Wanzleben l Der Wanzleber ist einer von acht anerkannten Fachleuten des Landesverbands im Landkreis, die sich bestens mit Pilzen auskennen. „In diesem Jahr haben wir eine echte Pilzschwemme, da sind wir gefragt“, sagt Wegsel. „In meinem Fall könnten jedoch ruhig mehr Pilzfreunde vorbeischauen, die Nachfrage hält sich in Grenzen.“ Karlheinz Wegsel ist ein ausgesprochener Spezialist, wenn es um die leckere Mahlzeit aus dem Wald und von der Wiese geht. Schon als Kind hat der heute 80-Jährige seine Großmutter in den Wald bei Blankenburg begleitet. „Da waren die gängigsten essbaren Pilze gefragt“, erzählt er. „Mit den Giftpilzen habe ich mich erst viel später befasst, da sie mich einfach interessieren und ein echter Fachmann will einfach alle Pilze bestimmen können – das macht Spaß.“ Wegsel hatte auch in seinem Arbeitsleben viel Beziehung zur Natur, so war er als Veterinär und später bei den Landkreisen Wanzleben und Oschersleben bei der Lebensmittelüberwachung tätig.

Geprüfter Fachmann für Pilze ist er seit 2000. „Wer jetzt meint, dass ein Berater alle Pilze kennen muss, der irrt“, gibt der Rentner freimütig zu. „Es gibt allein in Mittel- und Nordeuropa Tausende von verschiedenen Arten. Langjährige Erfahrungen und viel Fachliteratur helfen oft entscheidend weiter.“

Der 80-Jährige verweist auf ganze Regale voller Lexika und Fachbücher, ja es gibt sogar ganze Bücherreihen dazu. Ein Buch mit 1200 Pilzen und deren Abbildungen hat er bei eigenen Touren immer in der Jackentasche.

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Praxistest mit Pilzen

„Auch ein Fachmann muss sich hin und wieder rückversichern“, sagt er mit einem Schmunzeln. In diesem Tagen haben es ihm besonders die Champignons angetan. „In Wanzleben und Umgebung ist das wohl der Pilz, den man hier findet“, sagt er. „Viele Leute fahren aber ins Hohe Holz nach Oschersleben oder gar in den Harz oder die Altmark, um zu sammeln.“ Trotzdem stellen sich einige mit ihren Ergebnissen in Wanzleben vor, um Rat zu erhalten.

„Erst vor zwei Tagen war ein Wanzleber mit zwei großen Körben voller Champions bei mir“, sagt Wegsel. „Er war ganz traurig, dass er sie alle wegwerfen musste. Es handelten sich um Karbol-Champignons, die sind unverträglich.“ Die Unterscheidung sei recht schwierig. Ihm selbst sind beim Praxistest kaum geruchliche Unterschiede aufgefallen. Selbst bei einem Testkochen habe er nicht den charakteristischen Gestank aus dem Topf wahrgenommen. „Beim Abrieb werden jedoch gelbe Stellen an den auch Giftlinge genannten Pilzen sichtbar. Das ist ein untrügliches Zeichen“, erklärt er.

Pilze vor Ort reinigen

Pilzkennern empfiehlt er zudem, die Pilze noch vor Ort grob zu reinigen. „Sollte aber der Besuch eines Fachmanns angestrebt werden, dann sollte man die abgeernteten Pilze möglichst komplett lassen“, sagt Karlheinz Wegsel weiter. „Somit wird der spätere Erkennungswert enorm gesteigert.“ Er selber habe schon Pilze in die Hände bekommen, die absolut nicht mehr zugeordnet werden konnten, da sie zu stark beschnitten waren.

„In jedem Fall empfiehlt es sich, einen Kenner aufzusuchen, um nicht hinterher – im günstigsten Fall – Verdauungsprobleme zu bekommen“, formuliert er. „Es gibt wirklich wohlschmeckende Pilze. Ich selber ernte gern den Hallimasch.“

Das Sammeln sei für Privatpersonen eine in Deutschland erlaubte Praxis. Sollen die Pilze allerdings verkauft werden, sei das Einverständnis des Bodeneigentümers einzuholen. Beim Pflücken sei zu beachten, dass der Pilz möglichst herausgedreht werde. „Das verhindert eine weitergehende Beschädigung der unterirdischen Verzweigungen, des Mycel“, erläutert der Fachmann. „Eine Krause Glucke sollte man nicht ganz abschneiden, da sie von einem Restbestand wieder nachwächst.“

Größter Pilz der Welt

Seiner Leidenschaft für Pilze geht der Wanzleber auch in seinem eigenen Garten nach. Dort hat er erst kürzlich einen Kragenerdstern entdeckt, einen Saftporling in einem Apfelbaum beobachtet er schon gut neun Jahre lang. Auch Paradebeispiele für den Karbol-Champignon finden sich hier. „Ich finde das ganze spannend“, sagt er. „Ein Pilz ist auch das größte Lebewesen der Welt.“ Dabei handelt es sich um einen Hallimasch in Oregon, der sich über eine Fläche von rund neun Quadratkilometern (900 Hektar) erstreckt. Sein Alter wird auf 2400 Jahre und sein Gewicht auf etwa 600 Tonnen geschätzt.