Seehausen l „Seehausen hat etwa 1800 Einwohner. Davon ist nur ein Prozent in der Feuerwehr aktiv. Das ist zu wenig“, sagte Marco Wartenberg, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Seehausen, am Mittwochabend, 7. November, im „Sonnensaal“ der Stadt. Dieses eine Prozent an der Bevölkerungsanzahl mache gerade einmal 17 Kameraden in der Einsatzabteilung aus. Auf ihren Schultern liege die Last der Einsätze, deren Anzahl sich von Jahr zu Jahr erhöhe.

Belastung wächst jedes Jahr

Doch der Seehäuser Feuerwehr fehlt der Nachwuchs. Deshalb hatten die Kameraden die Bevölkerung zum Themenabend „Einsatzbereitschaft in Gefahr. Es brennt und (fast) keiner kommt“ eingeladen. Die dürftige Resonanz machte das Dilemma deutlich. Nicht genügend Bürger scheinen sich für das Thema Feuerwehr zu interessierten.

Dass der Feuerwehr in Seehausen der Nachwuchs fehle, sei nicht allein ein spezifisches Problem in der Börde. „Deutschlandweit fehlt den Feuerwehren der Nachwuchs. Und keiner weiß, warum. Ich kann es mir auch nicht erklären“, verdeutlichte Daniel Hahn, der seit 18 Jahren in den Reihen der Seehäuser Feuerwehr seinen ehrenamtlichen Dienst ausübt und heute als Zugführer eingesetzt ist.

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Nachwuchs fehlt

In seinem Vortrag gab Hahn dem Publikum einen Einblick in das Einsatzgeschehen, das seine Wehr zu bewältigen hat. War die Feuerwehr 2016 zu 16 Einsätzen ausgerückt, steigerte sich diese Anzahl 2017 auf 41 Einsätze, was besonders etlichen Stürmen zuzurechnen war. In diesem Jahr waren die Kameraden bereits 33 Mal im Einsatz und ein Ende sei noch nicht abzusehen. Die Last der Einsätze liege auf 17 aktiven Kameraden, deren Anzahl sich aus Altersgründen verringern werde.

Dabei verschiebe sich das Spektrum der Einsätze mehr und mehr zu Hilfeleistungen nach Unfällen, Tragehilfen für den Rettungsdienst oder das Beseitigen von Ölspuren auf Straßen. Die Anzahl eigentlicher Brände sei weitaus geringer. Könne die Seehäuser Feuerwehr nach Feierabend und damit in den Nachtstunden in einer ausreichenden Stärke an Einsatzkräften ausrücken, sei das tagsüber meistens nicht möglich. Dann fiele es der Wehr deutlich schwerer, das Löschfahrzeug mit ausreichend Personal zu besetzen, verdeutlichte Hahn. Einziges Mittel dagegen sei das Ausrücken mehrerer Ortsfeuerwehren im Verbund des dritten Zuges der Wanzleber Feuerwehr, um genügend Einsatzkräfte vor Ort zu haben.

Tagsüber zu wenige Leute

Seehausens Ortsbürgermeister Eckhard Jockisch (Freie Wähler) machte noch einen anderen Grund für die sinkende Einsatzbereitschaft der Wehr aus. Von der Verlegung des Bauhofes vom Stützpunkt Seehausen nach Klein Wanzleben seien auch drei Mitarbeiter betroffen, die aktive Feuerwehrmänner sind.

Wurde vor dem Wegzug des Bauhofes in Seehausen Alarm für die Feuerwehr ausgelöst, seien diese drei Kameraden schnell zur Stelle gewesen. Jetzt hätten sie jedoch lange Anfahrtswege oder seien nur in kurzer Zeit verfügbar, wenn sie zufällig gerade in Seehausen arbeiten würden. „Das ist ein schwerer Schlag für unsere Feuerwehr“, sagte Jockisch. Zudem sei für den Seehäuser Ortsbürgermeister die Zentralisierung des Bauhofes „ökonomischer Unfug“, da sich die Anfahrtswege der Kollegen in die Dörfer deutlich verlängert hätten.