Hamersleben/Wefensleben l Abermals wurde über das Für und Wider eines inhaltlich zentralisierten Förderschulcampus im Kreissüden geredet. Fast drei Stunden lang. Diesmal jedoch mit am Tisch: die Stimmen der Eltern. Seit Wochen hatten sie gefordert, dass auch sie in der Sache angehört werden. Am Dienstagabend hatten die Elternvertreter der Förderschulen „Miteinander“ Wefensleben und „Schule am Mühlenberg“ Hamersleben Gelegenheit, ihre Positionen zur Campusfrage gegenüber der Kreisverwaltung und dem Landesschulamt darzulegen. Eingeladen waren zu der Versammlung inoffiziellen Charakters nach Hamersleben auch die Spitzen der sechs Kreistagsfraktionen. Bis auf die CDU waren alle Fraktionen in der Gesprächsrunde vertreten.

Es sei „nicht wirklich was dabei rumgekommen“, zeigte sich Elternvertreterin Cindy Wurzer gestern leicht enttäuscht, da sie von amtlicher Seite „kein Verständnis für die Bedenken und Sorgen der Eltern“ gespürt habe. „Stattdessen haben wir nur nochmal erläutert bekommen, warum der Campus gebaut werden soll – und in dieser Argumentation ging es eigentlich nur ums Geld und um die Größe der personellen Ausstattung.“ Wurzer moniert außerdem: „Ausgerechnet der Landrat hat die Versammlung wegen eines Folgetermins vorzeitig verlassen. Da ja Herr Stichnoth selbst zu der Sitzung eingeladen hatte, hätte er das auch anders planen können.“

Die vollen drei Stunden haben auch jene nicht ausgeharrt, die außen vor bleiben mussten. Rund 30 weitere Eltern und Schüler hatten sich am Schultor postiert, um den eintreffenden Versammlungsteilnehmern zu verdeutlichen, dass sie sich gegen die Standort- und Vereinheitlichungspläne sträuben, die zum einen das Aus der Förderschulen in Wefensleben und Hamersleben und zum anderen die weitgehende Zusammenlegung von geistig- und lernbehinderten Schülern bedeuten würden. Beide Aspekte sind aus Sicht der Campusgegner die wesentlichen Argumente, die in der Gesamtbetrachtung über der finanziellen Bewertung stehen sollten.

Das hat auch der Kreistag – zunächst im Kultur- und Sozialausschuss, dann im Kreisausschuss und schließlich auch in der beschließenden Vollversammlung – bislang mehrheitlich so gesehen. Dass nun trotz der Ablehnung weiter diskutiert sowie abgestimmt wird, ist einem Widerspruch des Landrats geschuldet, demzufolge dem Landkreis durch die Ablehnung des Campus‘ erhebliche Nachteile entstünden.

Gegner wackeln nicht

Ob bis zur Sondersitzung in zwei Wochen Überzeugungen der Kreistagsmitglieder wechseln, scheint unwahrscheinlich. Die Beratung am Dienstag jedenfalls habe in diese Richtung nichts bewegen können, berichten Teilnehmer. „Der Kreis ist ja mit geballter Verwaltungs- und Landeskraft aufgefahren“, sagt Gudrun Tiedge, Fraktionsvorsitzende der Linken, „aber es wurde nichts Neues vorgetragen, was uns unsere Bedenken gegen den Campus zurückstellen ließe.“ Ähnlich äußert sich Reinhard Falke, der für die Fraktion der Grünen/Piraten anwesend war. Er attestiert der Kreisverwaltung zudem, „gravierende Fehler im Vorfeld gemacht“ zu haben. Einer davon sei die „Nichtbeteiligung derer, die es tatsächlich betrifft“ gewesen.

SPD-Kreistagsmitglied Wolfgang Zahn nahm nicht an der Gesprächsrunde teil, bezog dafür Stellung inmitten der protestierenden Eltern: „Der Landkreis will zwei seit Jahren funktionierende Förderschulstandorte opfern und zieht dafür Argumente an den Haaren herbei. In Hamersleben fehlt ein großer Gemeinschaftsraum und in Wefensleben ein Fahrstuhl. Das ist alles machbar, und auch beim Brandschutz sehe ich keine großen Hindernisse, die einen Campusneubau begründen.“ Dass es überhaupt zu einer Abstimmung darüber im Kreistag kam, verwundere Zahn sehr: „Meines Wissens nach gab es das noch nicht, dass ein schon in den Ausschüssen durchgefallener Vorschlag trotzdem auf die Tagesordnung gesetzt wird.“

Im Namen der am Dienstag in Hamersleben nicht vertretenen CDU-Fraktion kündigte Vorsitzender Thomas Schmette für den 16. April eine Fraktionssitzung zur Thematik an. „Da wollen wir auch über die vom Ortsverband Obere Aller an uns gerichtete Bitte bezüglich der Neubauvariante in Wefensleben sprechen.“