Klein Wanzleben

Imker legt mit seinen Freunden Blühwiesen für mehr Artenvielfalt an

Imker richten in Klein Wanzleben eine erste Blühweise ein. In der Zukunft wollen sie noch weitere Flächen dafür nutzen, um damit Insekten eine breitere Angebotspalette zu verschaffen. Meist stehen nämlich auf den Feldern gespritzte Monokulturen. Die Initiative kommt allerdings nicht überall gut an.

Von Lena Bellon
Imker Michael Schulze hat zusammen mit einigen Freunden und Nachbarn eine Blühwiese in Klein Wanzleben gesät.
Imker Michael Schulze hat zusammen mit einigen Freunden und Nachbarn eine Blühwiese in Klein Wanzleben gesät. Lena Bellon

Klein Wanzleben - „In Deutschland wird viel zu viel Wert auf Ordnung, Geradlinigkeit und Sauberkeit gelegt. Ich würde gerne zeigen, dass es auch natürlich schön sein kann“, sagt der Imker Michael Schulze überzeugt. Für seine Bienenvölker und andere Insekten wünscht sich der Imker aus Klein Wanzleben stets Blühende Blumen voller Nektar. In der Realität beobachtet er aber, dass sowohl Felder als auch private Rasenflächen immer abgemäht werden, so dass kaum etwas wild wachsen kann.

In seinem Wohnort fielen ihm immer mehr ungenutzte Flächen und leblose Rasenflächen auf, die mit der richtigen Saat zu einem Nektarparadies werden könnten. „Im April diesen Jahres habe ich beim Gemeinderat nachgefragt und die Erlaubnis für die Blühfläche bekommen. Im Mai habe ich dann zusammen mit einem Freund und einigen Nachbarn angefangen, den Boden aufzulockern und Saatmischung zu verteilen“, berichtet Schulze.

Die Blühmischung habe es noch mit Raps- und Senfsamen aufgewertet. „Den Boden der Fläche aufzulockern war körperlich sehr anstrengend. Wir waren froh, als wir Hilfe von einem Freund mit Traktor bekamen, der sich schließlich der Erde widmete“, erzählt der Imker. Als die Erde gelockert war, konnte Schulze zusammen mit seinen Helfern die Saatmischung verteilen. „Als es dann mal geregnet hat, konnte die Saat aufblühen“, sagt er begeistert.

Drei Monate später sieht man schon erste Ergebnisse: Es blühen große Sonnenblumen, Weber-Karde, Buchweizen und 14 weitere bunte und grüne Pflanzen und Blumen. Der Imker legt Wert auf Naturbelassenheit und freut sich über Unkraut und Brennnesseln genauso wie über Kräuter und Disteln.

„Von den Bewohnern gibt es unterschiedliche Reaktionen. Manche finden unsere Idee und das Engagement toll, während andere Menschen darüber schimpfen, dass es ungepflegt aussieht“, erzählt Sven Pazdyka, der ebenfalls Imker ist und bei dem Aufbau der Blühwiese geholfen hat. „Wenn man näher herangeht, sieht man die Hummeln und Schmetterlinge fliegen. Da sehe ich, wie sinnvoll die Wiese ist.“

Für Schulze und seine Helfer steht fest, dass sie gerne mehr solcher Flächen in Wanzleben hätten: „Für die Insekten gibt es nichts Besseres und ständig die Wiesen zu mähen kostet die Stadt doch viel Geld.“ Dennoch beobachte der Imker, dass glatte und saubere Flächen in der Bevölkerung lieber gesehen werden, als wildwachsende Gärten: „Ich schaue auch mit Furcht auf all die Unkrautvernichter. Die Bienen nehmen diese Gifte aus der Pflanze mit auf und müssen den Nektar dann stärker filtern.“ Das sei nicht nur für die Tiere.

Das Gemüse auf den Äckern sei oft gespritzt und auf eine Monokultur angelegt. Die Pflanzen seien wichtig für die Insekten, die wiederum seien wichtig für die Vögel und die Saat. „In der Natur ist alles ein Kreislauf und ohne uns Menschen regelt die Natur alles von selbst. Durch unser Eingreifen geht die Artenvielfalt nach und nach verloren“, sagt Schulze besorgniserregt. „Ich würde mich schon freuen, wenn auch auf Gärten und Balkons mehr Menschen Kräuter oder Lavendel anpflanzen, die sind für Bienen eine schöne Anlaufstelle.“ Für mehr Artenvielfalt verteilt der Imker auch manchmal Saat auf Feldern zu verteilen und hofft, damit einen kleinen Beitrag für die Umwelt zu leisten.

„Ich habe Angst, dass die Natur sich bald noch mehr wehrt, wenn wir Menschen zu stark in sie eingreifen“, sagt er nachdenklich. Er versuche immer die Zusammenhänge zwischen Pflanzen und Tieren zu begreifen und mit kleinen Gesten, wie der Blühwiese, einen Beitrag für die Umwelt zu leisten.