekton-Alpha-Taucher, zum Ufer her­über. Das reiche völlig aus, um überhaupt erst mal ein Gespür zu bekommen für das Atmen unter Wasser, für die schwebende Fortbewegung und dafür, wie man es schafft, so die Höhe zu halten.

Und, gibt‘s denn wenigstens auch was zu sehen? Nique zählt auf: „Schlingpflanzen, kleine Barsche, manchmal einen Hecht, und Krebse.“ Für ihn ist das zwar immer noch ganz nett, aber er hat in der Tat auch schon Aufregenderes gesehen, schließlich taucht er seit 20 Jahren. „Am schönsten war es in Mosambique, da haben wir Walhaie gesehen, und in Indonesien Pygmäen-Seepferdchen.“ Mit ein bisschen Taucher-Insiderwissen ausgestattet, fragt man herausfordernd: „Waren Sie denn auch schon mal in der Kontinentalspalte auf Island tauchen?“ „Na klar, also Island ist sehr beeindruckend. Da hat man Sichtweiten bis zu 100 Meter.“

Der U-Weihnachtsbaum

Für die, die im TC Nekton Alpha und damit im Altoa und im Wischer-See trainieren, gibt es einerseits zwar nicht so Überwältigendes zu sehen, schon gar nicht im Schwimmbad, andererseits aber, jedenfalls im See, doch mehr als nur Wasserpflanzen und kleine Fische. Das erfährt man von Roland Lüdtke, der am Ufer aufmerksam notiert, welcher Gast ins Wasser geht und, nein, nicht ob, sondern dass er wieder rauskommt. „Auf dem Grund haben wir ein paar Dinge installiert, ein Paddel, einen Kranich, einen Bottich mit Fenster und ein Holzklosett.“ Und dann gibt es noch eine Plattform für Übungszwecke, „auf die kommt auch immer unser Weihnachtsbaum drauf“. Jedes Hobby hat so seine kuriosen Seiten.

"Man hat seine Ruhe"

Roland Lüdtke selbst hat erst „mit über 40 Jahren angefangen zu tauchen“, eigentlich wollte er nur schwimmen, wegen Nackenproblemen. „Büro“, sagt er selbsterklärend-lakonisch. Aus Schwimmen mit Schnorchel wurde dann eben Tauchen.

Und warum macht man das überhaupt: sich in eine unbequem hautenge Gummimontur zwängen, sich kiloweise Material aufhucken, ständig künstliche Luft durch den Mund atmen und in mehr oder weniger trübem Wasser umherflosseln – also: tauchen? Roy Nique, immer noch im See, lächelt: „Das ist einfach entspannend, unter Wasser hat man seine Ruhe.“