Wanzleben l In schwindelerregender Höhe von über 40 Metern wurde die erste Turmkugel auf eine der Doppelspitzen der St. Jakobi Kirche in Wanzleben gesetzt.

Inhalt der Zeitkapsel aus dem Jahr 1880

Diese ereignisreiche Anbringung wurde mit dem traditionellen Knopffest gefeiert. Pfarrerin Dorothee Sparfeld erklärte, dass der Name von den Turmkugeln selbst stammt, da diese auch als Turmknöpfe bezeichnet werden. Das Besondere an dieser Veranstaltung war, dass die Kugeln nicht nur prunkvoll aussehen, sondern wahre Zeitkapseln sind. Bei jeder Sanierung der Doppeltürme werden die Turmknöpfe gelöst und geöffnet. Zum Vorschein kommen unter anderem alte Dokumente und auch Münzen, die bei der letzten Sanierung in die Kugeln sicher verstaut wurden. So wurden aus den zwei alten Turmkugeln unterschiedliche Kartuschen ans Licht gebracht. Eine aus dem Jahr 1966 und die älteste aus dem Jahr 1880. In diesen Jahren fanden dementsprechend Sanierungen an dem Gebäude statt. In der Zeitkapsel von 1966 ließen sich zum Beispiel alte Fotos finden sowie eine Niederschrift des Kirchenwortes aus dem Jahr. Doch auch eine Deutsche Mark Münze von 1956 wurde damals mit hineingelegt. Um auch die Schriften, die sich in der Kapsel befanden zu entziffern, schlossen sich einige Ehrenamtliche zusammen und übersetzen die Schriftstücke aus den Jahren. Diese wurden dann den Gästen im Eingangsbereich der Kirche präsentiert.

Höhepunkt in über 40 Metern

„Es braucht ein ganzes Dorf, eine ganze Stadt, um eine Kirche zu erhalten“, sagte Pfarrerin Dorothee Sparfeld während des vorangegangenen Gottesdienstes. „Nur mit vereinten Kräften konnte dies gelingen“, betont sie weiter. Denn nur mit der Unterstützung und Zusammenarbeit mit der Stadt Wanzleben, des Kirchenkreises Egeln, und Fördermitteln der Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt, konnte dieses Projekt in die Tat umgesetzt werden. Doch auch fachkundige Planer, Gutachter und begabte Handwerker mussten gefunden werden, um die Arbeiten an der Kirche zu bewerkstelligen. Seit April diesen Jahres wird die Kirche nun schon saniert. Wie lange es noch dauern wird bis die Kirche in ihrem neuen Glanz erstrahlt, könne noch nicht konkret bestimmt werden, sagte die Pfarrerin Dorothee Sparfeld. Die Kosten der Turmsanierung betragen etwa 548 000 Euro.

Bilder

Neuer Inhalt für die goldenen Kugeln

Nach dem Gottesdienst folgte die Befüllung der neuen Zeitkapsel. Neben der Wanzleber Volksstimme, wurde auch der General-Anzeiger, ein Gemeindebrief und die Dokumentation der Öffnung der alten Kugel vom 12. September beigefügt. Doch auch eine Gedenkmünze des 30-jährigen Mauerfalls und weitere aktuelle Euromünzen wurden behutsam in die Kartusche gelegt. Sorgfältig in schützendes Papier eingehüllt und in das kupferne Behältnis verstaut, wurde dieses anschließend mit einem Bunsenbrenner versiegelt. So sind die Erinnerungsstücke bis zur nächsten Sanierung vor Witterung geschützt. Damit alles sicher nach oben auf die Spitze der St. Jakobi Kirche gelangt, diente eine Art Aufzug zur sicheren Beförderung. Die letzten zwei Etagen des Baugerüsts mussten jedoch mit vereinten Kräften gemeistert werden. Oben angekommen legte Pfarrerin Dorothee Sparfeld die Kartusche mit den neuen Erinnerungsstücken in die Turmkugel. „Sie sollen kommenden Generationen von vergangenen Tagen erzählen“, teilte Dorothee Sparfeld mit. Mit vielen Helfern wurde die goldene Kugel vorsichtig auf die Kirchturmspitze gesetzt und ziert nun den höchsten Punkt von Wanzleben. Nach weiteren Sanierungsarbeiten wird auch die zweite Turmkugel auf eine der Doppelspitzen aufgebracht. In ihr befinden sich dann die Dokumente aus der Zeitkapsel von 1966. Bis zur nächsten Sanierung, in wohl erst einigen Jahrzehnten, bleiben die Kugeln unberührt auf der Spitze und erstrahlen im neuen Glanz.